Montag, 19. August 2019

Interview mit Frank Mattern "Eine Drei vor dem Komma"

McKinsey-Deutschland-Chef Frank Mattern: "Akzeptanz des System"

Warum McKinsey für steigende Löhne plädiert.

mm: Herr Mattern, im beginnenden Bundestagswahlkampf stehen Verteilungsfragen im Vordergrund: Mindestlohn, Steuererhöhungen, eine heftige Tarifrunde. Ist Deutschland dabei, seine Erfolge zu verspielen?

Mattern: Natürlich darf die Politik jetzt nicht überziehen. Aber ich bin da nicht pessimistisch: Die Wettbewerbsfähigkeit der Industrie ist enorm. Insofern kann Deutschland Tarifabschlüsse mit einer Drei vor dem Komma nicht nur verkraften, sie sind sogar wünschenswert.

mm: Warum?

Mattern: Aus zwei Gründen: Zum einen stoßen die hohen Exportüberschüsse auf politische Widerstände bei unseren Partnern in Europa; wir müssen in Zukunft mehr importieren und mehr für die Binnennachfrage tun. Zum anderen geht es auch um die Balance der Einkommensverteilung in Deutschland: Wenn auf Dauer zu wenige vom Aufschwung profitieren, gefährdet das die Akzeptanz unseres Wirtschaftssystems.

mm: Was ist aus der McKinsey-Spezialität, dem Kostendrücken, geworden?

Mattern: Alles zu seiner Zeit. Natürlich lohnt es sich immer, auf Effizienz zu achten. Aber anders als vor zehn Jahren ist die Arbeitslosigkeit heute niedrig. Vielerorts herrscht Fachkräftemangel. Wer den beheben will, wer Reserven des Arbeitsmarktes mobilisieren und ausländische Fachkräfte ins Land locken will, muss auch bereit sein, vernünftige Löhne zu zahlen.

mm: Es gibt Leute in Brüssel oder Paris, die würden sich noch stärkere deutsche Lohnerhöhungen wünschen - 6 bis 7 Prozent im Jahr.

Mattern: Ich weiß. Aber das würde sich in steigenden Preisen niederschlagen. Wir sollten die Euro-Krise nicht dadurch zu lösen versuchen, dass wir die Inflation schüren.

Interview mit Multi-Investorin Susanne Klatten über die Start-up-Förderung: "Wir müssen ständig vorn dran sein" Zum Haupttext: "Deutschland 2025 - die fetten Jahre sind zurück"

© manager magazin 4/2013
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung