Sonntag, 5. April 2020

IMK-Institut Forscher fordert ein Ende des Sparens

Griechenland: Kritiker sagen immer wieder, dass Sparen allein nicht aus der Krise führt.
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Griechenland: Kritiker sagen immer wieder, dass Sparen allein nicht aus der Krise führt.

Um die Krise im Euro-Raum zu überwinden, bedarf es einer Abkehr vom "überharten Sparen", fordert der gewerkschaftsnahe Forscher Gustav Horn. Wichtiger sei es, über Steuer- und Lohnanreize sowie Investitionen die Konjunktur auf Trab zu bringen, sagt der IMK-Direktor.

Berlin - Das gewerkschaftsnahe IMK-Institut fordert ein Ende zu harter Sparprogramme in den Euro-Krisenstaaten. Statt dessen müsse das Wachstum gestärkt werden, um spürbare Fortschritte zur Lösung der Schuldenkrise zu erreichen, sind die Forscher überzeugt.

"Die europäischen Regierungen haben jetzt zwei Jahre lang versucht, sich aus der Krise herauszusparen", sagte IMK-Direktor Gustav Horn. "Das hat nicht funktioniert, im Gegenteil: Immer mehr Länder rutschen in eine Rezession, und dabei wachsen ihre Staatsschulden weiter."

Dass die harten Einschnitte in den Krisenländern nicht von Erfolg gekrönt sind, liege nicht etwa an der laschen Umsetzung, sondern "ist die makroökonomisch zwingende Folge eines sich selbst konterkarierenden Austeritätskurses", ist das IMK überzeugt.

IMK bestätigt Wachstumsprognose für Europa

Damit die Wirtschaft im laufenden Jahr eine Trendwende schaffe, sei eine Abkehr vom "überharten Sparkurs" nötig. Staaten mit finanziellem Spielraum sollten die Konjunktur mit einer passenden Steuer- und Lohnpolitik sowie Investitionen fördern. Für Deutschland ergebe sich ein Spielraum von Lohnerhöhungen um rund 3,5 Prozent.

Die Düsseldorfer Forscher gehen davon aus, dass die Wirtschaftsleistung der Euro-Zone im laufenden Jahr weiter um 0,5 Prozent schrumpft. Die Europäische Zentralbank rechnet ebenfalls nicht mit einem Ende der Rezession.

Zuletzt haben sich jedoch ein paar Stimmungsindikatoren wie der deutsche Ifo-Index aufgehellt. Der heimischen Wirtschaft trauen die IMK-Experten 2013 ein Plus von 0,8 Prozent zu. "Die deutsche Wirtschaft wird sich in diesem Jahr über Wasser halten können", sagte Horn und fügte hinzu: "Doch die Rezession im Euroraum hängt ihr wie ein Gewicht an den Füßen."

rei/rtr/dapd

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