Montag, 18. November 2019

Herbstgutachten Wirtschaftsforscher warnen vor Rezession

Es geht abwärts mit der deutschen Wirtschaft: Die Forscher rechnen für 2013 nur noch mit einem Wachstum von 1,0 statt 2,0 Prozent

Die deutsche Wirtschaft kann sich dem Sog der Euro-Krise nicht mehr entziehen: Die führenden Forschungsinstitute haben ihre Prognose für 2013 kräftig eingestampft und warnen sogar vor einer Rezession. Immerhin: Der Bundeshaushalt steuert auf einen Überschuss zu.

Berlin - Die führenden deutschen Wirtschaftsforschungsinstitute haben die Wachstumsprognose für das kommende Jahr wegen der Euro-Schuldenkrise halbiert. Das deutsche Bruttoinlandsprodukt (BIP) dürfte 2013 nur noch um einen Prozent zulegen, heißt es im Herbstgutachten der Institute.

Im Frühjahr hatten die Institute noch einen Zuwachs von 2 Prozent prognostiziert. Für das laufenden Jahr erwarten die Forscher ein Wachstum von 0,8 Prozent nach zuletzt 0,9 Prozent. Bereits gestern wurde über die neuen Prognosen spekuliert.

Als wichtigen Belastungsfaktor nannten die Forscher die Schulden- und Vertrauenskrise im Euro-Raum. Außerdem werde die deutsche Wirtschaft durch die Entwicklung der Weltwirtschaft gebremst, die bis Ende 2013 verhältnismäßig langsam expandieren werde. Schließlich leide die konjunkturelle Entwicklung nach wie vor unter Anpassungsprozessen, die seit dem Platzen der Immobilienblase in den USA vor fünf Jahren immer noch Auswirkungen zeigen, heißt es in dem Gutachten.

Schon für 2012 rechnen die Forscher mit Überschuss im Haushalt

An der Preisfront rechnen die Wirtschaftsforscher im kommenden Jahr mit wenig Veränderung: Höhere Lohnstückkosten dürften den Preisauftrieb verstärken. "Alles in allem ist mit einer Inflationsrate von 2 Prozent in diesem und 2,1 Prozent im kommenden Jahr zu rechnen."

Am Arbeitsmarkt erwarten die Forscher im kommenden Jahr kaum noch Verbesserungen. Daher dürfte die Arbeitslosenquote in diesem Jahr und auch im kommenden Jahr bei 6,8 Prozent liegen.

Die zuletzt kräftig sprudelnden Steuereinnahmen werden nach Einschätzung der Experten einen positiven Effekt auf die deutschen Staatsfinanzen haben. Schon im laufenden Jahr sei mit einem leichten Überschuss im Haushalt von 0,1 Prozent des BIP zu rechnen. Im kommenden Jahr dürfte sich die Haushaltssituation nicht weiter verbessern. Die Experten rechnen mit einem ausgeglichenen Haushalt.

Prognose nur unter bestimmten Bedingungen haltbar

Selbst ihre nun gedämpfteren Vorhersagen für die deutsche Wirtschaft knüpften die Wirtschaftsforscher an die Bedingung, dass sich die Lage im Euro-Raum stabilisiert und dadurch die Zuversicht der Investoren zurückkommt. Diese Entwicklung sei aber "keineswegs gesichert", erklärten sie. Sollte sich die Euro-Krise weiter zuspitzen, würde auch die deutsche Wirtschaft getroffen. "Über den gesamten Prognosezeitraum gesehen überwiegen die Abwärtsrisiken, und die Gefahr ist groß, dass auch Deutschland in eine Rezession gerät", warnten die Ökonomen.

Das Gutachten der führenden Wirtschaftsforschungsinstitute wird vom Kieler Instituts für Weltwirtschaft, des Münchener Ifo-Instituts, des Essener Rheinisch-Westfälischen Instituts für Wirtschaftsforschung und vom Instituts für Wirtschaftsforschung Halle für die Bundesregierung erstellt. Die Regierung will ihre eigene Wachstumsprognose kommende Woche vorstellen.

Schon in den vergangenen Monaten hatten sich die Wachstumsaussichten für Deutschland deutlich eingetrübt Mit Ausnahme des Außenhandels drehten alle Indikatoren ins Minus: Aufträge, Produktion - und auch der lange stark entlastende Arbeitsmarkt kann jetzt nicht mehr für Schub sorgen. Zuletzt ist die Arbeitslosenquote hierzulande zwar noch einmal gesunken, und das wird sie bis zum Wintereinbruch wohl auch noch ein weiteres Mal, doch die saisonbereinigte Arbeitslosenzahl stieg bereits. Wenn auch minimal.

mg/dpa-afx/afp

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