Kleine Erholung Industrieaufträge steigen überraschend

Deutschlands Industrie hat im Juli mehr Orders verbucht als Experten zuvor erwartet haben. Der kleine Aufschwung kam vor allem durch die weiterhin vergleichsweise robuste Konjunktur im Inland zustande, die Aufträge von außerhalb Europas  stabilisierten die Auslandorders.
Bauindustrie: Eine der weiterhin vergleichsweise robusten Branchen hierzulande

Bauindustrie: Eine der weiterhin vergleichsweise robusten Branchen hierzulande

Foto: Boris Roessler/ dpa

Berlin - In der deutschen Industrie sind die Auftragseingänge im Juli stärker als erwartet gestiegen. Das gesamte Auftragsvolumen habe um 0,5 Prozent zum Vormonat zugenommen, teilte das Wirtschaftsministerium am Donnerstag in Berlin mit. Volkswirte hatten lediglich mit einem Zuwachs um 0,3 Prozent gerechnet. Der Vormonatswert wurde leicht auf minus 1,6 Prozent (zunächst: minus 1,7 Prozent) revidiert.

"Die Auftragsdaten sind etwas besser als erwartet. Wir hatten im Vormonat allerdings auch einen deutlichen Rückgang. Insgesamt bleibt aber festzustellen: Die Geschwindigkeit ist bei den Aufträgen raus. Wir sehen eher eine Seitwärtsbewegung", sagte Uwe Angenendt von der BHF-Bank.

In den vergangenen Wochen hatte sich ein immer deutlicheres Bild der auslaufend guten Wirtschaftslage hierzulande gezeigt. Wichtige Wirtschaftsindikatoren wie etwa der Konjunkturindex des Münchener Ifo-Wirtschaftsforschungsinstituts drehten ein um das andere Mal immer weiter ins Minus, die Zahl der zusätzlich angebotenen Jobs hierzulande sinkt - und heute sagte die Organisation für Wirtschaftliche Zusammenarbeit (OECD) der Bundesrepublik sogar eine Rezession voraus. Anders als viele andere europäische Staaten hatte Deutschlands Wirtschaft sich bisher genau gegen die mit einigem Erfolg gestemmt.

Der Umfang an Großaufträgen sei im Juli sehr gering gewesen, hieß es weiter in der Mitteilung des Wirtschaftsministeriums. Die Impulse seien vor allem aus dem Inland gekommen. Hier habe es einen Zuwachs von 1,0 Prozent zum Vormonat gegeben. Das Volumen der Auslandsaufträge sei hingegen nahezu unverändert geblieben (lus 0,1 Prozent). Die Hersteller von Vorleistungs- und Investitionsgütern meldeten Zuwächse von je 0,5 Prozent. Die Produzenten von Konsumgütern hätten dagegen weniger Bestellungen (minus 1,2 Prozent) verzeichnet.

Im Zweimonatsvergleich Juni/Juli gegenüber April/Mai gingen die Aufträge laut Ministerium um 1,0 Prozent zurück. Die Inlandsbestellungen seien dabei deutlich stärker gesunken (minus 2,1 Prozent) als die Orders aus dem Ausland (minus 0,2 Prozent). Ein geringeres Bestellvolumen habe es im Zweimonatsvergleich vor allem bei den Vorleistungsgütern und weniger ausgeprägt auch bei den Investitionsgütern gegeben.

Die Bestellungen in der Industrie hätten sich insgesamt weiterhin als stabil erwiesen, kommentierte das Ministerium die Zahlen. Trotz der aktuellen Zurückhaltung bei Großaufträgen verharre das Gesamtvolumen saisonbereinigt "exakt auf dem durchschnittlichen Niveau des ersten Halbjahres 2012". Außerdem scheinen sich die Bestellungen aus der Euro-Zone stabilisiert zu haben. Zuletzt hatte die Folge der Euro-Schuldenkrise den Auftragseingang aus den Krisenstaaten der Euro-Zone belastet.

kst/dpa-afx/rtr
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