Mittwoch, 24. April 2019

Goethe-Institute Deutschkurse sind neuer Exportschlager

Spanien: Derzeit hohe Arbeitslosigkeit und keine Aussicht auf absehbare Besserung

Massenarbeitslosigkeit in Spanien und Portugal, vergleichsweise rosige Jobaussichten in Deutschland: Das Interesse an Deutschkursen in  Südeuropas Krisenstaaten schwillt weiter an. Teils schnellen die Teilnehmerzahlen bei den Goethe-Instituten zweistellig in die Höhe.

Hamburg - Die Euro-Krise in den südeuropäischen Ländern sorgt für einen Ansturm auf Deutschkurse im In- und Ausland. "Die Nachfrage ist so hoch, dass die Kollegen in den Instituten in den betroffenen Ländern rotieren", sagte Berthold Franke, der zuständige Regionalleiter des Goethe-Instituts. Unter anderem in Spanien, Italien und Portugal habe man zusätzliche Deutschkurse einrichten können.

Gefragt seien auf der iberischen Halbinsel zunehmend auch direkt berufsbezogene Sprachkurse, berichtete Franke. Deutsche Unternehmen würden immer häufiger Pflegekräfte, Ärzte oder Ingenieure in Südeuropa anwerben - und ließen ihre neuen Mitarbeiter noch vor Ort in Spanien oder Portugal in deutscher Sprache unterrichten.

Von einer "riesigen Entwicklung" spricht Berthold Franke dann auch, der Regionalleiter Südwesteuropa des Goethe-Instituts. Um 80 Prozent sei die Nachfrage nach Deutschkursen in Spanien ab 2010 gestiegen - obwohl es schon zuvor "gute Zahlen" gegeben habe. "Wir sprechen mit unseren Kunden und stellen fest: Der Anstieg ist zurückzuführen auf junge, gut ausgebildete Menschen, die auf den deutschen Arbeitsmarkt blicken", sagte Franke.

Auch für die anderen Euro-Krisenländer ergeben aktuelle Statistiken des Goethe-Instituts ein eindeutiges Bild: Um 18 Prozent stiegen den Angaben zufolge alleine im laufenden Jahr die Anmeldungszahlen für die institutseigenen Deutschkurse in Italien. Für Griechenland weisen die Statistiken ein Plus von knapp 10 Prozent in 2011 aus, für Portugal eines von 20 Prozent.

Deutliche Steigerungen auch bei Kursen in Deutschland

Zuwächse verzeichnen aber auch die Anbieter von Deutschkursen im Inland. An den Volkshochschulen (VHS) ist vor allem in den alten Bundesländern ein Zustrom an Deutschschülern aus Spanien, aber auch aus Griechenland, Portugal und Italien festzustellen, so das Ergebnis einer stichprobenartigen dapd-Umfrage. Ein Großteil der befragten Volkshochschulen in Bayern, Nordrhein-Westfalen, Bremen, Berlin, sowie Vertreter der VHS-Landesverbände von Rheinland-Pfalz, Niedersachsen und Schleswig-Holstein berichteten von einer entsprechenden Tendenz.

So sprach eine Vertreterin der VHS Köln von einem "Boom" bei Integrations- und Sprachkursen. Unter den Kursteilnehmern befänden sich viele Spanier, aber auch Griechen. Christina Bruhn vom Verband der Volkshochschulen in Schleswig-Holstein sagte, sie "habe den Eindruck, dass gerade viele junge, gebildete Spanier kommen, die zu Hause offensichtlich keine Arbeit finden". Volkshochschulen in Sachsen, Thüringen und Brandenburg berichteten hingegen kaum von einem Plus bei Sprachkursteilnehmern aus den südeuropäischen Ländern.

kst/dapd

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