Trotzkonsum Euro-Krise perlt an deutschen Shoppern ab

Den deutschen Verbrauchern sitzt das Geld locker. Dank höherer Löhne und sinkender Arbeitslosigkeit geben sie kräftig Geld aus. Dazu trägt sogar die Euro-Krise bei: Viele Bundesbürger wissen in der aktuellen Niedrigzinszeit offenbar nicht, warum oder wie sie auch sparen sollten.
Hang zum Geldausgeben: Einkäufe bleiben trotz Euro-Krise in Deutschland vergleichsweise hoch

Hang zum Geldausgeben: Einkäufe bleiben trotz Euro-Krise in Deutschland vergleichsweise hoch

Foto: Tiffany & Co.

Nürnberg - Es ist eine gespaltene Lage. Deutschlands Bürger spüren die Schuldenkrise nicht, die viele Staaten Europas erschüttert. Eine tiefgehende Krise, die Rezessionen auslöst und Massenarbeitslosigkeit dazu - außerhalb Deutschlands bisher. Hierzulande sinkt die Arbeitslosigkeit sogar, wenn auch zuletzt langsamer als in den Vormonaten. Nie hatten so viele Frauen und Männer in Deutschland dann auch einen sozialversicherungspflichtigen Job wie im Jahr 2012. Entsprechend locker sitzt den Deutschen derzeit das Geld.

"Die Haushalte hierzulande spüren die Krise eigentlich nicht. Der Arbeitsmarkt ist robust, die Reallöhne steigen", sagt HSBC-Experte Stefan Schilbe. "Das alles lässt den Konsum anziehen. Der wird die deutsche Wirtschaft dann auch auch in der zweiten Jahreshälfte stützten", glaubt Unicredit-Volkswirt Andreas Rees.

Nach einem Test des Marktforschungsunternehmen GfK hält sich das Konsumklima dann auch in Deutschland stabil auf hohem Niveau. Der entsprechende Index der Forscher liegt unverändert bei 5,9 Punkten, wie die Gesellschaft für Konsunmforschung (GfK) am Dienstag mitteilte. "Es klafft zurzeit eine Lücke zwischen der Einschätzung der allgemeinen Wirtschaftsentwicklung und der persönlichen Lage", erklärt GfK-Experte Rolf Bürkl die Konsumneigung der Deutschen. Doch die ist nicht ungetrübt von der Euro-Krise.

Kein Sparen trotz Krisenfurcht

Während nach GfK-Angaben zuletzt Anschaffungsneigung und Einkommenserwartungen nur leicht zurückgegangen sind, sanken die Konjunkturerwartungen der Verbraucher abermals kräftig. "Die Furcht der deutschen Konsumenten vor einer spürbaren Abschwächung der Konjunktur ist auch im August weiter gestiegen", berichtet die GfK den dritten deutlichen Rückgang der Konjunkturerwartungen in Folge. Damit schätzen sie die Entwicklung so ein, wie es auch - ablesbar am zuletzt erneut gesunkenen Konjunkturindex des Münchener Forschungsinstituts Ifo - die Unternehmen hierzulande tun. Indirekt schlägt sich die Krise im Währungsraum also sehr wohl in der Stimmung der Verbraucher nieder, sie hat sie hierzulande nur noch nicht erreicht.

Dass dennoch viel Geld ausgegeben und nicht für schlechtere Zeiten auf die hohe Kante gelegt wird, ist eigentlich ungewöhnlich - gerade für die im weltweiten Vergleich sparwütigen Deutschen. Doch den Bundesbürgern scheint der Sinn nach klassischen Sparformen im Moment nicht mehr klar zu sein.

Wegen des ungewissen Fortgangs der Schuldenkrise fließt ihr Geld offenbar vermehrt in andere Werte als bislang beliebte Geldanlagen. "Hierzu gehören etwa Immobilien, Hausrenovierungen, aber auch Gold oder Schmuck", berichtet GfK-Experte Bürkl. Verstärkt werde dieser Trend durch das historisch niedrige Zinsniveau. "Die sehr niedrigen Zinsen lassen Geldanlagen in den Augen der Verbraucher unattraktiver erscheinen. Andere Anlageformen treten demgegenüber in den Vordergrund." Das macht sich mittlerweile bereits in der Statistik bemerkbar.

Aktuell ist die Sparneigung laut GfK gar so gering wie seit der Deutschen Wiedervereinigung im Jahr 1990 nicht mehr. "Das hat auf der einen Seite sein Gutes, weil so der für Deutschland immer wichtigere private Konsum gestützt wird", sagte GfK-Experte Rolf Bürkl. "Die fallende Sparneigung kann aber auch als nachlassender Vertrauensindikator interpretiert werden, nicht zuletzt für die Finanzmärkte."

kst/dpa-afx/rtr
Mehr lesen über Verwandte Artikel
Die Wiedergabe wurde unterbrochen.