Sonntag, 25. August 2019

Drohende Abkühlung Deutsche Wirtschaft widersteht dem Abwärtssog - noch

Autoverladung in Bremerhaven: Exporte steigen, doch die Investitionen gehen zurück

Während die Wirtschaft in der Euro-Zone schrumpft, konnte das deutsche Bruttoinlandsprodukt von April bis Juni um 0,3 Prozent zulegen. Konsum und Exporte tragen das Wachstum - noch. Der Gegenwind wird stärker.

Wiesbaden - Kauffreudige Verbraucher und steigende Exporte haben die deutsche Wirtschaft im zweiten Quartal auf Wachstumskurs gehalten. Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) kletterte von April bis Juni um 0,3 Prozent im Vergleich zum ersten Quartal, wie das Statistische Bundesamt am Dienstag mitteilte. Zu Jahresbeginn waren es noch 0,5 Prozent. Volkswirte hatten mit einem Plus von 0,2 Prozent gerechnet, wobei die Schätzungen zwischen minus 0,2 und plus 0,4 Prozent lagen.

"Nach vorläufigen Berechnungen sind die Exporte etwas stärker gestiegen als die Importe", schrieben die Statistiker. "Außerdem wurde im Inland sowohl von den privaten als auch von den öffentlichen Haushalten mehr konsumiert als im Vorquartal." Der Rückgang der Investitionen - vor allem in Maschinen, Geräte und andere Ausrüstungen - konnte so kompensiert werden. Details gibt das Statistische Bundesamt am 23. August bekannt.

Bundeswirtschaftsminister Philipp Rösler (FDP) hat den Rückgang des deutschen Wachstums auf die Euro-Krise zurückgeführt. "Wir sehen eine gewisse Verunsicherung der deutschen Wirtschaft wegen der Unruhe in der Eurozone", sagte er am Dienstag in Tallinn/Estland nach einem Gespräch mit dem Premierminister Andrus Ansip. Daher sei die Stabilisierung der Eurozone nicht nur eine finanzpolitische, sondern auch eine wirtschaftspolitische Aufgabe.

Er arbeite deshalb auch an der Stärkung der deutschen Wettbewerbsfähigkeit, sagte Rösler. Dazu gehörten die Sicherung von Fachkräften, die Bezahlbarkeit von Energie und die Senkung des Rentenbeitrages.

Euro-Zone in der Rezession

"Das ist ein bemerkenswertes Ergebnis angesichts des sehr negativen Umfelds in der Euro-Zone", sagte Andreas Rees von Unicredit. Damit liege Deutschland in der europäischen Wachstumsliga erneut ganz weit vorn. In Italien brach das Bruttoinlandsprodukt um 0,7 Prozent ein, in Belgien um 0,6 Prozent und in Spanien um 0,4 Prozent. Frankreichs Wirtschaft stagnierte.

Die Euro-Zone steckt in einer Rezession: Nach einer Stagnation in den ersten drei Monaten 2012 sackte das BIP in den 17 Ländern mit der Gemeinschaftswährung um 0,2 Prozent ab. Das teilte die europäische Statistikbehörde Eurostat am Dienstag in Luxemburg in einer ersten Schätzung mit. Experten hatten dies erwartet.

Das besser als erwartet ausgefallene deutsche BIP hat den Euro Börsen-Chart zeigen am Dienstag angeschoben. Die Gemeinschaftswährung kletterte auf ein Tageshoch von 1,2370 Dollar Börsen-Chart zeigen nach 1,2329 Dollar im New Yorker Schlussgeschäft vom Montag.

Am Markt für deutsche Staatsanleihen sind die Kurse mit Verlusten in den Handel gestartet. Der richtungsweisende Euro-Bund-Future verlor zu Handelsbeginn 0,27 Prozent auf 142,79 Punkte. Die Rendite der zehnjährigen Bundesanleihe lag bei 1,434 Prozent.

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