Sonntag, 15. September 2019

Drohende Abkühlung Deutsche Wirtschaft widersteht dem Abwärtssog - noch

Autoverladung in Bremerhaven: Exporte steigen, doch die Investitionen gehen zurück

2. Teil: ZEW-Index fällt

Im Sommer könnte aber auch Europas größte Volkswirtschaft nach Prognose von Ökonomen schrumpfen. "Bis auf weiteres dürfte das aber die letzte positive Nachricht aus Deutschland gewesen sein", sagte Jörg Krämer von der Commerzbank. Exporte, Produktion und Industrieaufträge waren zuletzt gesunken. Der Ifo-Geschäftsklimaindex als wichtigstes Konjunkturbarometer liegt auf dem niedrigsten Niveau seit März 2010.

Auch die Bundesregierung befürchtet einen Rückschlag angesichts der Dauerkrise in Europa. "Die weiteren Aussichten für die deutsche Wirtschaft bleiben erst einmal verhalten und sind mit erheblichen Risiken behaftet", warnte das Wirtschaftsministerium jüngst: "Vor allem die Schuldenkrise in einigen Ländern des Euroraums wirkt erneut belastend, schürt Verunsicherung und führt zu Zurückhaltung in der Wirtschaft." Zudem bleibe die Weltwirtschaft fragil.

Risiken für exportorientierte Branchen steigen

Ebenfalls eingetrübt hat sich die Konjunkturzuversicht deutscher Finanzexperten im August. Die ZEW-Konjunkturerwartungen seien zum Vormonat um 5,9 Punkte auf minus 25,5 Zähler gefallen, teilte das Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) am Dienstag in Mannheim mit. Volkswirte hatten mit einer leichten Erholung auf minus 19,3 Punkte gerechnet. Die Lagebeurteilung gab ebenfalls nach. Sie sank um 2,9 Punkte auf 18,2 Zähler. Volkswirte hatten hier mit einem etwas stärkeren Rückgang auf 17,5 Punkte gerechnet.

Der Rückgang der Erwartungen signalisiert, dass die befragten Finanzprofis weiterhin von einer Abkühlung der deutschen Konjunktur auf Sicht der nächsten sechs Monate ausgehen. "Dies dürfte insbesondere die exportorientierten Branchen betreffen", kommentierte das ZEW die Daten. Obwohl das Erwartungsbarometer ein Jahrestief markiert, betonen die Mannheimer Wirtschaftsforscher, dass der Indikator weit von den niedrigen Niveaus der Finanzkrise entfernt bleibt. 2008 waren teilweise Werte unter minus 60 Punkten erreicht worden.

Die Konjunkturerwartungen für die Euro-Zone haben sich dagegen im August kaum verändert. Der entsprechende Indikator des ZEW stieg um 1,1 Punkte gegenüber dem Vormonat und liegt nun bei minus 21,2 Punkten. Der Indikator für die aktuelle Konjunkturlage im Euro-Raum ist im August geringfügig um 2,2 Punkte zurückgegangen und befindet sich nun bei minus 75,1 Punkten.

mahi/rtr/dpa-afx/dpa

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