Montag, 18. November 2019

Konjunkturdaten Chinas Exportmotor stottert gewaltig

Hafen von Shanghai: Die Exporte Chinas legen kaum noch zu

China enttäuscht Fachleute einmal mehr mit schlechten Konjunkturdaten. Die Ausfuhren des Exportweltmeisters legten zuletzt nur noch kaum merklich zu. Erneut steigt die Hoffnung auf Konjunkturhilfen aus Peking.

Peking - Im Sog der Euro-Krise schwächelt nun auch Exportweltmeister China und lässt weltweit die Alarmglocken schrillen. Im Juli lagen die Ausfuhren der zweitgrößten Volkswirtschaft der Welt lediglich um ein Prozent über dem Vorjahresniveau. Die schwachen Daten schreckten am Freitag auch Fachleute auf. Sie hatten nicht mit der geringsten Zunahme seit Januar gerechnet.

"Der chinesische Wachstumsmotor stottert gewaltig", sagt NordLB-Analyst Stefan Große. An den Börsen wachsen Ängste, dass China deutlich an Schubkraft verliert für die ohnehin maue Weltwirtschaft. Experten setzen allerdings darauf, dass die Führung in Peking rasch mit geldpolitischen Maßnahmen gegensteuert.

Manche Volkswirte erwarten sogar, dass die Zentralbank bereits am Wochenende handelt, um eine weitere Abkühlung der Konjunktur zu verhindern: "Sie sollte es so schnell wie möglich tun, um die Wirtschaft zu stabilisieren", mahnte Ökonom Xiao Bo von Huarong Securities in Peking.

Sorge dürfte in Peking auch die relativ schwache Zunahme der Importe auslösen, die nur um 4,7 Prozent zulegten. Experten hatten 7,2 Prozent veranschlagt. "Die europäische Schuldenkrise hinterlässt deutliche Bremsspuren", sagte NordLB-Analyst Große.

Regierung signalisiert Handlungsbereitschaft

Bereits am Donnerstag war ein schwächeres Wachstum der chinesischen Industrieproduktion gemeldet worden. Staatspräsident Hu Jintao hat angekündigt, die Konjunktur im zweiten Halbjahr stärker anzukurbeln. Dabei will die kommunistische Führung den Hebel sowohl bei der Geld- als auch bei der Fiskalpolitik ansetzen. Regierungschef Wen Jiabao betonte, die "politische Feinsteuerung" solle verstärkt werden.

Zuletzt hatte die Zentralbank mehrfach die Leitzinsen gesenkt, um der Wirtschaft unter die Arme zu greifen. Zudem wurde den Banken die Kreditvergabe erleichtert. Im Frühjahr verlangsamte sich das Wachstum in dem Schwellenland das sechste Quartal in Folge auf das schwächste Tempo seit nunmehr drei Jahren. Das Bruttoinlandsprodukt stieg nur noch um 7,6 Prozent zum Vorjahr und liegt damit nur noch knapp über dem von der Führung für das Gesamtjahr angestrebte Ziel von 7,5 Prozent.

Diese Vorgabe gilt bereits als wenig ambitioniert, da China laut Fachleuten ein noch höheres Wachstum benötigt, um des jährlichen Ansturms auf den Arbeitsmarkt des Milliardenvolkes Herr zu werden. Spielraum für geldpolitische Maßnahmen zur Stimulierung der Wirtschaft dürfte der nachlassende Preisdruck liefern: Die Jahresteuerung fiel im Juli auf 1,8 Prozent von 2,2 Prozent im Juni - und damit auf den tiefsten Stand seit 30 Monaten.

cr/rtr

© manager magazin 2012
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung