Mittwoch, 23. Oktober 2019

Stimmungslage Deutscher Industrie droht ernste Talfahrt

Stahlwerk von Salzgitter: Industrie muss Rückschläge einstecken

Die deutsche Industrie startet offenbar mit Geschäftseinbußen ins zweite Halbjahr. Das geht zumindest aus Umfragen hervor. Im Juli beschleunigte sich danach die Talfahrt, das Rückgrat der deutschen Wirtschaft schrumpfte so stark wie zuletzt vor drei Jahren.

Die exportorientierte deutsche Industrie leidet immer stärker unter der Schuldenkrise in Europa, wachsender Unsicherheit und globaler Konjunkturabkühlung. "Die Lage der deutschen Industrie hat sich binnen Monatsfrist dramatisch verschlechtert", sagte Markit-Ökonom Tim Moore am Mittwoch zur Umfrage seines Instituts unter rund 500 Betrieben.

Der Markit-Einkaufsmanagerindex sank im Juli um zwei auf 43 Punkte und entfernt sich immer weiter von der 50-Punkte-Marke, ab der das Barometer Wachstum signalisiert; es ist allerdings ur eine Stimmungsindikator, keiner, der auf harten Produktionsfakten beruht. "Die Produktion wurde danach nicht nur so stark zurückgefahren wie zuletzt vor über drei Jahren, auch mit der Beschäftigung ging es so zügig bergab wie seit Anfang 2010 nicht mehr", sagte Markit-Experte Moore.

Beim Neugeschäft geht es für die Unternehmen weiter ohne Aussicht auf Besserung bergab. "Dreizehn Monate in Folge und damit so lange wie nie zuvor seit Umfragebeginn im April 1996 geht der Auftragseingang nun bereits zurück", erklärte Markit. Vor allem die Auslandsnachfrage ließ deutlich nach - auch aus Asien und den USA.

Autobauer wie BMW spüren die Abkühlung ebenfalls. Der Münchner Konzern leidet unter der Nachfrageschwäche in Europa, will aber dennoch im Gesamtjahr 2012 Rekorde bei Absatz und Gewinn einfahren. Der Technologiekonzern Siemens stellt sich nach einem Auftragseinbruch auf härtere Zeiten ein.

Hoffen auf die EZB

In der Euro-Zone läuft es für die Industrie ähnlich schlecht. Für den gesamten Währungsraum fiel der Einkaufsmanagerindex um 1,1 auf 44,0 Punkte und damit auf den tiefsten Wert seit Mitte des Rezessionsjahrs 2009. Der Industriesektor bleibt laut Markit damit auch im dritten Quartal hauptverantwortlich für das Abgleiten der Euro-Zone in die Rezession. Die Flaute hat inzwischen fast Euro-Länder erfasst. Am tiefsten in der Krise steckt die Industrie in Spanien und Griechenland. Nur Irlands Betriebe sind seit Jahresbeginn auf dem Weg der Besserung und produzierten dank steigender Exporte wieder mehr.

Wegen der schwachen Konjunktur setzten die Finanzmärkte große Hoffnungen darauf, dass die Europäische Zentralbank am Donnerstag zum Gegenschlag gegen die Schuldenkrise ausholt und etwa ihre umstrittenes Anleihenkaufprogramm wieder aufnimmt. EZB-Chef Mario Draghi hatte betont, die Zentralbank werde im Rahmen ihres Mandats alles Nötige tun, um den Euro zu erhalten.

Wachsende Unsicherheit spürt auch der deutsche Mittelstand. Das von der Staatsbank KfW und vom Ifo-Institut berechnete Geschäftsklima sank im Juli zum fünften Mal in Folge. Grund sind düstere Zukunftsaussichten - vor allem bei Großunternehmen.

Auch in der Bevölkerung wächst die Konjunkturskepsis. Rund 57 Prozent der Deutschen befürchten einer Forsa-Umfrage zufolge eine schlechtere Wirtschaftslage. Nur 12 Prozent gehen davon aus, dass es weiter aufwärtsgeht. Ende April waren die Deutschen in der entsprechenden Erhebung für RTL und "Stern" noch deutlich positiver gestimmt: Damals befürchteten nur 42 Prozent einen Konjunktureinbruch, und 20 Prozent waren optimistisch, dass sich es besser werde.

© manager magazin 2012
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung