Mittwoch, 18. September 2019

Draghi-Rede Frankreich macht Druck auf EZB

Pierre Moscovici: Der französische Politiker ruft EZB-Chef Mario Draghi nun zum Handeln auf

Nachdem EZB-Chef Mario Draghi angekündigt hat, den Euro mit allen Mitteln zu stützen, fordert nun Frankreichs Finanzminister Pierre Moscovici die EZB auf, den Worten Taten folgen zu lassen. Denn auch in Frankreich bröckelt die Wirtschaft.

Paris - Frankreich dringt auf baldige Schützenhilfe der Europäischen Zentralbank (EZB) im Kampf gegen die Schuldenkrise. Finanzminister Pierre Moscovici nahm EZB-Präsident Mario Draghi persönlich in die Pflicht. "Ich vertraue darauf, dass Herr Draghi genau das tun wird, was nötig ist", sagte Moscovici im französischen Fernsehen. "Das heißt so zu handeln, dass die Märkte beruhigt werden und es eine Entspannung bei den Zinssätzen für Spanien, für Italien geben kann."

Draghi hatte zuvor gesagt: "Innerhalb unseres Mandats ist die EZB bereit, alles Erforderliche zu tun, um den Euro zu erhalten." Anleger und Experten spekulieren darauf, dass die EZB nun wieder Staatsanleihen von Krisenstaaten wie Spanien und Italien kauft und so deren extrem hohe Zinskosten drückt.

Der Aufruf Moscovicis kommt nicht von ungefähr - denn auch Frankreichs Wirtschaft schwächelt. Zuletzt sank die Kauflaune der Franzosen angesichts der steigenden Arbeitslosigkeit. Das Barometer für das Verbrauchervertrauen fiel im Juli um zwei auf 87 Punkte, teilte das Statistikamt Insee mit. Das ist der schlechteste Wert seit März.

Immer mehr Franzosen rechnen mit steigender Arbeitslosigkeit, obwohl die Zahl der Jobsucher schon zuletzt auf den höchsten Stand seit 13 Jahren gestiegen war. Der Jobaussichten werden inzwischen so schlecht bewertet wie seit mehr als zwei Jahren nicht mehr. Die Zahl der Arbeitslosen war im Juni auf den höchsten Stand seit 13 Jahren gestiegen. Viele Unternehmen kündigten weitere Entlassungen an. Allein der Autobauer PSA Peugeot Citroën will sich von insgesamt 14.000 Mitarbeitern trennen, der Telekom-Ausrüster Alcatel-Lucent streicht 5000 Stellen.

Die Verbraucher bewerteten auch ihre finanzielle Lage schlechter als zuletzt, ebenso die Konjunkturaussichten für ihr Land. Sie wollen deshalb weniger große Anschaffungen tätigen.

got/rtr

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