Donnerstag, 19. September 2019

Ifo-Index erneut gesunken Deutsche Wirtschaft vor Abwärtswende

Lichtblick Einzelhandel: Der Konsum ist weiterhin robust

Die Euro-Schuldenkrise schlägt den deutschen Unternehmen zusehends aufs Gemüt: Im Juli hat sich die Stimmung in der deutschen Wirtschaft zum dritten Mal in Folge und zudem deutlich eingetrübt. Drei Rückgänge in Folge gelten für gewöhnlich als Wendepunkt im Konjunkturzyklus.

Berlin - Die Stimmung in den Chefetagen der deutschen Wirtschaft hat sich im Juli wegen der Schuldenkrise den dritten Monat in Folge eingetrübt. Der Ifo-Geschäftsklimaindex fiel um 1,9 auf 103,3 Punkte, teilte das Münchener Ifo-Institut zu seiner Umfrage unter 7000 Managern mit. Das ist der schlechteste Wert seit März 2010.

Experten hatten lediglich einen Rückgang auf 104,7 Punkte erwartet. Im Juni war der wichtigste Gradmesser für die deutsche Konjunktur um 1,6 Punkte auf den tiefsten Stand seit mehr als zwei Jahren gefallen. "Die Euro-Krise belastet zunehmend die Konjunktur in Deutschland", sagte Ifo-Präsident Hans-Werner Sinn.

Die Firmenchefs beurteilten sowohl die Aussichten für die kommenden sechs Monate als auch die Geschäftslage deutlich schlechter als erwartet. Das Barometer für die Erwartungen fiel um 1,6 auf 95,6 Punkte im Vormonat, der Lage-Index gab um 2,3 auf 111,6 Punkte nach.

Das Ifo-Institut rechnet deshalb nur mit einem Mini-Wachstum. Sowohl im zweiten als auch im dritten Quartal werde das Bruttoinlandsprodukt nur um etwa 0,1 Prozent zulegen, sagte Ifo-Experte Klaus Wohlrabe. Deutschland schlägt sich im Vergleich zum Rest von Europa aber noch gut. "Es könnte noch schlimmer laufen."

Lichtblick Einzelhandel

Besonders stark trübte sich die Stimmung in der Industrie ein. "Die Kapazitäten werden von den Unternehmen klar weniger ausgelastet", sagte Sinn.

Hoffnungsträger bleibt das Auslandsgeschäft: Die Exporterwartungen trübten sich nur leicht ein. Ein Grund dafür ist der schwache Euro, der deutsche Exporte in Übersee verbilligt.

Ein Lichtblick ist auch die Entwicklung im Einzelhandel: Dort hellte sich das Geschäftsklima erneut auf, weil die Händler sowohl ihre Lage als auch die Erwartungen günstiger bewertetet. "Der Konsum ist weiter robust", sagte Wohlrabe angesichts spürbarer Lohnzuwächse und der steigenden Beschäftigung. "Der private Verbrauch ist noch nicht von der Krise erfasst." Bei den Dienstleistern, in der Baubranche und bei den Großhändler nahm das Lager der Pessimisten dagegen zu.

Klares Warnzeichen

"Es sieht so aus, als ob die deutschen Unternehmen in der Wirklichkeit angekommen sind", sagte ING-Ökonom Carsten Brzeski. "Der Ifo-Index ist ein klares Warnzeichen, dass auch das stabilste Schiff in einem heftigen Sturm kentern kann." Auch die Bundesbank hatte zuletzt zur Vorsicht gemahnt. "Die Perspektiven für die weitere wirtschaftliche Entwicklung sind von großer Unsicherheit geprägt", warnte sie.

Der Indikator des Zentrums für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) für die Konjunkturerwartungen in Deutschland war zuvor ebenfalls gefallen. Der Index verlor von Juni bis Juli 2,7 Punkte auf minus 19,6 Zähler.

mihec/mg/rtr/dap-afx

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