Hoffnungsschimmer Industrieaufträge legen unerwartet zu

Hoffnungsschimmer für die deutsche Wirtschaft: Die Zahl der Aufträge für die Industrieunternehmen legte zuletzt überraschend wieder zu. Vor allem aus dem Ausland kommen offenbar viele Orders. Viele Ökonomen sehen die Gesamtlage dennoch weiter kritisch.
Qualitätsprüfung bei Continental: Die deutsche Industrie verzeichnete zuletzt wieder ein Auftragsplus

Qualitätsprüfung bei Continental: Die deutsche Industrie verzeichnete zuletzt wieder ein Auftragsplus

Foto: Hendrik Schmidt/ dpa

Berlin - Die deutsche Industrie hat im Mai überraschend einen Zuwachs an neuen Aufträgen verbucht. Das gesamte Ordervolumen stieg um 0,6 Prozent im Vergleich zum Vormonat, wie das Wirtschaftsministerium mitteilte. Ökonomen hatten mit einer Stagnation gerechnet. Zudem wurde der Rückgang vom April um 0,5 Punkte auf 1,4 Prozent nach unten korrigiert.

Während die Inlandsnachfrage mit einem Minus von 1,3 Prozent die Entwicklung im Mai belastete, legte die Auslandsnachfrage spürbar um 2,3 Prozent zu. Vor allem Großaufträge aus dem Euro-Raum hätten für einen kräftigen Nachfrageschub gesorgt, kommentierte das Ministerium. Die Großaufträge gelten allerdings als besonders schwankungsanfällig. "Diese Großaufträge haben das Ganze nach oben gezogen", sagte Andreas Scheuerle von der DekaBank. Es dürfte aber nach einhelliger Meinung der Experten bei einem Einmaleffekt bleiben.

Im aussagekräftigeren Zweimonatsvergleich April/Mai legten die Aufträge gegenüber dem Zeitraum Februar/März um 0,4 Prozent zu. Die Inlandsbestellungen stiegen um 0,6 und die Auslandsbestellungen um 0,2 Prozent.

Das Wirtschaftsministerium sieht die Entwicklung weiter positiv. "Die Bestellungen in der Industrie bleiben tendenziell aufwärts gerichtet", hieß es in der Mitteilung. "In einem durch wachsende Unsicherheiten geprägten Umfeld bleiben die Vorgaben für die deutsche Industriekonjunktur damit vorerst gut."

Viele Ökonomen sehen ebenfalls eine Stabilisierung in den Zahlen. Doch die meisten von ihnen gehen davon aus, dass auch die deutsche Wirtschaft nicht ungeschoren durch die Krise kommen wird. "Die Euro-Schuldenkrise in einigen Ländern belastet massiv und wirkt sich auf das deutsche Wirtschaftswachstum aus", sagte Analyst Gerd Haßel von der BHF-Bank.

Das DIW rechnet damit, dass das deutsche Wachstum durch die Schuldenkrise in diesem Jahr auf ein Prozent ausgebremst wird. Auch verschiedene Umfragen deuteten zuletzt auf eine Eintrübung im Sommer hin. Der Frühindikator des Markit-Instituts hatte zuletzt angezeigt, dass der deutsche Industriemotor im Juni ins Stottern geraten ist. Der Einkaufsmanagerindex landete auf dem tiefsten Niveau seit genau drei Jahren. Hauptgrund für die Flaute sind die mangelnden Neu- und Folgeaufträge.

cr/dpa/rtr

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