Konjunkturprognosen Wirtschaftsforscher sagen Wachstum ab

Nur zwei Monate nach der optimistischeren Frühjahrsprognose nimmt das Ifo-Institut seine Wachstumsprognose für Deutschland schon wieder zurück. Die Euro-Krise belaste die Wirtschaft in diesem Jahr schwer, 2013 gehe es aber aufwärts. Die Kollegen vom IMK bezweifeln auch das.
Flaute im Sommer: Das Ifo-Institut erwartet eine Wachstumspause

Flaute im Sommer: Das Ifo-Institut erwartet eine Wachstumspause

Foto: dapd

München - Die deutsche Wirtschaft wird nach Einschätzung des Ifo-Instituts erst am Jahresende wieder an Fahrt gewinnen. Die Wirtschaft durchlaufe im Sommer eine Schwächephase, erklärte Ifo-Präsident Hans-Werner Sinn am Donnerstag in München. Die Verunsicherung durch die ungelöste Euro-Schuldenkrise dämpfe die deutsche Konjunktur. Erst gegen Jahresende dürften die Auftriebskräfte wieder die Oberhand gewinnen.

Die Wirtschaftsstimmung in der Euro-Zone hat sich im Juni weiter eingetrübt. Der Economic Sentiment Index (ESI) sei um 0,6 Punkte auf 89,9 Zähler gefallen, teilte die Europäische Kommission am Donnerstag in Brüssel mit. Das ist der tiefste Stand seit Oktober 2009. In den meisten Sektoren verschlechterte sich die Stimmung weiter. Allerdings hellten sich das Einzelhandels- und das extrem niedrige Bausektorvertrauen leicht auf.

Das Bruttoinlandsprodukt in Deutschland werde 2012 um 0,7 Prozent wachsen, nach 3,0 Prozent im vergangenen Jahr, sagt das Ifo voraus. Im vergangenen Dezember hatte das Ifo-Institut für dieses Jahr noch mit einem Wachstum von 0,4 Prozent gerechnet. Im April hatten die Forschungsinstitute dann in ihrer Gemeinschaftsprognose für die Bundesregierung, an der auch das Ifo-Institut beteiligt ist, ein Wachstum für dieses Jahr von 0,9 Prozent Wachstum prognostiziert.

IMK erklärt Ringen um Vertrauen der Finanzmärkte für gescheitert

"Die Prognoseunsicherheit ist derzeit extrem hoch", räumen die Forscher mit Blick auf die Schuldenkrise ein. "Die Konjunktur hängt insbesondere erheblich stärker als üblich von politischen Entscheidungen ab, die nur schwer vorhersagbar sind." Als Gründe für das später wieder zunehmende Wachstum führt das Institut die seiner Ansicht nach anregende Geldpolitik der EZB und die Präferenz internationaler Investoren für Kapitalanlagen in Deutschland an.

Im nächsten Jahr dürfte die deutsche Wirtschaft nach aktueller Einschätzung des Ifo-Instituts um 1,3 Prozent zulegen. Die Arbeitslosigkeit soll weiter sinken auf 2,86 Millionen in diesem und 2,82 Millionen im nächsten Jahr. Die Inflation dürfte mit jeweils 2,0 Prozent im Rahmen bleiben.

Das gewerkschaftsnahe IMK-Institut dagegen erwartet für 2013 noch eine Verschlechterung. Nach 0,6 Prozent in diesem Jahr werde die deutsche Wirtschaft dann nur noch um 0,3 Prozent wachsen, lautet die aktuelle Prognose. "Die Rezession im Euroraum schädigt die deutsche Wirtschaft schwer", sagte IMK-Direktor Gustav Horn. "Der Versuch, sich durch einen harten Austeritätskurs das Vertrauen der Finanzmärkte auf Kosten der Konjunktur herbeizusparen, ist gescheitert."

ak/dpa/rtr
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