Brasilien/Indien Boomwirtschaften in Abschwungsorge

Brasilien, Indien, China: Die Wachstumstreiber der Weltkonjunktur zeigen Schwächen. Aus Sorge vor einem rauhen Konjunkturdämpfer hat jetzt Brasiliens Notenbank den Leitzins des Landes stark gesenkt. Indiens Wirtschaft ist bereits in eine deutlich schwächere Phase geraten.
Sao Paulo in Brasilien: Notenbank fürchtet geringeres Wachstum

Sao Paulo in Brasilien: Notenbank fürchtet geringeres Wachstum

Foto: dapd

Brasilia - Die brasilianische Notenbank hat zur Stützung der Wirtschaft den Leitzins auf ein Rekordtief gesenkt. Wie die Notenbank am Mittwoch mitteilte, wird der Zinssatz um 50 Basispunkte auf 8,5 Prozent reduziert und damit zum siebten Mal in Folge. Die Inflationsgefahren seien derzeit begrenzt, hieß es zur Begründung. Die meisten Experten hatten mit diesem Schritt gerechnet.

Die größte Volkswirtschaft Südamerikas ist berühmt für ihre hohen Leitzinsen, die nach einer traumatischen Phase mit einer sprunghaften Inflation in den 80er und 90er Jahren kurz vor der Jahrtausendwende ein Rekordhoch von 45 Prozent erreichten. Einschließlich der jüngsten Zinssenkung senkte die brasilianische Notenbank den Leitzins nun seit August 2011 um 400 Basispunkte.

Präsidentin Dilma Rousseff hat niedrigere Zinsen zu einer der Prioritäten ihrer Amtszeit erklärt, um das Wirtschaftswachstum weiter bei Raten von vier Prozent und mehr zu halten. Der Aufschwung machte die weltweit sechstgrößte Volkswirtschaft in den vergangenen Jahren zu einem der attraktivsten Schwellenländer für Investoren gemacht. Die Sorgen wegen der Folgen eines Austritt Griechenlands aus der Euro-Zone und einer Kreditklemme dürften Experten zufolge weitere Zinssenkungen nach sich ziehen.

Während Brasilien aus Sorge vor dem Abschwung noch seine Leitzinsen senkt, spürt eine andere Weltkonjunkturstütze bereits die Folgen deutlich schwächer Wirtschaftsdynamik. Die indische Wirtschaft ist zu Jahresbeginn so langsam gewachsen wie seit neun Jahren nicht. Von Januar bis März legte das Bruttoinlandsprodukt um 5,3 Prozent zu, wie aus am Donnerstag veröffentlichten Daten hervorgeht. Im gesamten Finanzjahr zu Ende März erreichte das Plus 6,5 Prozent. Auch dies war die niedrigste Rate seit Jahren. Im Vorjahr steigerte sich das Schwellenland noch um 8,4 Prozent.

"Die Daten zeigen das ungewöhnliche Ausmaß der Schwächung der Wirtschaft, wahrscheinlich wegen geringer Investitionen und der Ausweitung des Handelsdefizits", sagte Ökonom Dariusz Kowalczyk von Credit Agricole CIB in Hongkong. Indiens Industrie ist im vergangenen Quartal geschrumpft und die Rupie hat deutlich an Wert verloren, was die Inflation antreibt. Die Notenbank versucht mit hohen Zinsen gegenzusteuern, was aber wiederum das Wachstum bremst.

kst/dpa/rtr
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