Ifo-Geschäftsklimaindex Euro-Krise stutzt Deutschland-Boom

Seit einem halben Jahr kennt der Ifo-Geschäftsklimaindex nur eine Richtung: aufwärts. Die Sorge um einen Austritt Griechenlands aus der Euro-Zone hat diesen Trend nun allerdings gestoppt. Deutschlands wichtigster Konjunkturindex sackt durch.
Griechenland hat die Euro-Zone fest im Griff

Griechenland hat die Euro-Zone fest im Griff

Foto: JOHN KOLESIDIS/ REUTERS

Berlin - Der Ifo-Geschäftsklimaindex fiel im Mai von 109,9 Punkten auf 106,9 Zähler, wie das Münchener Ifo-Institut mitteilte. Damit sank das an den Märkten stark beachtete Barometer erstmals seit Oktober. Ökonomen hatten lediglich einen Rückgang auf 109,4 Punkte erwartet. "Die deutsche Wirtschaft steht unter dem Eindruck der in letzter Zeit gestiegenen Unsicherheit im Euro-Raum", sagte Ifo-Präsident Hans-Werner Sinn.

Die 7000 befragten Manager schätzten die Aussichten für die kommenden sechs Monate schlechter ein als zuletzt. Das Barometer fiel auf 100,9 Zähler von 102,7 Punkten. Auch die Geschäftslage wurde schlechter eingeschätzt. Dieser Index fiel von 117,5 Zählern auf 113,3 Punkte. "Die Geschäftslage befindet sich aber immer noch oberhalb des langfristigen Durchschnitts", sagte der Präsident des Ifo-Instituts, Hans-Werner Sinn. Die zukünftige Entwicklung werde von den Unternehmen hingegen pessimistischer beurteilt.

Insbesondere im Einzelhandel ist die aktuelle Lageeinschätzung eingebrochen", kommentierte Sinn die Daten. Mit Blick auf die Entwicklung in den kommenden sechs Monaten "halten sich positive und negative Erwartungen in etwa die Waage". Im Großhandel sei der Rückgang vergleichsweise gering ausgefallen, heißt es weiter. Einen Rückgang habe es auch im Bauhauptgewerbe und bei den Industriefirmen gegeben.

"Überfällige Korrektur"

Die Spekulationen über einen Austritt Griechenlands aus der Euro-Zone beunruhigen derzeit die Finanzmärkte. Zudem sorgen Differenzen zwischen Deutschland und Frankreich über den rechten Weg aus der Schuldenkrise für Verunsicherung.

Deutschland steht wirtschaftlich jedoch noch gut da: Trotz sinkender Investitionen in Maschinen und Gebäude ist die Wirtschaft hierzulande im ersten Quartal kräftig gewachsen. Boomende Exporte und kauffreudige Verbraucher ließen das Bruttoinlandsprodukt von Januar bis März um 0,5 Prozent zum Vorquartal steigen.

Doch Deutschland gerät zunehmend in den Sog der Staatsschuldenkrise. "Der unerwartet starke Rückgang des Ifo-Geschäftsklimaindex ist als eine überfällige Korrektur zu interpretieren", heißt es in einer Analyse der Commerzbank. Zusammen mit der trüben Stimmung der deutschen Einkaufsmanager deuteten die Ifo-Daten darauf hin, dass sich das Wachstum nach einem unerwartet starken Jahresauftakt wieder "merklich geschwächt hat".

Für die Experten der Landesbank Hessen-Thüringen (Helaba) kommt der unerwartet kräftige Rückgang des Indikators selbst nach der durchwachsenen ZEW-Umfrage überraschend. "Offenbar belasten die aktuellen Unsicherheiten im Zusammenhang mit der Euro-Schuldenkrise die Stimmung stärker als bislang angenommen", kommentiert Analystin Viola Julien.

mg/rtr/dpa-afx
Mehr lesen über Verwandte Artikel
Die Wiedergabe wurde unterbrochen.