Handelsbilanz im März Deutscher Rekord stützt Euro-Zone

Deutschland wird zum Haltepunkt der Euro-Zone: Die Unternehmen hierzulande haben den Außenhandel im März auf bisher nie gesehene Höhen getrieben - und den Euro-Staaten dabei mit kräftigen Orders unter die Arme gegriffen. Die Importe stiegen erneut stärker als die Exporte.
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Wiesbaden - Trotz Schuldenkrise und weltweiter Konjunkturabkühlung haben die deutschen Unternehmen im März so viel exportiert und importiert wie noch nie. Sowohl die Ausfuhren als auch die Einfuhren kletterten auf den höchsten jemals gemessenen Monatswert, wie das Statistische Bundesamt am Mittwoch mitteilte. Die deutschen Unternehmen lieferten im März Waren im Wert von 98,9 Milliarden Euro in das Ausland - das war der höchste Monatswert seit Beginn der Erhebungen im Jahr 1950. Aber auch die Einfuhren erreichten einen neuen Höchstwert: Importiert wurden zugleich Waren im Wert von 81,5 Milliarden Euro.

Die bisherigen Höchstwerte für Ein- und Ausfuhren waren im März 2011 verzeichnet worden.

Der aktuelle März-Wert scheint zudem kein Ausreißer aufgrund einmaliger Groß-Deals zu sein. Der deutsche Außenhandel hatte schon in den Vormonaten zugelegt. Infolge des guten März dürfte jetzt aber auch die deutsche Gesamtabrechnung für das erste Quartal des Jahres 2012 steigen - und damit auch das erste Quartal des Vorjahres in den Schatten stellen. Damals allerdings war die Bundesrepublik noch in einer merklichen Aufschwungsphase. Nicht zuletzt, weil die europäische Schuldenkrise noch auf weniger Staaten Wirkung zeigte, die an sich kaum wirtschaftliche Probleme haben.

Erneut spiegelt sich im März auch die schleichend sinkende Bedeutung Europas für den deutschen Außenhandel. Der Anteil der Ein- und Ausfuhren, den hiesige Untenehmen mit Kunden in Europa abwickeln, sinkt im Verhältnis zur gesamten Größe des Außenhandels. "Gute Geschäfte in Übersee haben die sinkende Nachfrage aus den Euro-Ländern mehr als wettgemacht", sagt dann auch Berenberg-Experte Christian-Schulz. "Die Nachfrage aus den USA hat zugenommen, aber auch die aus Asien. Weil die deutschen Unternehmen sehr wettbewerbsfähig ist, profitieren sie überdurchschnittlich davon", glaubt auch Commerzbank-Expertin Ulrike Rondorf. Auf Sicht einiger Jahre hat der Außenhandel der Bundesrepublik mit Asien allerdings an Bedeutung gewonnen, verglichen mit dem in die USA.

Euro-Zone profitiert von Deutschland

Auch die wackelnden Euro-Staaten profitieren aktuell von der vergleichsweise robusten Konjunktur hierzulande; erst gestern berichtete das Statistische Bundesamt, dass die hiesige Industrie ihre Produktion im März unerwartet stark steigern konnte. Denn solange Deutschlands Unternehmen und Verbraucher vergleichsweise krisenfest zeigen, ordern sie auch vergleichsweise viel im europäischen Ausland - und stützen so die Wirtschaftsentwicklung in den betroffenen Euro-Staaten. So verkaufte Deutschland im März 3,6 Prozent weniger Waren in die Länder der Euro-Zone aus, orderte in den Ländern der Euro-Zone aber 2,3 Prozent mehr als zuvor.

"Es setzt sich der Trend fort, dass die deutschen Importe schneller wachsen als die Exporte. Das ist nicht verwunderlich. Die angeschlagenen Euro-Länder versuchen, ihre Schwäche auf dem Binnenmarkt durch verstärkte Exporte auch nach Deutschland auszugleichen", sagt Berenberg-Experte Schulz.

Erneut spiegelt sich im März aber auch die schleichend sinkende Bedeutung Europas für den deutschen Außenhandel insgesamt wider: Der Anteil der Ein- und Ausfuhren, den hiesige Untenehmen mit Kunden in Europa abwickeln, sinkt im Verhältnis zur gesamten Größe des Außenhandels. "Die Nachfrage aus den USA hat zugenommen, aber auch die aus Asien. Weil die deutschen Unternehmen sehr wettbewerbsfähig ist, profitieren sie überdurchschnittlich davon", sagt Commerzbank-Expertin Ulrike Rondorf. Trotz des Starts des Euro haben die Unternehmen hierzulande den Anteil ihres Außenhandels insbesondere mit den ehemaligen Schwellenländern kontinuierlich ausgebaut. Das zeigt sich auch aktuell: Die Exporte in Drittländer stiegen im März 2012 im Vergleich zum Vorjahresmonat um 6,1 Prozent. Die Einfuhren aus Drittländern, also Ländern außerhalb der Europäischen Union, nahmen um 3,5 Prozent zu.

Experten glauben, dass Deutschland nun auch die lange drohende Rezession im ersten Quartal vermieden haben sollte. Unter dem Strich werde wohl in etwa das Niveau des ersten Quartals des Vorjahres erreicht. Der Beitrag des Außenhandels zum Wirtschaftswachstum wird aber bei stärker steigenden Importen als Exporten verhalten sein.

Die März-Außenhandelsdaten im Einzelnen: Im Vergleich zum Vorjahresmonat erhöhten sich die Ausfuhren um 0,7 Prozent, die Einfuhren um 2,6 Prozent. Im Vergleich zum Februar dieses Jahres gab es kalender- und saisonbereinigt ein Plus von 0,9 Prozent (Ausfuhren) beziehungsweise 1,2 Prozent (Einfuhren). Die Außenhandelsbilanz schloss im März mit 17,4 Milliarden Euro Überschuss ab, kalender- und saisonbereinigt lag das Plus bei 13,7 Milliarden Euro.

kst/afp/dpa/rtr
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