Produktion steigt wieder Deutsche Industrie wird zum Krisenblocker

Erst war es nur die vergleichsweise gute Stimmung, die Deutschlands Wirtschaft dem Abschwung entgegenzusetzen schien. Jetzt drehen die Unternehmen hierzulande wohl tatsächlich auf. Die hiesige Industrie, Deutschlands Wirtschaftsrückgrat, hat ihre Produktion hochgefahren.
Industrie: Auftragseingänge und Produktion nehmen zu

Industrie: Auftragseingänge und Produktion nehmen zu

Foto: dapd

Berlin - Viele waren ins Zweifeln gekommen, und das mit recht. Kann Deutschlands Wirtschaft in den kommenden Monaten wirklich nicht nur die Rezession verhindern, sondern sogar erkennbar wachsen? Wichtige Konjunkturindikatoren sprachen in den vergangenen Monaten dafür, darunter der Konjunkturtests des Münchener Ifo-Wirtschaftsforschungsinstituts (Ifo-Index) und des Zentrums für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW-Index) in Mannheim. Beide Indizes signalisierten mehrere Monate nacheinander Besserung - doch die Zweifel nagten:

Ist nur die Stimmung besser als die Lage? Hat uns die Europa-Krise nicht auch schon mit nach unten gezogen, während wir noch so tun, als könne sie uns zumindest deutlich weniger anhaben als unseren Nachbarstaaten?

Jetzt liefern die Bundesstatistiker erstmals Daten, die tatsächlich für die Robustheit der deutschen Wirtschaft sprechen - und Hoffnung machen, dass die Euro-Sklerose die Bundesrepublik nicht allzu hart trifft: Die deutsche Industrie hat ihre Produktion im März unerwartet deutlich hochgefahren. Die Unternehmen stellten 2,8 Prozent mehr her als im Vormonat, teilte das Bundeswirtschaftsministerium am Dienstag in Berlin mit. Im Februar hatte es wegen des Wintereinbruchs noch ein Minus von 0,3 Prozent gegeben. In einer ersten Schätzung war zunächst sogar ein Minus in Höhe von 1,3 Prozent gemeldet worden.

Bemerkenswert ist ach Expertenmeinung, dass die hiesige Industrie nicht nur jahreszeitlich begründbare Einschnitte mehr als auszugleichen vermochte; im März machte zwar vor allem die Baubranche die witterungsbedingten Ausfälle wieder wett: Ihre Produktion stieg um fast 31 Prozent, nachdem sie zuvor allerdings wegen Eis und Schnee auch um 17 Prozent eingebrochen war. Doch für Konjunkturforscher ist ein anderer Effekt noch bemerkenswerter.

Erholung auf breiterer Front

"Neben der Bauwirtschaft nimmt auch die industrielle Aktivität wieder spürbar Fahrt auf", hieß es im Bundesministerium. "Damit haben sich die weiteren Aussichten für die Industriekonjunktur merklich verbessert." Allein die Industrie fuhr ihre Produktion um 1,5 Prozent hoch. Die Hersteller von Konsumgütern meldeten mit 3,0 Prozent das größte Plus.Die Produzenten von Maschinen, Geräten und anderen Investitionsgütern stellten 2,0 Prozent her - zuvor berichteten sie bereits über sich wieder langsam bessernde Auftragslage. Die Erzeugung von Vorleistungsgütern wie Chemikalien stieg hierzulande noch marginal um 0,3 Prozent.

Dagegen drosselten Energieversorger ihre Leistung zwar um 1,8 Prozent. Allerdings hatte sie zuvor auch von der großen Kälte profitiert und im Februar ihre Produktion um fast 10 Prozent erhöht.

"Für das erste Quartal hatten wir bei der Industrieproduktion mit einem Rückschritt gerechnet, das dürfte nun aber auf ein leichtes Plus hinauslaufen. Die deutsche Wirtschaft hat schneller als erwartet die Winterdelle überwundnen und ist wieder auf einem aufsteigenden Ast", kommentierte Postbank-Experte Heinrich Bayer den deutschen Industrieaufschwung.

Allerdings: Vom nächsten Boom dürfte Deutschland ein gutes Stück entfernt bleiben. Zu schlecht ist die Wirtschaftsentwicklung in Euro-Land insgesamt, als dass sich die Wirtschaft hierzulande davon abkoppeln kann. Zwar reduzieren nicht wenige deutsche Firmen ihre Abhängigkeit von der Wirtschaftsentwicklung in Europa immer weiter; der Handel mit den ehemaligen Schwellenländern wie China, oder Indien gewinnt im Gegenzug an Bedeutung. Doch die Auswirkungen bleiben stark spürbar.

Beispiel Volkswagen : Der Verkauf des größten europäischen Autohersteller s ist zwar im April weiter kräftig gestiegen. Die Verkäufe der Kernmarke VW legten zuletzt um 6,3 Prozent auf 456.000 Modelle zu, wie der Konzern am Dienstag mitteilte. Doch schon jetzt spürte Volkswagen die schwierige Wirtschaftslage in der Konzernregion Westeuropa (ohne Deutschland), zu der die Schuldenstaaten im Süden zählen - mit einem Minus in Höhe von 5,1 Prozent.

Und auch die Anleger an der Börse sind alles andere als optimistisch für die kommenden Monate. Insbesondere die unübersichtliche Lage nach der Wahl in Griechenland hat den Dax  am Dienstag belastet. Der hiesige Leitindex sank am Vormittag um 1,05 Prozent auf 6500,71 Punkte und erholte sich erst nachdem die Produktiosdaten der deutschen Industrie veröffentlicht worden waren - um dann wieder nach unten abzuknicken. "Die Hoffnungen ruhen auf einem sanften Abschwung den Schwellenländern mit einer entsprechend anhaltenden Nachfrage nach deutschen Industriegütern", glauben die Analysten der VP-Bank.

kst/rtr/dpa
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