Sonntag, 20. Oktober 2019

Frühjahrsgutachten Wirtschaftsforscher erhöhen Wachstumsprognose

Containerhafen in Hamburg: Trotz der flauen Weltkonjunktur erwarten die Ökonomen für 2013 ein Wirtschaftswachstum von 2 Prozent

Mit aller Kraft hat sich Deutschland gegen die Euro-Schuldenkrise gestemmt - und gewonnen: Die führenden Forschungsinstitute sehen die deutsche Wirtschaft im Aufwind und erhöhen ihre Jahresprognose. Nur die erlahmenden Konsolidierungsbemühungen kritisieren die Experten.

Berlin - Die führenden Wirtschaftsforschungsinstitute haben ihre Wachstumsprognose für 2012 in ihrem Frühjahrsgutachten von 0,8 auf 0,9 Prozent erhöht. Im nächsten Jahr trauen die Ökonomen der Wirtschaft ungeachtet der flauen Weltkonjunktur sogar wieder einen kräftigen Zuwachs von 2 Prozent zu. Im Jahr 2011 war die deutsche Wirtschaft noch um 3 Prozent gewachsen.

Deutsche Unternehmen seien derzeit so wettbewerbsfähig wie noch nie in den vergangenen drei Jahrzehnten, heißt es im neuen Frühjahrsgutachten der acht Institute, das sie am Donnerstag der Bundesregierung übergaben.

Als Gefahr für die wirtschaftliche Erholung wird die angespannte Lage in den überschuldeten Euro-Ländern Griechenland, Irland, Italien, Portugal und Spanien bewertet. "Das größte Abwärtsrisiko geht nach wie vor von der Schulden- und Vertrauenskrise im Euro-Raum aus, die im Kern noch nicht gelöst ist", schreiben die Experten in ihrer 76 Seiten langen Analyse mit dem Titel "Deutsche Konjunktur im Aufwind - Europäische Schuldenkrise schwelt weiter".

Vor allem in Italien, Irland und Spanien sei eine dauerhafte Stabilisierung nur möglich, wenn die geplanten Reformen tatsächlich griffen und es nicht zu neuen Vertrauensverlusten an den Finanzmärkten komme. Deutschland werde dagegen von den Investoren als sicherer Hafen und attraktiver Investitionsort betrachtet.

Arbeitslosenquote wird weiter sinken

Als Dilemma bewerten die Institute die ungeklärte Rolle der Europäischen Zentralbank (EZB). "Bislang haben sich die Beteiligten offenbar darauf verlassen, dass die EZB im Notfall einspringt." Sollte sich die spanische Bankenkrise zuspitzen, sei das weitere Vorgehen unklar. Die nahezu unbegrenzten Finanzspritzen der EZB für die Bankenwelt seien kein Wundermittel: "Dies hat zu massiven Verwerfungen und damit volkswirtschaftlichen Kosten an anderer Stelle geführt."

Durch das Wachstum hält auch der Boom am deutschen Arbeitsmarkt an. Die Zahl der Erwerbstätigen wird im laufenden Jahr um 470.000 steigen, im nächsten Jahr um weitere 325.000 auf fast 42 Millionen. Die Forscher erwarten, dass die Arbeitslosenzahl im Jahresschnitt 2012 auf 2,794 Millionen und 2013 auf 2,623 Millionen zurückgeht. Die Quote dürfte von 6,6 Prozent im laufenden Jahr auf 6,2 Prozent im Jahr 2013 sinken, heißt es in den Bericht.

Die Arbeitnehmer können erneut mit steigenden Löhnen rechnen - das Plus im Portemonnaie wird aber durch die weiter beachtliche Teuerungsrate geschwächt. Die Ökonomen sagen einen Anstieg der Effektivlöhne um mehr als 3 Prozent voraus. Die Inflation werde bei 2,3 Prozent (2012) und 2,2 Prozent (2013) liegen.

Die weltweit bewunderte Stärke der deutschen Wirtschaft hilft auch bei der Sanierung der Staatsfinanzen. Das Budgetdefizit des Staates soll bis 2013 auf 0,2 Prozent sinken. Die Institute warnen Union und FDP aber vor einem nachlassenden Willen zur Konsolidierung. "Die Verbesserung des Budgetsaldos im kommenden Jahr ist ausschließlich der erwarteten konjunkturellen Belebung zu verdanken."

Anstatt zu sparen, debattiere die Regierung über weitere Ausgaben wie das Betreuungsgeld und die Zuschussrente für Geringverdiener, kritisierten die Experten. Zudem stopfe die Regierung Löcher im Bundeshaushalt 2013 zum Teil durch den Griff in die Sozialversicherungen. Denn Bundeszuschüsse für die gesetzliche Rentenversicherung und für den Gesundheitsfonds sollen gekürzt werden..

mg/dpa-afx

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