Einstellungen Industrie bleibt Jobmotor in Deutschland

Die Aufträge gehen zurück, doch die Zahl der Jobs nimmt zu: Die deutsche Industrie hat im Januar rund 173.000 Beschäftigte mehr gezählt als ein Jahr zuvor. Das größte Plus gab es in der Metallbranche.
Deutsche Industrie: Zuletzt noch deutliche Einstellungen

Deutsche Industrie: Zuletzt noch deutliche Einstellungen

Foto: Hendrik Schmidt/ dpa

Wiesbaden - Der Jobmotor in der Industrie läuft und läuft: Das verarbeitende Gewerbe beschäftigte im Januar knapp 5,2 Millionen Mitarbeiter - rund 173.000 mehr als ein Jahr zuvor. Das teilte das Statistische Bundesamt am Donnerstag mit.

Der Anstieg überrascht, denn wegen der Schuldenkrise in Europa und der schwächeren Weltkonjunktur waren die Industrieaufträge zu Jahresbeginn deutlich zurückgegangen. In den vergangenen sieben Monaten verbuchte die Industrie damit zum fünften Mal ein Minus. Deutschlands Maschinenbau berichtete sogar von deutlich schlechteren Geschäften.

Den stärksten Stellenzuwachs meldete mit 5,7 Prozent die Metallindustrie, dicht gefolgt vom Maschinenbau mit 5,3 Prozent. Vergleichsweise wenige Jobs entstanden in der Nahrungs- und Futtermittelindustrie mit 2,0 Prozent und in der Chemieindustrie mit 1,8 Prozent.

Die Zahl der geleisteten Arbeitsstunden nahm um 6,9 Prozent auf 685 Millionen zu. Allerdings zählte der Januar diesmal einen Arbeitstag mehr. Löhne und Gehälter stiegen um 4,9 Prozent auf rund 18,5 Milliarden Euro.

Industrieverband enttäuscht von Bundesregierung

Die Industrie sieht nach den eigenen Erfolgen nun die Bundesregierung in der Pflicht. Der Branchenverband BDI forderte die schwarz-gelbe Koalition zu weiteren Reformen auf. "Wir Unternehmer haben uns mehr von dieser Regierung erwartet. Vermutlich waren unsere Erwartungen zu hoch", sagte BDI-Chef Hans-Peter Keitel der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung".

Die radikalste Wirtschaftsreform der vergangenen Jahre, die Agenda 2010, hätten SPD und Grüne bewerkstelligt. Konkret forderte Keitel einen größeren Ehrgeiz bei der Haushaltssanierung. Auch zeige der Streit über die Krankenkassenbeiträge, dass versäumt worden sei, das Sozialsystem wettbewerbsfähig zu machen. "Kaum ist einmal Geld übrig, will die Politik schon in die Kasse greifen", sagte der Verbandspräsident.

Keitel forderte die Regierung zudem auf, nicht in "plakativem Aktionismus" zu verschleißen. "Die Frauenquote ist für mich so ein populistisches Thema, das mit Blick auf die Wahlen hochgezogen wird." Das Umdenken in den Betrieben habe längst begonnen. "Aber alles muss wachsen. Das geschieht nicht durch gesetzgeberischen Zwang, sondern durch geübte Praxis."

yes/rtr
Die Wiedergabe wurde unterbrochen.