Samstag, 7. Dezember 2019

Schuldenkrise Wirtschaft in der Euro-Zone schrumpft

Bankhandelsraum in Frankfurt (Main): Die Wirtschaft legt eine Atempause ein

Die Wirtschaft in der Euro-Zone ist erstmals seit zweieinhalb Jahren geschrumpft. Im vierten Quartal ging das Bruttoinlandsprodukt um 0,3 Prozent zurück. Während Deutschland, Italien und die Niederlande schwächelten, bildete Frankreich eine positive Ausnahme.

Berlin - Erstmals seit zweieinhalb Jahren ist die Wirtschaft in den 17 Euro-Ländern wieder geschrumpft. Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) sank zum Jahresende 2011 um 0,3 Prozent gegenüber dem Vorquartal, wie die europäische Statistikbehörde Eurostat am Mittwoch mitteilte. Ein Minus hatte es zuletzt im zweiten Quartal 2009 gegeben, damals war die Wirtschaftsleistung im Euro-Raum um 0,2 Prozent zurückgegangen.

Insgesamt war das Jahr 2011 aber ein gutes Jahr für die Wirtschaft im Euro-Raum, die um 1,5 Prozent zulegte. Dazu trug der starke Jahresstart mit einem Plus von 0,8 Prozent bei, auch danach verzeichneten die Statistiker noch moderate Zuwächse von 0,2 und 0,1 Prozent. Erst zum Jahresende kippte der Trend.

In den 27 EU-Ländern sank das BIP zum Jahresende ebenfalls um 0,3 Prozent.

Auch die deutsche Wirtschaft ist Ende 2011 zum ersten Mal seit fast drei Jahren geschrumpft. Das Bruttoinlandsprodukt fiel von Oktober bis Dezember um 0,2 Prozent im Vergleich zum Vorquartal.

Grund waren sinkende Konsumausgaben und fehlende Impulse vom Außenhandel, teilte das Statistische Bundesamt am Mittwoch mit. Einen stärkeren Rückgang verhinderten steigende Investitionen, vor allem in Gebäude.

Ein Minus hatte es zuletzt auf dem Höhepunkt der weltweiten Finanzkrise Anfang 2009 gegeben, das mit 4 Prozent sehr stark ausfiel. Analysten hatten für das Schlussquartal 2011 einen Rückgang von 0,3 Prozent erwartet. Im Sommer wuchs Europas größte Volkswirtschaft noch um 0,6 Prozent und damit etwas stärker als zunächst mit 0,5 Prozent angegeben.

Frankreich schlug sich am Jahresende besser als Deutschland. Das Bruttoinlandsprodukt im Nachbarland legte um 0,2 Prozent zu, wie das Statistikamt Insee mitteilte. Analysten hingegen hatten mit minus 0,1 Prozent gerechnet. Finanzminister Francois Baroin sieht die Wirtschaft auf gutem Weg, 2012 das von der Regierung erwartete Wachstum von 0,5 Prozent zu schaffen. "Jeder der drei Hauptbereiche der Wirtschaft - Außenhandel, privater Konsum und Investitionen - sorgte im letzten Quartal für einen positiven Beitrag", sagte Baroin.

Italien kommt nicht aus der Wirtschaftskrise

Die italienische Wirtschaft ist im vierten Quartal 2011 in eine Rezession abgerutscht. Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) sank im Quartalsvergleich um 0,7 Prozent, wie die italienische Statistikbehörde Istat am Mittwoch mitteilte. Bereits im dritten Quartal war die Wirtschaft um 0,2 Prozent geschrumpft. Ökonomen sprechen von einer Rezession, wenn die Wirtschaftsleistung eines Landes zwei Quartale in Folge rückläufig ist. Schon im zweiten und ersten Vierteljahr waren die Zuwächst mit 0,3 und 0,1 Prozent sehr schwach ausgefallen.

Im Jahresvergleich sank die Wirtschaftsleistung Italiens im vierten Quartal um 0,5 Prozent, nach einem Plus von revidiert 0,3 (zunächst 0,2) Prozent im dritten Vierteljahr. Ökonomen hatten mit der aktuellen Entwicklung gerechnet, allerdings etwas günstigere Raten erwartet.

In den Niederlanden ist die Wirtschaft im Schlussquartal 2011 stärker als befürchtet geschrumpft und in die Rezession abgerutscht. In den Monaten Oktober bis Dezember sei das Bruttoinlandsprodukt (BIP) zum Vorquartal um 0,7 Prozent gesunken, teilte die nationale Statistikbehörde CBS am Mittwoch mit. Volkswirte hatten einen Rücksetzer um lediglich 0,3 Prozent erwartet.

Schuldenkrise lähmt Wirtschaft europaweit

Experten führten das zwischenzeitliche Ende des deutschen Aufschwungs auf die nicht enden wollende Schuldenkrise in den Euro-Ländern zurück. "Sie hat zu einem drastischen Vertrauensschwund bei Unternehmen und Verbrauchern gesorgt", sagte Ökonom Christian Schulz von der Berenberg Bank.

Die Entscheidung der Europäischen Zentralbank, die Finanzmärkte mit Geld zu fluten, habe die Lage aber beruhigt. Die Chancen für eine rasche Erholung sind deshalb deutlich gestiegen. Das GfK-Konsumklima ist so gut wie seit knapp einem Jahr nicht mehr, ebenso die ZEW-Konjunkturerwartungen der Analysten, während sich das Ifo-Geschäftsklima zuletzt drei Mal in Folge aufhellte.

"Die deutsche Wirtschaft kommt mit einem blauen Auge davon", sagte DekaBank-Experte Andreas Scheuerle. Ein weiterer Rückgang und damit eine Rezession könne im ersten Quartal verhindert werden. "Für die Menschen fühlt es sich nicht nach Rezession an: der Arbeitsmarkt ist stabil, die ersten Tarifabschlüsse in diesem Jahr fielen recht hoch aus", sagte Scheuerle. "Der Konsum wird in diesem Jahr wachsen."

Die Bundesregierung erwartet 2012 ein Wachstum von 0,7 Prozent. 2011 hatte das Bruttoinlandsprodukt noch um 3 Prozent zugelegt.

nis/rtr/dpa-afx

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