Samstag, 19. Oktober 2019

DIHK Deutsche Firmen erwarten weiteres Wachstum

Weiter aufwärts: DIHK und BDI halten ein Wachstum 2012 in Höhe von etwa 1 Prozent für möglich - und sind damit optimistischer als die Bundesregierung

Optimistischer Ausblick: Die deutsche Wirtschaft hat nach Ansicht der Industrieverbände die Delle vom Dezember überwunden und bleibt 2012 auf Wachstumskurs. Allerdings sehen viele Unternehmen ihre Zukunft durch den Mangel an Fachkräften gefährdet.

Berlin - "Die Wirtschaft läuft rund", sagte der Hauptgeschäftsführer des Deutschen Industrie- und Handelskammertages (DIHK), Martin Wansleben, am Donnerstag. Die Geschäftslage der Unternehmen sei "ungebrochen gut".

Auch das Bundeswirtschaftsministerium erwartet, dass die Konjunktur hierzulande nach der Eintrübung zum Jahresende 2011 bald schon wieder Fahrt aufnimmt. Es gebe erste Anzeichen der Stabilisierung.

Der Bundesverband der Deutschen Industrie (BDI) ist unterdessen überzeugt, dass selbst eine mögliche Rezession, also das Schrumpfen der Wirtschaft in zwei aufeinanderfolgenden Quartalen, für Deutschland zu verkraften wäre. "Das wäre für die weitere Entwicklung nicht tragisch", sagte BDI-Konjunkturexperte Hans-Joachim Haß. Nach zwei extrem wachstumsstarken Jahren sei die Abflachung der Konjunkturkurve normal. Ohne gravierende Schocks von außen sei nach Ansicht des BDI beim Wachstum "die Eins vor dem Komma" möglich.

Auch der DIHK prognostiziert für 2012 ein Wirtschaftswachstum von einem Prozent und ist damit optimistischer als die Bundesregierung, die mit einer Steigerung von 0,7 Prozent rechnet.

Mangel an Fachkräften größtes Risiko für Unternehmen

Durch den zunehmenden Mangel an qualifiziertem Personal sehen so viele deutsche Firmen wie noch nie ihre Zukunft gefährdet. 34 Prozent erwarteten deshalb bereits in den nächsten Monaten eine Bedrohung für ihr Geschäft, teilte der Deutsche Industrie- und Handelskammertag zu seiner Umfrage unter mehr als 25.000 Betrieben mit. Dies sei ein besorgniserregender Höchstwert.

"Der Fachkräftemangel gewinnt als Geschäftsrisiko für die Betriebe an Bedeutung", sagte Wansleben. Besonders betroffen sind demnach das Baugewerbe, die Maschinenbauer, die Telekommunikations- und IT-Branche sowie das Gesundheitswesen.

Scharfe Kritik übt der DIHK an der Politik. "Vor allem in der Schlüsselfrage der Erhöhung der Bildungsausgaben ist man sich wohl nur darin einig, sich nicht einig zu sein", sagte Wansleben. Deutschland brauche zudem eine bessere Willkommenskultur. "Denn zur Fachkräftesicherung brauchen wir zukünftig mehr und gut ausgebildete Zuwanderer."

Keine Entwarnung für die Konjunktur im Euroraum

Wansleben sagte, es gebe bei den Unternehmen noch immer "eine Bugwelle der Verunsicherung" wegen der Euro-Krise. Doch bleibe Europa ein funktionierender Wirtschaftsraum. "Es ist nicht davon auszugehen, dass es jetzt ins Bodenlose fällt", erklärte er.

Nach Angaben des Münchener Ifo-Instituts hat sich das Wirtschaftsklima im Euro-Raum auf niedrigem Niveau stabilisiert. Nach einem Absturz um 35 Punkte in zweiten Halbjahr 2011 stieg es im ersten Quartal leicht um 1,1 auf 84,8 Punkte. "Für den Euro-Raum kann keine konjunkturelle Entwarnung gegeben werden", sagte Ifo-Präsident Hans-Werner Sinn.

Ungeachtet der Sorgen um die Staatsschulden in Europa rechnet der Verein Deutscher Werkzeugmaschinenfabriken (VDW) mit einem Branchenwachstum von 5 Prozent in 2012. Die Prognose stütze sich auf volle Auftragsbücher und positive Erwartungen für die weltweite Konjunktur, sagte der VDW-Vorsitzende Martin Kapp. Der mit Abstand wichtigste Markt sei China.

la/dapd/reuters

© manager magazin 2012
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung