Montag, 21. Oktober 2019

Ifo-Index steigt Winterflaute in deutschen Firmen abgehakt

Baustelle in Hamburg: Der milde Winter bremst den Konjunkturabschwung

Die Winterflaute scheint schon wieder vorbei zu sein: Nach dem Einkaufsmanager- und dem ZEW-Index zeigt auch der Ifo-Geschäftsklimaindex klar nach oben. Zum dritten Mal in Folge hat sich die Stimmung in den Chefetagen der deutschen Wirtschaft deutlich verbessert.

Berlin - Der Ifo-Geschäftsklimaindex kletterte um einen Punkt auf 108,3 Punkte, teilte das Münchener Ifo-Institut mit. Einen besseren Wert gab es zuletzt im August 2011. Analysten hatten lediglich einen leichten Anstieg auf 107,5 Zähler erwartet. "Die deutsche Wirtschaft startet mit Elan ins neue Jahr". sagte Ifo-Präsident Hans-Werner Sinn. Eine Rezession wird damit unwahrscheinlicher.

Während die befragten Firmenchefs ihre aktuelle Lage etwas schlechter beurteilten als noch im Vormonat, äußerten sie sich deutlich zuversichtlicher zu ihren Erwartungen für die kommenden Monate. Das Barometer für die Geschäftsaussichten legte von 98,6 Punkten auf 100,9 Zähler zu. Hier hatten Analysten mit 98,9 Punkten gerechnet. Auch die Geschäftslage wurde besser bewertet. Dieser Index fiel leicht auf 116,3 von 116,7 Punkten.

Nach Branchen unterschieden besserte sich das Geschäftsklima im verarbeitenden Gewerbe und im Bauhauptgewerbe. Die Unternehmen im verarbeitenden Gewerbe erwarten wieder eine positive Entwicklung der Exporte, außerdem planen sie Einstellungen. Die Auslastung der Maschinen liegt aber noch unter dem vergangenen Herbst. Am Bau hellten vor allem die Aussichten auf die kommenden Monate das Geschäftsklima auf.

Dagegen nahm sowohl im Einzel- als auch im Großhandel die Stimmung etwas ab. Die Einzelhändler blicken skeptischer auf das kommende Halbjahr. Die Großhändler dagegen sind unzufriedener mit ihrer aktuellen Lage, dafür blicken sie mit größerem Optimismus auf die erste Jahreshälfte.

Analysten sind zuversichtlich

Es gibt keine Anzeichen, dass wir in eine Rezession rutschen, die auch auf den Arbeitsmarkt durchschlagen könnte", sagte Ifo-Experte Klaus Abberger. Analysten sehen das ähnlich. "Es gibt keinerlei Anzeichen dafür, dass Deutschland in eine tiefe Rezession rutschen wird", sagte Unicredit-Experte Andreas Rees. "Die Konjunktur am Horizont hellt sich wieder auf. Es gibt einigen Grund zum Optimismus."

Besonders die Exporteure sind wieder zuversichtlicher. "Die Stimmung ist nicht euphorisch, aber im Export haben wir den Boden gefunden", sagte Abberger. Dabei helfe der schwächere Euro-Kurs Börsen-Chart zeigen. Ganz aus dem Schneider sei die deutsche Wirtschaft aber noch nicht. "Das Thema Schuldenkrise ist noch ganz wichtig, die kann die Konjunktur noch beschädigen", sagte der Ifo-Experte.

Drei Anstiege in Folge weisen auf Trendwende hin

Der Ifo-Index wird jeden Monat aus einer Umfrage unter rund 7000 Unternehmen ermittelt und gilt als wichtigster Frühindikator für die Entwicklung der deutschen Wirtschaft. Nach einer deutlichen Abkühlung im vergangenen Herbst erreichte der Index seinen Tiefpunkt bei 106,5 Punkten im Oktober. Im November war der Wert dann überraschend gestiegen. Zunächst hatten Experten dies als Ausreißer gewertet - bis der Index im Dezember erneut zulegte.

Drei Anstiege in Folge werden normalerweise sogar als Trendwende gewertet. Angesichts des instabilen wirtschaftlichen Umfeldes hatten Volkswirte aber diesmal vor dieser Interpretation gewarnt.

Die Bundesregierung rechnet wegen der befürchteten Winterflaute für dieses Jahr mit einem Mini-Wachstum von 0,7 Prozent. Im abgelaufenen Jahr hatte es noch ein Plus von 3 Prozent gegeben. Erst gestern veröffentlichte das Markit-Institut den Einkaufsmanagerindex, der im Januar wieder über die wichtige Marke von 50 Punkten gestiegen ist. Und auch der ZEW-Index legte im Januar wieder zu.

mg/rtr/dpa-afx/afp

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