Jahreswirtschaftsbericht Regierung erwartet 0,7 Prozent Wachstum

Die Bundesregierung rechnet trotz der europäischen Schuldenkrise nur mit einer vorübergehenden Wachstumsdelle in Deutschland. Ihre Prognose für die Wirtschaftsentwicklung in diesem Jahr hat sie auf plus 0,7 Prozent gekürzt. Trotzdem erwartet sie weitere Rekordzahlen vom Arbeitsmarkt.
Wirtschaftsminister Rösler: "Deutschland bleibt Anker für Stabilität und Wachstum"

Wirtschaftsminister Rösler: "Deutschland bleibt Anker für Stabilität und Wachstum"

Foto: ALEX DOMANSKI/ REUTERS

Berlin - Die deutsche Wirtschaft wird nach zwei Boomjahren nach Einschätzung der Bundesregierung 2012 nur leicht zulegen. Wirtschaftsminister Philipp Rösler (FDP) rechnet mit einem Konjunkturplus von 0,7 Prozent. Unterstellt wird in dem am Mittwoch in Berlin vorgelegten Jahreswirtschaftsbericht aber, dass die Euro-Länder bei der Lösung der Staatsschuldenkrise vorankommen.

Trotz der erwarteten Konjunkturabkühlung rechnet die schwarz-gelbe Koalition mit einem Beschäftigungsrekord. Die Zahl der Erwerbstätigen werde in diesem Jahr um 220.000 auf 41,3 Millionen Personen steigen. Die Arbeitslosenquote werde von 7,1 auf 6,8 Prozent sinken und im nächsten Jahr auf 6,7 Prozent abnehmen. Diese sei der niedrigste Wert seit 20 Jahren.

"Aufgrund des schwierigeren außenwirtschaftlichen Umfelds rechnen wir zwar mit einer vorübergehenden Wachstumsdelle im Winterhalbjahr", sagte Rösler. Die Regierung sei aber fest davon überzeugt, dass sich im Jahresverlauf bereits wieder ein höheres Wachstumstempo abzeichnen werde. "Deutschland ist und bleibt Anker für Stabilität und Wachstum in Europa", lautete Röslers Fazit. Die Verfassung der deutschen Wirtschaft sei nach wie vor robust.

Allerdings hängt die deutsche Wirtschaftsentwicklung nach Darstellung der Regierung entscheidend davon ab, dass in den europäischen Partnerländern wieder Stabilität und Wachstum einzieht. Rösler forderte daher "entschlossene und glaubwürdige" Schritte zur Überwindung der Schuldenkrise im Euro-Raum ein. Der Weg zur Stabilitätsunion mit klaren und durchsetzbaren Regeln müsse mit Nachdruck verfolgt werden. "Jetzt gilt es, den Vertrag zur stärkeren Fiskaldisziplin auch strikt und konsequent auszugestalten", unterstrich der Minister. In Europa müssten "Solidarität und Solidität" Hand in Hand gehen.

Zuletzt hatte die Bundesregierung für 2012 noch ein Wachstumsplus von 1,0 Prozent erwartet. Die Regierung bleibt mit der jetzt erfolgten leichten Korrektur nach unten dennoch etwas optimistischer als viele Ökonomen. Diese haben im Schnitt ein Plus von nur noch 0,5 Prozent für das laufende Jahr vorausgesagt. Das Düsseldorfer Institut für Makroökonomie und Konjunkturforschung (IMK) geht sogar von einem leichten Minus aus.

ak/dpa/rtr/dapd
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