Schwindender Pessimismus ZEW-Index steigt so stark wie noch nie

Die Konjunkturerwartungen von Anlegern und Analysten haben sich im Januar drastisch verbessert. Zwar liegt der ZEW-Index immer noch im Minusbereich, die Furcht vor einem wirtschaftlichen Absturz ist aber vorüber. Laut Institutsdirektor Wolfgang Franz hat die EZB Schlimmeres verhindert.
Aufatmen an der Börse: Die Liquiditätshilfe der EZB lässt Sorgen schwinden

Aufatmen an der Börse: Die Liquiditätshilfe der EZB lässt Sorgen schwinden

Foto: STRINGER/GERMANY/ REUTERS

Mannheim - Das ZEW-Barometer kletterte um 32,2 auf minus 21,6 Punkte, teilte das Mannheimer Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) am Dienstag mit. Einen so starken Anstieg hat es seit Beginn der Umfrage 1991 noch nie gegeben.

Damit erreichte der Indikator den höchsten Wert seit Juli 2011, liegt aber immer noch unter dem historischen Mittelwert von plus 24,5 Punkten. Dies deute darauf hin, "dass Deutschland in den nächsten sechs Monaten kein weiterer konjunktureller Abstieg, sondern eine Stabilisierung der Konjunktur auf dem derzeitigen Niveau bevorsteht", teilte das Institut mit. Von Reuters befragte Ökonomen hatten lediglich einen Anstieg auf minus 50 Punkte vorhergesagt.

"Die Einschätzung der Finanzmarktexperten gibt Anlass zu vorsichtigem Optimismus, dass es sich entgegen wiederholt vorgebrachten Warnungen vor einer Rezession lediglich um eine Konjunkturdelle handelt", sagte ZEW-Präsident Wolfgang Franz zu der Umfrage unter rund 300 Finanzmarktexperten.

Er führte das auf die Geldspritze der Europäischen Zentralbank zurück, die die Banken mit fast 500 Milliarden Euro zu niedrigen Zinsen versorgt hat. Auch gelungene Anleiheauktionen der Sorgenländer Italien und Spanien hätten die Stimmung verbessert. "Dessen ungeachtet stellt die Entwicklung der Schuldenkrise nach wie vor ein Risiko dar", warnte Franz.

Die Experten schätzten auch die aktuelle Lage etwas besser ein als zuletzt: Dieser Indikator stieg um 1,6 auf 28,4 Punkte. Für den Euro-Raum ergibt sich bei der Erwartungshaltung ein ähnliches Bild wie für Deutschland: Hier verbesserten sich die Konjunkturerwartungen ebenfalls stark um 21,6 Punkte auf minus 32,5 Zähler. Die Lageeinschätzung sank hingegen um 7,7 Punkte auf minus 51,8 Zähler.

Viele Ökonomen sagen der exportabhängigen deutschen Wirtschaft wegen der Schuldenkrise in Europa und der weltweiten Konjunkturflaute eine schwieriges ersten Halbjahr voraus. Die Deutsche Bank rechnet mit einer Rezession. Bereits Ende 2011 war das Bruttoinlandsprodukt ersten amtlichen Schätzungen zufolge um etwa 0,25 Prozent gesunken - zum ersten Mal seit dem Höhepunkt der Finanzkrise Anfang 2009.

ak/rtr
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