Montag, 9. Dezember 2019

November Industrieaufträge brechen ein

Auftragsminus: Maschinenbauer haben den Auftragsrückgang im vergangenen November besonders zu spüren bekommen

Dämpfer für die deutsche Industrie: Ihre Aufträge brachen im November so kräftig ein wie seit dem Höhepunkt der Finanzkrise vor knapp drei Jahren nicht mehr. Ein Grund ist die stark fallende Nachfrage aus dem Ausland. Experten sehen darin aber keinen Grund zur Panik.

Berlin - Die Aufträge für die deutsche Industrie sind im November aufgrund von weniger Groß- und Auslandsaufträgen deutlich stärker gesunken als erwartet. Im Monatsvergleich seien sie um 4,8 Prozent gefallen, teilte das Bundeswirtschaftsministerium mit. Experten hatten lediglich mit einem Rückgang von 1,8 Prozent gerechnet. Im Jahresvergleich fielen die Aufträge im November arbeitstäglich bereinigt um 4,3 Prozent.

Damit wurde das im Oktober erreichte Auftragsplus von 5,0 Prozent nahezu vollständig aufgezehrt. Bereits im Juli, August und September waren die Bestellungen teils kräftig gesunken.

Für den Einbruch sorgte vor allem die schwache Nachfrage aus den Ländern außerhalb der Euro-Zone. Sie ließ um 10,3 Prozent nach, während die aus den Euro-Ländern nur um 4,1 Prozent schrumpfte. Die Aufträge aus dem Inland gingen dagegen nur um 1,1 Prozent zurück. Zu dem schlechten Ergebnis trug bei, dass die Unternehmen diesmal vergleichsweise wenige Großaufträge erhielten.

Hersteller von Investitionsgütern besonders betroffen

Darunter litten vor allem die Hersteller von Fahrzeugen, Maschinen und anderen Investitionsgütern. Deren Aufträge gingen um 6,5 Prozent zurück. Die Produzenten von Chemikalien und anderen Vorleistungsgütern meldeten ein Minus von 2,9 Prozent, während die Nachfrage nach Konsumgütern um 2 Prozent sank.

Die geringere Nachfrage aus der Eurozone korrespondiert mit einer zunehmend eingetrübten Wirtschaftsstimmung. Der von der Europäischen Kommission veröffentlichte Sammelindex zur Einschätzung der wirtschaftlichen Entwicklung sank von 93,7 Punkten im Vormonat auf 93,3 Punkte. Der Index umfasst die Einschätzung von Industrie, Bauwirtschaft und Dienstleistungsgewerbe sowie das Verbrauchervertrauen und die Entwicklung des Einzelhandels.

Analyst Andreas Rees von der Unicredit warnt allerdings ebenso wie das Bundeswirtschaftsministerium selbst davor, den Auftragsrückgang in der Industrie überzubewerten. "Es gibt überhaupt keinen Grund zur Panik. Das ist ein ausschließlich technischer Rückschlag, der auf den sehr starken Anstieg im Oktober folgt", sagte der Experte am Freitag in einer ersten Reaktion. Die deutsche Konjunktur habe lediglich einen Gang zurückgeschaltet. Der Ifo-Geschäftsklimaindex sei zuletzt zweimal in Folge gestiegen. "Wenn sich das im Januar fortsetzt, könnte es bereits jetzt schon eine kleine Wende zum Besseren geben", so Rees.

rei/dpa-afx/rtr

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