Samstag, 7. Dezember 2019

DIW-Prognose 2012 Euro-Krise sorgt für Konjunkturdelle

Konjunkturdelle befürchtet: In 2012 wird die deutsche Wirtschaft nach Meinung des DIW nur um 0,6 Prozent wachsen

Die Euro-Krise wird die deutsche Wirtschaft im ersten Halbjahr 2012 spürbar ausbremsen. Davon gehen die Experten des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung aus und korrigieren ihre Jahresprognose nach unten. Ab Mitte des Jahres gehe es dann wieder aufwärts - sofern die Politik mitspielt.

Berlin - "Nachdem die deutsche Wirtschaft 2011 noch um kräftige 3 Prozent gewachsen ist, sind die Aussichten für 2012 durch die Krise im Euro-Raum überschattet", schreibt das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) in seinem Jahresausblick. So wird das Bruttoinlandsprodukt nach Meinung der Experten zu Jahresbeginn sogar leicht schrumpfen.

Für das Gesamtjahr geht das DIW von einem Wachstum in Höhe von 0,6 Prozent aus. Zuletzt hatte das Institut im vergangenen Oktober noch ein Wachstum von 1 Prozent prognostiziert.

Der Aufschwung werde aber nur kurzzeitig unterbrochen, heißt es. "Dank des ab dem Sommer einsetzenden Aufholwachstums rechnen wir für 2013 wieder mit einem Wachstum von 2,2 Prozent", sagte DIW-Konjunkturchef Ferdinand Fichtner. Die Aufholjagd der deutschen Wirtschaft werde aber nur gelingen, "wenn die Politik die Krise im Euro-Raum in den nächsten Monaten überzeugend in den Griff bekommt", warnte Fichtner.

Auswirkungen auf Arbeitsmarkt gering

Im Fall einer wirksamen Eindämmung der Euro-Schuldenkrise erwarten die DIW-Experten ab der Jahresmitte eine deutliche Belebung der deutschen Exporte und der Inlandsnachfrage. Dann dürften auch die Auswirkungen der Konjunkturdelle auf den Arbeitsmarkt nach Einschätzung des DIW begrenzt bleiben.

Die Experten rechnen in der ersten Hälfte 2012 allerdings zunächst mit einem leichten Rückgang der Beschäftigung. "Mit vermehrter Kurzarbeit und dem Abbau der inzwischen wieder gut gefüllten Arbeitszeitkonten werden die Unternehmen den Rückgang bei der Zahl der Beschäftigten aber abfedern können", so DIW-Deutschlandexperte Simon Junker. In der zweiten Jahreshälfte dürfte die auflebende Wirtschaft die Lage auf dem Arbeitsmarkt weiter verbessern. Insgesamt erwartet das DIW im Jahresdurchschnitt 2012 ein kleines Plus bei der Zahl der Erwerbstätigen und eine Arbeitslosenquote "leicht über der 7-Prozent-Marke".

Sollte die Euro-Schuldenkrise allerdings länger andauern, wird das nach Einschätzung des DIW negative Folgen für den bisher außerordentlich robusten Arbeitsmarkt haben. Im schlimmsten Fall drohe eine "Negativspirale aus steigender Arbeitslosigkeit und fallender Nachfrage", warnte Fichtner. Nach Einschätzung des DIW wäre in einem solchen Fall auch "eine spürbaren Rezession" in Deutschland nicht ausgeschlossen.

mg/dpa

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