Ifo-Konjunkturtest Deutsche Wirtschaft trotzt Konjunkturflimmern

Es ist ein Lebenszeichen in Europas Schuldenkampf: Deutschlands wichtigstes Konjunkturbarometer signalisiert, dass die Rezessionsfurcht hierzulande unbegründet sein könnte. Der Ifo-Index ist gegen den europäischen Trend zum zweiten Mal in Folge gestiegen - aufgrund besserer Zukunftserwartungen.
Deutsche Wirtschaft: Mit mehr Optimismus in 2012 als noch vor einigen Wochen

Deutsche Wirtschaft: Mit mehr Optimismus in 2012 als noch vor einigen Wochen

Foto: dpa

München - Die deutsche Wirtschaft trotzt den Rezessionssorgen in der Euro-Zone und geht unverdrossen optimistisch ins neue Jahr. Der Ifo-Geschäftsklimaindex stieg im Dezember um 0,6 auf 107,2 Zähler und damit den zweiten Monat in Folge, wie das Münchener Ifo-Institut am Dienstag mitteilte. "Die deutsche Wirtschaft scheint dem Abschwung Westeuropas erfolgreich zu trotzen", sagte Ifo-Chef Hans-Werner Sinn. "Insofern ist für Weihnachten Gutes zu vermelden." Für Deutschland sieht das Institut derzeit keine Rezessionsgefahr.

Obwohl viele Konjunkturforscher für nächstes Jahr nur ein mageres Wachstum voraussagen, beurteilten die befragten Manager die Geschäftsperspektiven für die kommenden sechs Monate sogar besser. Das entsprechende Barometer stieg von 97,3 auf 98,4 Zähler. Die aktuelle Lage schätzten sie mit einem Indexwert von 116,7 zum Vormonat unverändert ein.

Der Konjunkturtest hatte gleich Auswirkungen auf viele Kurse auf dem deutschen Aktienmarkt. Nach einem etwas schwächeren Start legte der Dax  am Vormittag um 0,60 Prozent auf 5705 Punkte zu. Der MDax kletterte um 0,77 Prozent auf 8557 Punkte und der TecDax gewann 0,81 Prozent auf 665 Punkte.

Die Industrieunternehmen bewerteten ihre Geschäftslage zwar als etwas weniger gut als im November, von einem "Absturz" wie im Krisenjahr 2008 könne jedoch keine Rede sein. Es zeigten sich vielmehr "Stabilisierungstendenzen" bei einem aufgehellten Ausblick auf das kommende halbe Jahr. Auch am Bau besserte sich die Stimmung vor Beginn der üblicherweise schwachen Wintermonate. "Im Hinblick auf die Geschäftsentwicklung in den nächsten sechs Monaten sind sie zudem hoffnungsvoller", teilte das Ifo-Institut mit. Analysten sprachen von einem versöhnlichen Jahresende. "Die Zahlen stimmen zuversichtlich, dass die deutsche Konjunktur nicht wegbricht", meint Ökonom Rainer Sartoris von HSBC Trinkaus.

"Es gilt aber zu beachten, dass der aktuelle Dreimonatsdurchschnitt des Ifo-Gesamtindexes ein leicht tieferes Niveau anzeigt, als in den Monaten Juli bis September, was auf ein etwas schwächeres Wachstum des Bruttoinlandsprodukts im vierten Quartal hindeutet", sagte Helaba-Expertin Viola Stork.

Für das kommende Jahr fürchten die meisten Konjunkturforscher dann auchein Miniwachstum. Das ist zwar besser als in vielen europäsichen Nachbarländern, in denen bittere Rezessionen drohen; ein kleinere, technische Rezession dürfte sogar die zweitgrößte europäische Volkswirtschaft, Frankreich, ereilen. Doch der Schwung hierzulande dürfte nicht ausreichen, um beispielsweise weiterhin zusätzliche Jobs in der nötigen Menge zu schaffen. Trotz der zuletzt deutlich gesunkenen Arbeitslosigkeit sind in der Bundesrepublik noch immer Millionen Menschen ohne Arbeit.

kst/rtr/dpa/afp
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