Weihnachtsgeschäft Handel wartet auf Last-Minute-Shopper

Der Konsum in Deutschland sollte das Comeback des Jahres werden und die Euro-Krise abfedern. Doch ausgerechnet in der wichtigen Weihnachtssaison verflüchtigt sich die Dynamik. Nur wenige Tage können die Händler hoffen, dass die Kauflust noch auflebt - was durchaus möglich wäre.
Noch Luft nach oben: Festlich geschmücktes Einkaufszentrum in Rostock

Noch Luft nach oben: Festlich geschmücktes Einkaufszentrum in Rostock

Foto: Robert Schlesinger/ picture alliance / dpa

Hamburg - Unterm Baum, so besagt die aktuelle Werbekampagne des Elektronikhändlers Mediamarkt, wird Weihnachten entschieden. Mutterkonzern Metro  jedoch hat sein Urteil schon lange vor dem Fest gefällt. Das Unternehmen hat wegen des schlecht angelaufenen Weihnachtsgeschäfts seine Jahresziele kassiert und damit an der Börse Zweifel am Erfolg der ganzen Branche geweckt.

Der scheidende Metro-Chef Eckhard Cordes konnte das Problem noch weitgehend im Ausland lokalisieren; die Kaufzurückhaltung wegen der staatlichen Sparprogramme in vielen europäischen Staaten "spüren wir über alle Vertriebslinien und Ländergrenzen hinweg", sagte der Manager. Doch auch in Deutschland selbst scheint das Geschäft nicht ganz rund zu laufen. So schickte auch Börsenneuling Adler Modemärkte  mit Verweis auf das "verhaltene Weihnachts- und Wintergeschäft" eine Gewinnwarnung heraus.

Dabei gilt doch Deutschland als Stütze der europäischen Konjunktur, und innerhalb Deutschlands betrachtet nicht nur der Hauptverband des Deutschen Einzelhandels (HDE) den privaten Konsum als "Stabilitätsanker". Die Voraussetzungen wären günstig wie selten für Kauflust der Deutschen. Wegen der weiterhin guten Lage am Arbeitsmarkt ermittelte die Marktforschungsgesellschaft GfK  für Dezember eine Anschaffungsneigung auf historisch hohem Niveau. Das Geld ist da, und die Deutschen geben es laut GfK angesichts der Euro-Krise lieber aus, als es der Bank anzuvertrauen.

Hoffen auf den Kalendereffekt

Doch der HDE hat seine Hoffnungen von Adventswochenende zu Adventswochenende verschoben. An den Ladenkassen kam die Konsumlaune bisher kaum an. Nach dem 1. Advent ergab die Verbandsumfrage unter den Einzelhändlern, dass der Umsatz unter dem starken Vergleichswert des Vorjahrs lag. "Noch Luft nach oben" sah HDE-Hauptgeschäftsführer Stefan Genth - nicht zum letzten Mal in dieser Saison. "Das Beste liegt noch vor uns", verkündete er nach dem "eher ruhigen" zweiten Adventswochenende. In der Woche darauf zog Genth eine "gemischte Halbzeitbilanz".

Nun, nach dem 4. Advent, verweist er auf die vielen noch verbleibenden Verkaufstage, weil Heiligabend in diesem Jahr auf einen Samstag fällt. "Der Kalender wird uns dieses Jahr ein besonders starkes Last-Minute-Geschäft bringen", erklärt Genth. Und schiebt für den Fall nach, dass auch diese Hoffnung sich nicht erfüllt, die Händler sähen "auch der Woche zwischen Weihnachten und Silvester mit großen Erwartungen entgegen".

Krise unterm Weihnachtsbaum: Deutsche knausern wie zu Lehman-Zeiten

Noch immer erwartet der Verband ein Umsatzplus von 1,5 Prozent gegenüber dem Weihnachtsgeschäft von 2010 - ein wenig ambitioniertes Ziel, wie der HDE selbst einräumt. Schließlich hielten damals Eis und Schnee die Käufer vom Einkaufsbummel ab. Und im Vergleich zum bisherigen Jahresverlauf mit Wachstumsraten deutlich über 5 Prozent im Frühsommer wäre die Zielmarke ein Rückschritt - um die Inflation bereinigt, würde sie bestenfalls Stagnation bedeuten.

Genau darauf deutet eine Studie der Beratungsfirma Ernst & Young hin. Branchenexperte Thomas Harms spricht von einem "kräftigen Dämpfer" für den deutschen Einzelhandel, von einer "Krise unterm Weihnachtsbaum". Das durchschnittliche Budget für Geschenke, haben die Marktforscher ermittelt, sei um 9 Prozent auf 213 Euro gefallen, noch weniger als im Winter der Lehman-Pleite 2008. Auf spätentschlossene Käufer ist laut Ernst & Young auch kein Verlass, denn 81 Prozent hätten zwei Wochen vor dem Fest schon die meisten Geschenke besorgt.

Auch Harms sieht Verunsicherung infolge der Euro-Krise am Werk, aber anders als von der GfK dargestellt: "Die Menschen schnallen heute schon den Gürtel enger, obwohl sie sich durchaus mehr leisten könnten", erklärt der Ernst-&-Young-Mann.

Hoffnung können die Einzelhändler auf ähnliche Umfragen stützen, die zu anderen Ergebnissen kommen. Nach Rechnung der GfK verschenken die Deutschen durchschnittlich 241 Euro, nur vier Euro weniger als 2010. Die Beratungsfirma Deloitte ermittelt sogar ein Geschenkebudget von 286 Euro, was plus 4 Prozent bedeuten würde.

Bisher scheint sich eher die Prognose von Ernst & Young zu bewahrheiten. Aber vielleicht setzt sich auch der neue Trend aus den USA durch: Immer mehr Familien dort verbringen die Festtage in Ruhe und verschieben das Schenken auf später, wenn die Läden leer sind und die Rabatte groß. Was unterm Baum liegt, ist dann nicht mehr so entscheidend.

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