Konjunkturindikator gestiegen Einkaufsmanager geben etwas Hoffnung

Die Wirtschaftsleistung der Euro-Zone schrumpft, die deutsche Wirtschaft aber zeigt sich weiter zäh: Während viele Umfragen ein düsteres Bild der Europa-Konjunkturlage zeichnen, ist jetzt ein weiterer wichtiger Deutschland-Indikator überraschend gestiegen - und lässt auf das Frühjahr hoffen.
Montagehalle eines Maschinenbauers: Die Industrie schwächelt, doch die Geschäfte im Dienstleistungssektor wachsen deutlich

Montagehalle eines Maschinenbauers: Die Industrie schwächelt, doch die Geschäfte im Dienstleistungssektor wachsen deutlich

Foto: Jens Büttner/ picture alliance / dpa

Frankfurt am Main - In vielen Regionen der Welt schwächt sich die Wirtschaft ab, allerdings in unterschiedlichem Tempo. Darauf deuten die am Donnerstag veröffentlichten Umfragen unter Managern von Tausenden Unternehmen hin. Die deutsche Wirtschaft entwickelt sich aber wohl noch recht ordentlich.

Während die hiesige Industrie zwar im Dezember schwächelte, wuchsen die Geschäfte im Dienstleistungssektor so stark wie seit fünf Monaten nicht mehr. Der Einkaufsmanagerindex für die gesamte Privatwirtschaft kletterte dadurch um 1,9 Punkte auf 51,3 Punkte, teilte das Markit-Institut mit.

Die Postbank bezeichnete den Anstieg als "äußerst positiv". "Das aufgehellte Stimmungsbild stützt unsere Einschätzung, dass die tatsächliche Wirtschaftsentwicklung hinter der Verschuldungskrise gar nicht so schlecht ist", heißt es bei den Bankern.

Deutschland verteidigt damit seine Ausnahmestellung in der schwächelnden Euro-Zone. Schon in den vergangenen Wochen deuteten erste Indikatoren und Wirtschaftsdaten darauf, dass es hierzulande zumindest nicht kräftig bergab in eine Rezession gehen dürfte. So drehte mit dem Ifo-Geschäftsklimaindex vor wenigen Tagen der bedeutendste hiesige Konjunkturindikator von seinem vorherigen Dauersinkkurs wieder ein Stück nach oben. Die Konsumstimmung hierzulande bleibt laut der Gesellschaft für Konsumforschung robust und die hiesige Industrie verbuchte zuletzt wieder deutlich mehr Aufträge.

EZB-Chef Draghi: "Konjunkturaussichten mit hoher Unsicherheit belastet"

Besonders schlecht steht es dagegen laut der britischen Markit-Forscher um die von der Schuldenkrise geplagten Euro-Zone. "Nach unseren Berechnungen dürfte die Wirtschaftsleistung im vierten Quartal 2011 um 0,6 Prozent schrumpfen", sagte Markit-Chefvolkswirt Chris Williamson. Der von seinem Institut ermittelte Einkaufsmanagerindex für die Privatwirtschaft der Euro-Zone blieb trotz eines leichten Anstiegs auf 47,9 Punkte den vierten Monat in Folge unter der Marke von 50 Zählern, ab der Wachstum signalisiert wird.

Für den gesamten Euro-Raum schließt Markit-Chefvolkswirt Williamson zudem ein weiteres Minus-Quartal nicht aus - wegen sinkender Aufträge, pessimistischer Geschäftsaussichten und der hartnäckigen Misere in den Euro-Peripherieländern.

Unter dem Strich sind "die Konjunkturaussichten mit hoher Unsicherheit belastet", warnte dann auch der Präsident der Europäische Zentralbank (EZB), Mario Draghi, mit Blick auf die gesamte Euro-Zone "Sie sind sogar unsicherer als vor einem Monat." Die Spannungen am Finanzmarkt belasteten die Realwirtschaft - und das, obwohl die Euro-Schwergewichte Deutschland und Frankreich die Entwicklung stützen.

Selbst China schwächelt

Die EZB hatte ihren Leitzins im Dezember auf das Rekordtief von einem Prozent gesenkt, um die Wirtschaft mit billigem Geld anzuschieben. Analysten werteten es aber als gutes Zeichen, dass der vielbeachtete Stimmungsindikator entgegen den Markterwartungen gestiegen ist. "Zwar befinden wir uns aktuell in einer Schwächephase, in deren Zusammenhang wir auch eine leichte Rezession im Euroraum erwarten", sagte Postbank-Experte Thilo Heidrich. "Doch die auf breiter Front verbesserte Stimmungslage in den Unternehmen werten wir als Zeichen, dass die Konjunktur im Frühjahr wieder an Dynamik gewinnt."

Auch die langjährige Wachstumslok China kann sich der abflauenden Weltkonjunktur nicht entziehen. Im Dezember stieg der von der Großbank HSBC ermittelte Einkaufsmanagerindex für die Industrie zwar auf 49 Zähler von 47,7 im November. Er blieb aber unter der Wachstumsschwelle von 50 Punkten. "Die Wachstumsimpulse bleiben schwach, zudem gibt es Abwärtsrisiken von den Exporten", sagte China-Chefökonom Qu Hongbin von HSBC. Vor allem im Inland gingen die Aufträge der Industrie deutlich zurück.

Auch das Umfeld für das Exportgeschäft bleibe schwierig, sagte ein Sprecher des Handelsministeriums. Ein Grund dafür sei die Unsicherheit in Europa. In den ersten drei Quartalen hatte Chinas Wachstum stetig an Tempo verloren. Einige Ökonomen gehen davon aus, dass Chinas Wachstum 2012 unter 9 Prozent fallen könnte - zum ersten Mal seit 2001.

Insgesamt drohen sich die Bric-Staaten Brasilien, Russland, Indien und China, das letzte Bollwerk des Wachstums auf dem Planeten, mit rasantem Tempo vom Treibriemen zu einem Problem der globalen Wirtschaft zu wandeln. Und das ausgerechnet zu einer Zeit, in der die deutsche Exportwirtschaft stärker als je zuvor auf diese Region setzt.

wed/rtr/dpa-afx
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