Wirtschaftswachstum Bundesbank streicht Prognose zusammen

Deutschland steuert nach Einschätzung der Bundesbank auf eine Durststrecke in diesem Winter zu. Zu stark wirke der Abwärtssog der Euro-Krise, als dass sich die hiesige Wirtschaft davon abkoppeln können. Erst im Laufe des kommenden Jahres werde es wieder besser - auch auf dem Arbeitsmarkt.
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Frankfurt am Main - Die deutsche Wirtschaft wird nach Einschätzung der Bundesbank durch die Schuldenkrise der Euro-Zone kräftig ausgebremst. Die starke Verunsicherung der Anleger an den Finanzmärkten und die zu erwartende Abkühlung der Weltwirtschaft werde "die deutsche Konjunktur belasten", hieß es in dem Monatsbericht der Deutschen Bundesbank. Vor allem der zu erwartende Einbruch der Nachfrage aus hoch verschuldeten Ländern der Euro-Zone dürfte auf die deutsche Wirtschaft durchschlagen; sie zählen zu den wichtigsten Handelspartnern deutscher Unternehmen.

Bereits für das laufende Jahr rechnet die Bundesbank mit einem negativen Impuls durch die Schuldenkrise. Laut der jüngsten Prognose erwarten die Währungshüter für 2011 noch ein Wachstum von 3,0 Prozent, nach 3,6 Prozent im vergangenen Jahr; zuletzt hatte nur die hiesige Industrie nach drei Abwärtsmonaten in Folge wieder mehr Aufträge an Land ziehen können. Im kommenden Jahr dürfte die Schuldenkrise dann vollständig auf die konjunkturelle Entwicklung durchschlagen. Die Bundesbank erwartet für 2012 nur noch ein Wirtschaftswachstum von 0,6 Prozent.

Im Sog der Euro-Krise wird der Aufschwung am Arbeitsmarkt im kommenden Jahr nach Ansicht der Bundesbank vorerst gestoppt. Sie rechnet in ihrem am Freitag veröffentlichten Konjunkturausblick damit, dass sich die Zahl der Arbeitslosen im Jahresdurchschnitt bei drei Millionen einpendeln und damit auf dem Niveau von 2011 verharren wird. "Erst Ende 2012 dürfte wieder eine leichte Beschäftigungszunahme zu verzeichnen sein", heißt es in dem Bericht.

Nach der Schwächephase im kommenden Jahr dürfte die deutsche Wirtschaft auch nicht so schnell wieder in Schwung kommen. Für 2013 erwarten die Bundesbank-Experten ein vergleichsweise moderates Wirtschaftswachstum von 1,8 Prozent.

Deutliche Entspannung der Verbraucherpreise

Entwarnung geben die Experten der Bundesbank mit Blick auf die weitere Entwicklung der Verbraucherpreise. Im laufenden Jahr dürfte sich die Lebenshaltung den Angaben zufolge noch um 2,5 Prozent zum Vorjahr verteuern. Für die beiden Folgejahre ist aber mit einer deutlichen Entspannung der Verbraucherpreise zu rechnen. Die Bundesbank rechnet 2012 nur noch mit einer durchschnittlichen Inflation von 1,8 Prozent. Für das Jahr 2013 erwarten die Experten dann eine weitere Entspannung und gehen von einer Inflationsrate von 1,5 Prozent aus.

In der größten Volkswirtschaft der Euro-Zone dürfte die Teuerung demnach schnell unter die von der Europäische Zentralbank (EZB) als Preisstabilität anvisierte Inflationsrate bei knapp unter 2 Prozent sinken. Die Bundesbank sieht jedoch auch Gefahren für ihre Prognose: Die Unsicherheit über die zukünftige wirtschaftliche Entwicklung sei derzeit außergewöhnlich groß. Sollte die Schuldenkrise in "naher Zukunft" gelöste werden, kann die deutsche Wirtschaft stärker als bislang erwartet wachsen. "Stärker sind allerdings die Abwärtsrisiken zu gewichten, die sich aus der Staatsschuldenkrise ergeben", hieß es weiter in dem Monatsbericht

kst/apd/dpa-afx
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