Deutscher Rekord Exporteure knacken Billionen-Marke

Es wird ein markanter Rekord: Im laufenden Jahr sollen Deutschlands Exporteure erstmals Waren und Dienstleistungen im Wert von mehr als einer Billionen Euro ausführen. 2012 könnte es nach Verbandsangaben sogar noch besser laufen - sofern die Schuldenkrise nicht die Konjunktur abwürge.
Hohe Ausfuhren: Deutsche Wirtschaft profitiert auch von der anziehenden Nachfrage aus den ehemaligen Schwellenländern

Hohe Ausfuhren: Deutsche Wirtschaft profitiert auch von der anziehenden Nachfrage aus den ehemaligen Schwellenländern

Foto: dapd

Frankfurt am Main - "Stürmische Zeiten an den Finanzmärkten gehen derzeit mit bemerkenswert stabilen Fahrwassern bei der Realwirtschaft einher", stellte Anton Börner heute fest, und der Präsident des deutschen Groß- und Einzelhandelsverbands (BGA) präsentierte dann auch eine aufsehenerregende Rechnung.

Deutschlands Exporteure hätten noch für dieses Jahr fest die Eine-Billion-Euro-Umsatzmarke im Visier, die sie mit 1075 Milliarden Euro erstmals knacken wollen. Die Importe dürften im laufenden Jahr um 14 Prozent zulegen, was einen Außenhandelsüberschuss von 156 Milliarden Euro ergebe. Deutschland werde damit trotz des zunehmenden Wettbewerbs seinen Anteil am Welthandel von derzeit 9,5 Prozent erneut leicht ausbauen. Börner sprach dann auch von einem "Boomjahr" für die deutsche Exportwirtschaft. In den vergangenen Monaten drohte der deutsche Außenhandel allerdings bereits, Bremsspuren aufzuweisen.

So signalisieren jüngste Konjunkturindikatoren dann auch, dass vor allem die deutsche Industrie das hohe Auftragsniveau der ersten Jahreshälfte 2011 nicht halten kann, auch wenn der Abschwung nach jüngsten Konjunkturtests nicht ungebremst verläuft. Zuletzt waren viele hiesige Unternehmen wieder zuversichtlich, dass ihre Geschäfte in den kommenden sechs Monaten wieder besser als derzeit laufen könnten. Die deutsche Exportwirtschaft werde laut BGA im Jahr 2012 deshalb weiter zulegen - aber mit halbierter Geschwindigkeit. 2012 rechnet Börner unter dem Strich mit Ausfuhren aus Deutschland im Gesamtwert von 1,139 Billionen Euro, was einem Plus von rund 6 Prozent gegenüber diesem Jahr entspräche. Bei den Importen erwartet der BGA im kommenden Jahr eine Steigerung um 7 Prozent auf 983 Milliarden Euro.

Verantwortlich für die weiter steigende Nachfrage nach Produkten aus Deutschland seien nicht zuletzt die Schwellenländer. Sie seien von Europas Schuldenkrise kaum belastet und investierten weiter kräftig in Zukunftstechnologien "Made in Germany", erwartet Börner. Optimistisch seien vor allem die Exporteure von Investitionsgütern. Die "globalen Megatrends" sind intakt, gibt sich der BGA deshalb optimistisch.

"Wenn jedoch die Staatsfinanzen in den europäischen Ländern entgleiten sollten, wären sämtliche Erwartungen Makulatur", warnte der BGA-Präsident weiter. Die deutsche Wirtschaft habe kräftig von der Währungsunion profitiert. Dennoch dürfe sich Deutschland nicht auf jeden politischen Kuhhandel einlassen, nur um die Gemeinschaftswährung zu retten. "Wir kämpfen für den Euro, weil sein Scheitern einen hohen ökonomischen Preis kosten würde und unkalkulierbare politische Folgen hätte", mahnte Börner. Letztlich würde Europa "marginalisiert".

kst/afp/apd/dpa-afx
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