Sommerschwung Binnennachfrage schiebt Deutschland an

Kleiner Lichtblick im Abschwung: Die deutsche Wirtschaft ist im Sommer trotz der europäischen Schuldenkrise gewachsen. Dafür sorgten vor allem die spendablen Verbraucher, aber auch die Unternehmen mit ihren Investitionen. Der Außenhandel dagegen trug kaum zu dem Plus bei. 
Kauflust: Trotz stagnierender Einkommen steigen die Konsumausgaben

Kauflust: Trotz stagnierender Einkommen steigen die Konsumausgaben

Foto: ddp

Wiesbaden - Die deutsche Wirtschaft hat sich im dritten Quartal erwartungsgemäß gut entwickelt, in den kommenden Monaten droht aber eine Schwächephase. Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) sei von Juli bis September um 0,5 Prozent zum Vorquartal gestiegen, teilte das Statistische Bundesamt am Dienstag in Wiesbaden auf Basis vorläufiger Zahlen mit. Das Wachstum im zweiten Quartal wurde von zunächst angegebenen 0,1 Prozent auf 0,3 Prozent nach oben korrigiert. Im Jahresvergleich lag das Wachstum im dritten Quartal bei 2,5 Prozent, nach 3,0 Prozent im Vorquartal.

Positive Wachstumsimpulse kamen laut Bundesamt vor allem aus dem Inland. "Dazu trugen insbesondere die gestiegenen privaten Konsumausgaben bei", sagte ein Statistiker. Zuletzt hatte die Gesellschaft für Konsumforschung (GfK) die Kauffreude der Bundesbürger auf deren größeren Finanzspielraum infolge sinkender Arbeitslosigkeit zurückgeführt.

Für Schwung sorgten im Sommer auch die Unternehmen, die wieder mehr in Maschinen, Fahrzeuge und andere Ausrüstungen investierten. Die Bauausgaben gingen dagegen nach dem starken Jahresbeginn etwas zurück. Da Exporte und Importe etwa gleich stark zulegten, hatte der Außenhandel "kaum messbare Auswirkungen auf das Wirtschaftswachstum im dritten Quartal". Detaillierte Ergebnisse wird das Bundesamt am 24. November veröffentlichen.

"Zu Konjunkturoptimismus besteht indes kein Anlass, denn die Industrie hat vor allem vom Auftragspolster der vorangegangenen Monate gezehrt", sagte Ferdinand Fichtner, Konjunkturchef des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW).

Das robuste Wachstum im dritten Quartal ist laut Commerzbank  auch auf einen Sonderfaktor zurückzuführen. "Viele deutsche Automobilbauer haben im Sommer anders als üblich durcharbeiten lassen", sagt Commerzbank-Chefvolkswirt Jörg Krämer. Deshalb sei die Autoproduktion ungewöhnlich kräftig um 8 Prozent gewachsen. "Das hat das Wachstum im dritten Quartal um 0,2 bis 0,3 Prozentpunkte erhöht." Entsprechend geringer dürfte das Wachstum im Schlussquartal ausfallen. Krämer rechnet mit einer Stagnation, möglicherweise sogar mit einer leichten Schrumpfung. Allerdings verbucht die deutsche Autoindustrie auch weiterhin hohe Orders und erzielt immer neue Verkaufserfolge.

Europa stagniert, niederländische Wirtschaft schrumpft

Andere Bereiche der exportabhängigen deutschen Industrie spüren dagegen bereits die Folgen der europäischen Schuldenkrise und der weltweiten Konjunkturabkühlung: Sie erhielt zuletzt deutlich weniger Aufträge aus der Währungsunion, in die etwa 40 Prozent ihrer Ausfuhren gehen. Auch in Übersee lässt das Wachstum nach.

Im Vergleich zu vielen anderen Euro-Ländern steht Deutschland damit recht gut da. Das BIP in der Währungsunion legte von Juli bis September um 0,2 Prozent zum Vorquartal zu, wie das Statistikamt Eurostat am Dienstag in einer ersten Schätzung mitteilte. Stärker als die deutsche wuchs nur die estnische Wirtschaft mit plus 0,8 Prozent. Spaniens Wirtschaft stagnierte im Sommer, während die in Portugal um 0,4 Prozent und die in Zypern sogar um 0,7 Prozent schrumpfte. Überraschend ging auch die niederländische Wirtschaftsleistung um 0,3 Prozent zurück. Zahlen für Italien und Griechenland liegen noch nicht vor, beide Länder wollen mit neuen Regierungen aus der Krisen kommen.

Frankreichs Wirtschaft dagegen ist im dritten Quartal wieder gewachsen. Auf Quartalssicht legte die Wirtschaftsleistung vorläufigen Daten zufolge um 0,4 Prozent zu, wie das Statistikamt Insee am Dienstag mitteilte. Im Jahresvergleich wuchs die französische Wirtschaft im dritten Quartal wie im Vorquartal um 1,6 Prozent. Die Entwicklung im zweiten Quartal fiel indes noch etwas schlechter aus, als zuvor angegeben: Statt Stagnation gaben die Statistiker nun ein Minus von 0,1 Prozent zum Vorqurtal an.

ak/dpa-afx/rtr
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