Euro-Zone OECD befürchtet kräftigen Abschwung

Euphorisch haben Anleger auf die Beschlüsse des EU-Gipfels reagiert. Ein Blick auf aktuelle Konjunkturdaten aus der Euro-Zone zeigt, dass die Beschlüsse rasch in die Tag umgesetzt werden müssen: Die Inflationsrate bleibt hoch, während die Arbeitslosenquote und die Konjunkturrisiken steigen.
Euro-Münzen: Die Inflation im Euro-Raum verharrt bei 3 Prozent, Analysten hatten mit einem Rückgang gerechnet

Euro-Münzen: Die Inflation im Euro-Raum verharrt bei 3 Prozent, Analysten hatten mit einem Rückgang gerechnet

Foto: ? Kacper Pempel / Reuters/ REUTERS

Brüssel - Die jährliche Inflationsrate in der Euro-Zone verharrte im Oktober bei 3 Prozent, teilte das Statistikamt Eurostat mit. Eine stärkere Teuerung gab es zuletzt vor drei Jahren. Analysten hatten allerdings mit einem Rückgang auf 2,9 Prozent gerechnet.

Die hartnäckig hohe Teuerung dämpft Spekulationen über eine rasche Zinssenkung durch die Europäische Zentralbank (EZB). Diese sieht stabile Preise nur bei Teuerungsraten von knapp unter 2 Prozent gewährleistet. Die EZB entscheidet an diesem Donnerstag erstmals unter ihrem neuen Präsidenten Mario Draghi über die Geldpolitik.

Das Institut hatte seinen Leitzins wegen wachsender Inflationsrisiken in diesem Jahr zweimal angehoben - von 1 auf aktuell 1,5 Prozent. Wegen der drohenden Rezession rechnen viele Experten damit, dass die Währungshüter die Zinsen spätestens Anfang 2012 senken werden, um mit billigerem Geld die Konjunktur anzukurbeln.

Mehr Arbeitslose im September

Für eine Zinssenkung spricht auch die hohe Arbeitslosigkeit. Die Arbeitslosenquote im Währungsraum stieg im September auf 10,2 Prozent, nachdem sie im August noch 10,1 Prozent betragen hatte.

Eurostat schätzt die Zahl der Erwerbslosen im Euro-Raum auf derzeit rund 16,2 Millionen Menschen. Das sind 188.000 mehr als im Vormonat. Im Jahresvergleich stieg die Arbeitslosigkeit um 329.000.

Die niedrigste Arbeitslosigkeit im Euro-Raum melden Österreich (3,9 Prozent) und die Niederlande (4,5 Prozent). Am höchsten liegt die Quote in Spanien (22,6 Prozent), Griechenland (17,6 Prozent) und Lettland (16,1 Prozent). Deutschland weist mit 5,9 Prozent die viertniedrigste Quote auf.

Pessimistischer Ausblick der OECD

Angesichts der weiter negativen Konjunkturdaten erwartet die OECD für die 17 Euro-Länder im nächsten Jahr einen kräftigen Abschwung. Die Industriestaatengruppe prognostiziert dem Währungsraum insgesamt nur ein Miniwachstum von 0,3 Prozent und senkte seine Prognose von bisher 2 Prozent damit fast auf ein Zehntel.

In einigen Ländern werde die Wirtschaftskraft sogar sinken, teilte die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) kurz vor dem G20-Gipfel der führenden Industrie- und Schwellenländer mit. Für die USA sagt die OECD im nächsten Jahr ein Anziehen der Konjunktur um 1,8 Prozent voraus, bisher lag die Prognose noch bei 3,1 Prozent.

Die OECD warnt vor einer deutlichen Eintrübung des globalen Ausblicks, falls die Politik die Folgen der Schuldenkrise für die Finanzmärkte nicht stoppe. "Eine Verschlechterung des finanziellen Umfelds in der Größenordnung wie in der globalen Krise (2007-09) könnte dazu führen, dass das Niveau des Bruttoinlandsproduktes in einigen größeren OECD-Ländern bis zur ersten Jahreshälfte 2013 um bis zu 5 Prozent sinken könnte."

Die Unsicherheiten hätten in den jüngsten Monaten dramatisch zugenommen - mit Griechenland am Rande der Staatspleite, die Europas Banken und andere hoch verschuldete Euro-Länder mit nach unten reißen könnte. Allerdings könnte das Wachstum auch besser laufen, wenn Beschlüsse vom EU-Gipfel vorige Woche effektiv umgesetzt würden, räumte die OECD ein. Die Euro-Länder wollen Griechenland mit weiteren Milliarden vor der Pleite retten und vereinbarten unter anderem einen Schuldenschnitt um 50 Prozent.

mg/rtr/dpa-afx
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