Trübe Aussichten Bundesregierung senkt Wachstumsprognose

Die Bundesregierung rechnet wegen der weltweiten Konjunkturabkühlung und der Schuldenkrise im kommenden Jahr mit einem deutlich nachlassenden Wirtschaftswachstum. Vor allem der Export wird sich laut Wirtschaftsminister Rösler abschwächen, gute Aussichten gibt es dagegen für Arbeitnehmer.
Mitarbeiter auf der Baustelle: Die Arbeitslosenquote wird im kommenden Jahr voraussichtlich weiter sinken

Mitarbeiter auf der Baustelle: Die Arbeitslosenquote wird im kommenden Jahr voraussichtlich weiter sinken

Foto: Maurizio Gambarini/ picture alliance / dpa

Berlin - Für das kommende Jahr werde statt bisher 1,8 Prozent nur noch ein Wachstum von 1 Prozent prognostiziert, teilte Bundeswirtschaftsminister Philipp Rösler (FDP) bei der Vorlage der Herbstprognose mit. Damit ist die Bundesregierung etwas optimistischer als die führenden Wirtschaftsforschungsinstitute, die in ihrem Herbstgutachten von einem Wachstum in Höhe von 0,8 Prozent ausgehen. Für dieses Jahr erhöhte die Regierung ihre Prognose von 2,6 auf 2,9 Prozent.

Auch wenn sich das Expansionstempo wie erwartet verlangsamt habe, bleibe Deutschland "Stabilitätsanker und Wachstumsmotor für Europa", sagte Rösler. Tragender Pfeiler der Entwicklung in Deutschland werde zusehends die Binnennachfrage. Beim Export rechnet die Regierung für 2012 dagegen nur noch mit einem Anstieg um 3,5 Prozent nach voraussichtlich 7,5 Prozent in diesem Jahr.

Grund für den "etwas ruhigeren Wachstumspfad" seien deutlich höhere Risiken aus dem internationalen Umfeld. Mit der zunehmenden Verunsicherung durch die Schuldenkrise im Euro-Raum habe sich auch das Wachstumstempo der Weltwirtschaft merklich abgekühlt. Eine Rezession befürchtet Wirtschaftsminister Philipp Rösler in 2012 aber nicht. "Auch 1 Prozent Wachstum ist natürlich Wachstum." Von einer Rezession könne daher keine Rede sein.

Arbeitslosenquote sinkt, Einkommen steigt

Vom Arbeitsmarkt kämen weiter positive Signale. Die Arbeitslosenquote werde in diesem Jahr bei 7 Prozent und im kommenden Jahr bei 6,7 Prozent liegen. Im Durchschnitt werde die Arbeitslosenzahl unter drei Millionen bleiben. Die Zahl der Erwerbstätigen werde in beiden Jahren zunehmen.

Der Aufschwung kommt nach Schätzung der Regierung in Form von Lohnerhöhungen auch bei den Bürgern an. Das verfügbare Einkommen der privaten Haushalte dürfte in diesem Jahr um 3,2 Prozent und im kommenden Jahr um 2,9 Prozent zunehmen. Die Inflation werde mit 2,3 Prozent in 2011 zwar relativ hoch bleiben, aber 2012 auf 1,8 Prozent sinken.

Rösler betonte, es gelte, die Weichen "für einen langfristigen Weg nach oben" zu stellen. "Dazu gehört eine wachstumsfreundliche Haushaltskonsolidierung genauso wie glaubwürdige Schritte, um das Vertrauen in die Stabilität der gemeinsamen europäischen Währung zu stärken." Ein stabiles Europa sei für den Wohlstand in Deutschland unverzichtbar.

mg/dpa/rtr
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