Sonntag, 26. Mai 2019

DIHK-Prognose 2012 Unternehmen wappnen sich für Abschwung

Container im Hamburger Hafen: Die Aussichten auf boomende Exporte verdüstern sich

Weniger Export, weniger Investitionen, weniger Neueinstellungen: Die deutschen Unternehmen bereiten sich auf den Abschwung vor. Für 2012 rechnet der DIHK mit deutlich geringerem Wirtschaftswachstum.

Berlin - Deutschlands Firmen sind durch die Staatsschuldenkrise und die Entwicklungen an den Finanzmärkten deutlich verunsichert. Das geht aus einer Umfrage des Deutschen Industrie- und Handelskammertags (DIHK) unter mehr als 28.000 Firmen hervor. Sie befürchten Eintrübungen bei der Kauflaune und vor allem bei der Investitionsbereitschaft im In- und Ausland.

Für 2012 geht der DIHK daher nur noch von einem Wachstum von 1 Prozent aus. Damit ist der Verband etwas optimistischer als die führenden Forschungsinstitute in ihrem Herbstgutachten (0,8 Prozent). Die Bundesregierung veröffentlicht am Donnerstag ihre Prognose für 2012, erwartet werden hier ähnliche Zahlen wie vom DIHK.

Für das laufende Jahr senkte der DIHK seine Wachstumsprognose von 3,5 auf 3 Prozent. Im Jahr 2010 lag das Wachstum nach der weltweiten Wirtschaftskrise noch bei 3,7 Prozent.

Nach zwei hervorragenden Jahren entspreche dies dem normalen Konjunkturmuster, betonte DIHK-Hauptgeschäftsführer Martin Wansleben. Noch zeigten sich Firmen aus der Binnenwirtschaft zufrieden, während sich in der Industrie - etwa in der Chemie - erste Bremsspuren zeigten. Die Geschäftserwartungen trübten sich insgesamt ein, doch behalten laut Umfrage die Optimisten noch die Oberhand.

"Weltkonjunktur hat Höhepunkt überschritten"

Die Aussichten auf boomende Exporte verdüsterten sich ebenfalls. "Die Weltkonjunktur hat ihren Höhepunkt überschritten", sagte Wansleben. "Trotz des verlangsamten Ausfuhrtempos besteht aber kein Anlass für einen Abgesang auf die Exportwirtschaft." Die heimischen Betriebe seien nicht von einzelnen Märkten abhängig, in den Schwellenländern seien die Wachstumskräfte noch immer intakt und stützten die Exporte. Dazu gehörten Asien, Lateinamerika, Teile Osteuropas und die Türkei.

Die einsetzende Abkühlung mache die Unternehmen vorsichtiger bei ihren Expansionsplänen. "Die hohe Investitionsdynamik lässt nach", heißt es in der Umfrage. Während binnenmarktorientierte Dienstleister und der Handel eher an ihren Plänen festhielten, schraube die exportlastige Industrie ihre Investitionen stärker zurück.

Unter dem Strich wollen die Unternehmen ihr Personal aber weiter aufstocken. Der Beschäftigungsaufbau verlangsame sich aber. Gleichzeitig nähmen die Probleme der Betriebe zu, geeignete Fachkräfte zu finden. Die Zahl der Arbeitslosen geht der DIHK-Prognose zufolge im kommenden Jahr weiter um rund 150.000 auf 2,8 Millionen zurück.

Die Finanzierungssituation der Unternehmen habe sich trotz der jüngsten Turbulenzen nicht verschlechtert. Allerdings spürten die Firmen bereits die Auswirkungen der neuen Eigenkapitalregeln für Banken (Basel III), erklärte Wansleben. Diese verschärften Regeln könnten letztlich dazu führen, dass die Banken ihre Kreditvergabe einschränkten und so die Unternehmensfinanzierung erschwerten.

mg/dpa-afx/rtr

© manager magazin 2011
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung