Samstag, 18. Januar 2020

EZB Leitzins im Euro-Raum bleibt unverändert

Es bleibt dabei: Bei 1,5 Prozent liegen die Leitzinsen auch weiterhin, so die EZB unter Federführung von Präsident Jean-Claude Trichet

Der Leitzins für den Euroraum bleibt unverändert bei 1,5 Prozent. Das teilte die Europäische Zentralbank am Donnerstag nach einer Sitzung des EZB-Rates mit. Auch die Bank of England änderte ihren Leitzins nicht.

Die Europäische Zentralbank (EZB) lässt den Leitzins für die Euro-Zone vorerst bei seinem aktuellen Wert von 1,5 Prozent. Darauf einigte sich der EZB-Rat bei seiner Sitzung am Donnerstag in Berlin, wie die EZB mitteilte. Die Währungshüter widersetzten sich damit verschiedenen Forderungen nach einer Absenkung des Leitzinses.

Auch die britische Notenbank (BoE) beließ ihren Leitzins unverändert bei 0,5 Prozent. Statt dessen versucht der Wirtschaft mit milliardenschweren Konjunkturspritzen auf die Beine zu helfen. Wie die Bank von England am Donnerstag in London nach einer Sitzung ihres geldpolitischen Komitees mitteilte, will sie ab 10. Oktober ihre Staatsanleihenkäufe um 75 Milliarden Pfund ausweiten.

Die Lage in der Euro-Zone gilt derzeit als verzwickt: Einerseits steigt die Inflation in der Währungsunion weiter, zuletzt im September auf drei Prozent, was normalerweise eine Zinserhöhung rechtfertigen könnte. Andererseits mehren sich die Zeichen, dass das Wirtschaftswachstum in der Währungsunion abebbt, was in der Regel für eine Zinssenkung spricht. EZB-Präsident Jean-Claude Trichet wird am frühen Nachmittag Details zu der Entscheidung bekannt geben.

Das von zahlreichen Ökonomen geforderte Abschiedsgeschenk, die jüngsten Zinserhöhungen von 1,0 auf nun 1,5 Prozent zurückzunehmen, blieb damit aus. Bei einer Inflation von 3,0 Prozent hätte das wohl auch die Glaubwürdigkeit der Währungshüter untergraben, deren oberstes Ziel stabile Preise sind - zumal sie die Zügel erst im Juli angezogen hatten, wie Commerzbank-Ökonom Michael Schubert betont.

Allerdings dürfte die Notenbank weiter massiv am Anleihenmarkt Papiere klammer Staaten aufkaufen, um die Zinslast der Schuldensünder zu senken. Zudem wird sie die Geschäftsbanken weiter unbegrenzt mit billigem Geld ausstatten, um ein Austrocknen des Kreditmarktes zu verhindern.

Vor allem die unerwartet hohe Inflation im September dürfte die Notenbank dazu bewegt haben, den wichtigsten Zins zur Versorgung der Geschäftsbanken im Euro-Raum mit Zentralbankgeld nicht wieder zu senken. Denn die Teuerung liegt auf dem höchsten Stand seit drei Jahren und weit über dem Zielwert der Währungshüter. Die EZB sieht Preisstabilität bei eine Jahresteuerung knapp unter 2 Prozent gewahrt. "Wir haben nur eine Nadel im Kompass. Wir müssen Preisstabilität garantieren", sagte Trichet im Laufe seiner achtjährigen Amtszeit immer wieder.

"Die jüngsten Zahlen zur Inflationsentwicklung dürften den Befürwortern einer Rücknahme der vorangegangenen Zinserhöhungen durch die EZB den Wind aus den Segeln nehmen", hatte Postbank-Volkswirt Marco Bargel deshalb prophezeit. Niedrige Zinsen verbilligen Kredite. Das erhöht die Investitionsneigung von Unternehmen und die Konsumfreude der Verbraucher - und kurbelt so die Konjunktur an. Damit befeuern niedrige Zinsen aber gleichzeitig die Inflation.

Trotz der Zinspause bleibt die Notenbank im Krisenmodus. Es gilt als sicher, dass sich die Währungshüter die Option offenhalten, weitere Staatsanleihen klammer Euro-Länder zu kaufen. Aktuell hat die EZB Anleihen im Wert von 160,5 Milliarden Euro in den Büchern.

Zudem wird sie den Geschäftsbanken weiter unbegrenzt billiges Geld zur Verfügung stellen. Denn angesichts der Milliarden-Engagements der Geschäftsbanken in Staatspapieren europäischer Krisenländer wächst das Misstrauen der Banken untereinander. Das zeigen die großen Summen, die die Finanzinstitute derzeit bei der EZB hinterlegen, anstatt das Geld für höhere Zinsen an eine andere Bank zu leihen.

Erst am Dienstag hatte auch Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) vor einer europäischen Bankenkrise gewarnt. Die große Sorge sei, dass die "beunruhigenden Entwicklungen an den Finanzmärkten in einer Bankenkrise eskalieren" würden. Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) sagte zu, eine drohende Banken-Krise in Europa notfalls rasch mit neuen Finanzspritzen zu bekämpfen.

"Auf der Ratssitzung am Donnerstag dürfte die Notenbank daher den 1-Jahres-Tender wieder einführen", sagte Michael Schubert von der Commerzbank voraus. Die Ratsmitglieder seien übereinstimmend besorgt über die angespannte Liquiditätslage der Banken.

Mit der ungewöhnlich langen Laufzeit soll die Kreditvergabe bei den Geschäftsbanken stimuliert werden. Die längere Laufzeit erhöht die mittelfristige Refinanzierungssicherheit der Banken und zerstreut ihre Sorgen, sich über den kurzfristigen Horizont hinaus keine Liquidität beschaffen zu können.

Nach dem Lehman-Schock hatte die EZB im Krisenjahr 2009 bereits drei derartige Einjahresgeschäfte angeboten. Seinerzeit war die Nachfrage enorm: Allein beim ersten Tender liehen sich im Juni 2009 mehr als 1100 Institute 442 Milliarden Euro bei der EZB aus.

got/afp/dpa/rtr

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