Wegen Staatsverschuldung IMK-Forscher stampfen Konjunkturprognose für 2012 ein

Deutliches Wachstum im laufenden Jahr, Miniwachstum im kommenden: Die Wirtschaftsforscher der Hans-Böckler-Stiftung rechnen damit, dass die deutsche Wirtschaft nach dem aktuellen Galopp hart ausgebremst wird. Zu stark wirke die Schuldenkrise der Euro-Staaten.
Schlechte Aussichten für das Jahr 2012: Deutschland nach Forschermeinung nahe an Stagnation

Schlechte Aussichten für das Jahr 2012: Deutschland nach Forschermeinung nahe an Stagnation

Foto: dapd

Düsseldorf - Ende einer guten Phase: Nach Meinung des IMK-Wirtschaftsforschungsinstituts wird die deutsche Wirtschaft nicht weiter von einer schwungvollen Welle getragen. Die Konjunkurforscher dampften ihre Wachstumsprognose insbesondere für das kommende Jahr am Mittwoch kräftig ein. Damit liegen die Düsseldorfer auf einer Linie mit den Managern vieler Industriebetriebe, die trotz der aktuell noch soliden Lage vorsorglich erste Krisenstäbe einrichten.

Während die Düsseldorfer für dieses Jahr weiterhin noch ein schwungvolles Wachstum der deutschen Wirtschaft in Höhe von nunmehr 3,2 (bisher 4,0) Prozent erwarten, bliebe davon im Jahr 2012 kaum noch etwas übrig. Die Forscher des Instituts für Makroökonomie und Konjunkturforschung (IMK) sagen für das kommende Jahr nur noch ein Miniwachstum von 0,7 (bisher 2,3) Prozent voraus. "Die Konjunktur fällt abrupt vom Galopp in den Krebsgang", sagte IMK-Chef Gustav Horn am Mittwoch. "Zum zweiten Mal innerhalb von nicht einmal vier Jahren stellen die Finanzmärkte der Konjunktur ein Bein."

Die deutsche Wirtschaft sei in einen Abwärtssog geraten. Grund dafür seien vor allem die Schuldenkrise im Euro-Raum, die aktuell stagnieren Wirtschaft der USA und eine leichte konjunkturelle Beruhigung in Asien; China beispielsweise rechnet nach dem aktuell schäumenden Boom mit einer leichten Wirtschaftsabschwächung. Zuvor hatten bereits zahlreiche andere Wirtschaftsforschungsinstitute die Bundesbürger davor gewarnt, dass die Euro-Krise Schritt für Schritt auch Deutschland ausbremse.

Trotz der erwarteten Flaute verbessert sich die Lage nach Meinung der IMK-Forscher für Deutschlands Jobsucher auch im kommenden Jahr. Nach 2,98 Millionen Arbeitslosen im Jahresschnitt 2011 rechnen die Forscher für 2012 mit einem Rückgang auf 2,87 Millionen; zuletzt war in der Bundesrepublik eine Arbeitslosenquote von 6,6 Prozent ermittelt worden, die einer Jobsucherzahl von 2,796 Millionen entspricht.

Deutschland profitiert von besserer Jobsucherlage

Der Versicherungskonzern Allianz  ist derweil speziell wegen der verbesserten Arbeitsmarktlage etwas zuversichtlicher für Deutschlands Wirtschaftsentwicklung im kommenden Jahr als die IMK-Forscher. Chefvolkswirt Michael Heise sagte am Mittwoch ein Plus von 1,5 Prozent in 2012 voraus. "Hierfür spricht vor allem die weiterhin günstige Entwicklung am Arbeitsmarkt", sagte Heise.

Die bessere Beschäftigungssituation und das Anziehen der Bruttolöhne sorgen nach IMK-Meinung auch aktuell dafür, dass der Aufschwung auch bei den Arbeitnehmern ankommt. Die real verfügbaren Einkommen werden nach IMK-Ansicht in diesem Jahr um ein Prozent zulegen und im nächsten Jahr um 0,7 Prozent.

Damit wird die höhere Lohnbelastung die deutsche Wirtschaft aber auch in einer harten Abschwungphase treffen. Nicht wenige Wirtschaftsforscher fürchten deshalb im kommenden Jahr mit einem Ende der starken Einstellungswelle. Zudem läuft nach Meinung der Forscher des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) im kommenden Jahr der Arbeitslosigkeit senkende Impuls aus, den die Harz-Reformen gebracht hätten.

Das IMK rechnet damit, dass Europas Zentralbanker Anfang kommenden Jahres ihren Leitzins wieder von derzeit 1,50 Prozent auf dann auf 1,0 senken wird. Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) empfehlen die Forscher, mit Konjunkturprogrammen die Wirtschaft zu stützen - allerdings ohne die gesetzlich verankerte deutsche Schuldenbremse ausgehebelt werde.

kst/dpa/rtr
Mehr lesen über Verwandte Artikel
Die Wiedergabe wurde unterbrochen.