Euro-Land 15,74 Millionen Menschen ohne Arbeit

Die Arbeitslosenquote im Euro-Raum stagniert bei 10 Prozent. Deutschland weist mit 6 Prozent zwar die viertniedrigste Quote auf. Die Forscher des IAB geben aber zu bedenken, dass Erwartungen und Einschätzung der aktuellen Lage "ungewohnt weit auseinanderklaffen".
Demonstranten in Spanien: Die Arbeitslosigkeit im Land liegt bei 21,2 Pozent

Demonstranten in Spanien: Die Arbeitslosigkeit im Land liegt bei 21,2 Pozent

Foto: epa efe Garriga/ picture-alliance/ dpa

Luxemburg/Nürnberg - Im Euro-Raum hat die Arbeitslosenquote im August abermals stagniert. Die Quote habe wie im Vormonat 10,0 Prozent betragen, teilte die europäische Statistikbehörde Eurostat am Freitag in Luxemburg mit. Vor einem Jahr hatte die Quote bei 10,2 Prozent gelegen.

Eurostat schätzt die Zahl der Erwerbslosen im Euro-Raum auf derzeit rund 15,74 Millionen Menschen. Das sind 38.000 weniger als im Vormonat. Im Jahresvergleich sank die Arbeitslosigkeit um 215.000.

Die niedrigste Arbeitslosigkeit im Euroraum melden Österreich (3,7 Prozent) und die Niederlande (4,4 Prozent). Am höchsten liegt die Quote in Spanien (21,2 Prozent) und Griechenland (16,7 Prozent). Deutschland weist mit 6,0 Prozent die viertniedrigste Quote auf.

Der Arbeitsmarkt der Bundesrepublik geht allerdings unsicheren Zeiten entgegen. Das Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) erklärte am Freitag in seiner Herbstprognose, die weitere Entwicklung hänge entscheidend von der Lösung der Schuldenkrise ab. Gleichwohl würden bei einem unterstellten Wirtschaftswachstum von einem Prozent 2012 im Jahresdurchschnitt 2,92 Millionen Menschen arbeitslos sein, 50.000 weniger als 2011.

Schuld an der Abschwächung des Aufschwungs sei zum einen das ungünstige wirtschaftliche Umfeld, erklärten die Nürnberger Forscher. Zum anderen habe sich der positive Trend der vergangenen Jahre nicht fortgesetzt, als die Hartz-Reformen griffen. Die davon erschlossenen neuen Potenziale seien weitgehend ausgeschöpft.

BIP-Szenarien zwischen minus 0,2 und plus 1,6 Prozent

Die IAB-Forscher gaben zu bedenken, dass zurzeit Zukunftserwartungen und Einschätzung der aktuellen Lage "ungewohnt weit auseinanderklaffen". Deshalb schlossen sie nicht aus, dass das reale Bruttoinlandsprodukt (BIP) im nächsten Jahr 2012 sogar leicht schrumpft. Bei einem Rückgang um 0,2 Prozent würde die Arbeitslosigkeit um 20.000 auf einen Jahresdurchschnitt von 2,99 Millionen steigen.

Auch bei leicht rezessiven Tendenzen sei also mit einer insgesamt robusten Entwicklung zu rechnen, erklären die Arbeitsmarktforscher. Sollten sich die jüngsten Einbrüche der Konjunkturindikatoren und Finanzmärkte als überzogen herausstellen und die europäischen Staaten die Schuldenkrise nachhaltig eindämmen, wäre in einem positiven Szenario auch ein Wachstum der Wirtschaftsleistung um 1,6 Prozent denkbar. Dann würde die Arbeitslosigkeit auf 2,89 Millionen Menschen sinken.

Allein aufgrund der demografischen Entwicklung nimmt auf der anderen Seite das Arbeitskräfteangebot 2012 um fast 250.000 Menschen ab, haben die Forscher ausgerechnet. Zum größten Teil könne der demografische Rückgang aber ausgeglichen werden. Dies liege zum einen an der steigenden Erwerbsbeteiligung von Frauen und Älteren, zum anderen an der Zuwanderung, nicht zuletzt aus den acht mittel- und osteuropäischen EU-Staaten, für die seit Mai 2011 volle Arbeitnehmerfreizügigkeit und Dienstleistungsfreiheit gilt. Unterm Strich sinke das Arbeitskräfteangebot im Jahr 2012 daher nur um 40.000 Personen.

krk/dpa/dapd
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