Ifo-Index Geschäftsklima besser als befürchtet

Der Ifo-Geschäftsklimaindex ist zum dritten Mal in Folge gefallen, allerdings weniger stark als befürchtet. Deutschlands Firmenchefs blicken wegen der Schuldenkrise in Europa pessimistisch in die Zukunft, auch wenn sie von einem Abschwung derzeit noch nichts spüren.
Container im Hamburger Hafen: Deutschlands Manager befürchten eine Abschwächung des Warenhandels, doch von einem Abschwung spüren sie noch nichts

Container im Hamburger Hafen: Deutschlands Manager befürchten eine Abschwächung des Warenhandels, doch von einem Abschwung spüren sie noch nichts

Foto: ? Christian Charisius / Reuters/ REUTERS

München/Berlin - Der Ifo-Geschäftsklimaindex fiel von 108,7 auf 107,5 Punkten, teilte das Münchener Ifo-Institut mit. Volkswirte hatten allerdings mit einem Rückgang auf 106,5 Punkte gerechnet. Der Dax  gewann daraufhin binnen weniger Minuten rund 0,7 Prozent. Zuvor hatte der Leitindex nach einem sehr schwachen Start bereits den Sprung in die Gewinnzone geschafft.

Bereits im Juli und im August hatte das wichtige Stimmungsbarometer angesichts von Schuldenkrise und einem schwächeren Wachstum deutlich nachgegeben. Bei drei Rückgängen in Folge sehen Volkswirte eine Trendwende in der Konjunkturentwicklung.

"Die Erwartungen der Unternehmen hinsichtlich des Geschäftsverlaufs im kommenden halben Jahr haben sich weiterhin beträchtlich eingetrübt. Indes wird die gegenwärtige Geschäftslage als ähnlich gut wie im Vormonat bewertet", konstatierten die Konjunkturforscher. Die weiterhin gute Lage der Unternehmen zeige, dass sich die deutsche Konjunktur bislang von den politischen Turbulenzen habe abkoppeln können.

"Die Lage ist immer noch nahe dem Rekordstand"

Die 7000 befragten Manager schätzten vor allem die Aussichten für die kommenden sechs Monate deutlich schlechter ein. Das Barometer für die Konjunkturerwartungen fiel von 100 auf 98 Punkten. Der Lage-Index sank hingegen nur leicht von 118,1 auf 117,9 Zähler.

Analysten zeigte sich in einer ersten Reaktion positiv überrascht. "Der Ifo-Index ist deutlich weniger gefallen als gedacht", sagte etwa Bernd Weidensteiner von der Commerzbank. Die Lage sei immer noch nahe dem Rekordstand. Und Jörg Lüschow von der WestLB meint: "Die Lage in Deutschland ist nicht so schlecht, wie es die Märkte derzeit widerspiegeln. Insgesamt passt es in das Bild, dass das Wachstum im dritten Quartal noch einmal recht kräftig gewesen sein dürfte.

Viele Experten befürchten allerdings, dass die Wirtschaftsleistung im vierten Quartal im Sog der weltweiten Konjunkturabschwächung erstmals seit dem Krisenjahr 2009 wieder schrumpfen wird. Bundesbank und Bundesfinanzministerium rechnen aber nicht mit einer Rezession. Für das Gesamtjahr erwarten die meisten Institute ein Wachstum von bis zu 3 Prozent, für 2012 aber nur noch etwa 1 Prozent.

mg/rtr/dpa-afx/dapd
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