Teuerung im August Inflation verharrt auf Jahreshoch

Die Inflation in Deutschland verharrte im August auf Jahreshoch. Dabei zogen die Preise für Energie und Molkereiprodukte stark an. Heizöl kostete 22 Prozent und Magarine rund 16 Prozent mehr als vor Jahresfrist. Schrumpften die Konsumausgaben zuletzt, sollen sie nun wieder steigen.
Lebensmittel teurer: Molkereiprodukte wie Butter verteuerten sich im August zwischen 10 und rund 16 Prozent

Lebensmittel teurer: Molkereiprodukte wie Butter verteuerten sich im August zwischen 10 und rund 16 Prozent

Foto: David Ebener/ picture-alliance/ dpa

Berlin - Die Inflation in Deutschland verharrt wegen der weiterhin hohen Energiepreise auf ihrem Jahreshoch. Anders als zunächst ermittelt stiegen die Verbraucherpreise im August auf Jahressicht um 2,4 Prozent, wie das Statistische Bundesamt am Freitag in Wiesbaden berichtete. Ursprünglich hatten die Statistiker eine Jahresteuerung von 2,3 Prozent erwartet. Im Vergleich zum Juli stiegen die Verbraucherpreise nicht. Zunächst hatte das Statistikamt allerdings ein Minus um 0,1 Prozent errechnet.

Die Inflationsrate wurde im August einmal mehr maßgeblich vom Preisanstieg um 9,9 Prozent bei Energie bestimmt. Vor allem Mineralölprodukte wie leichtes Heizöl (+ 22,1 Prozent) und Kraftstoff (+ 11,1 Prozent) verteuerten sich binnen Jahresfrist deutlich. Ohne Berücksichtigung von Energie hätte die jährliche Inflationsrate einen ganzen Prozentpunkt niedriger bei 1,4 Prozent gelegen. Allerdings sanken die Preise an den Zapfsäulen zuletzt. Gegenüber dem Vormonat Juli verbilligte sich Superbenzin im August um 1,9 Prozent, Diesel war 2,1 Prozent günstiger.

Trotz des nachlassenden Preisdrucks infolge des schwächeren Anstiegs der Rohstoffpreise lag die Inflation im August nach Juli und April bereits zum dritten Mal in diesem Jahr auf der Marke von 2,4 Prozent - und zum achten Mal in Folge über dem Zielwert der Europäischen Zentralbank von knapp unter 2 Prozent.

EZB-Präsident Jean-Claude Trichet hatte sich am Vortag gelassen hinsichtlich der weiteren Inflationsrisiken geäußert. Für 2012 sagte er eine Teuerung im Euroraum von 1,7 Prozent voraus - nach erwarteten 2,6 Prozent in diesem Jahr. Die EZB will ihre Zinsen deshalb zunächst nicht weiter erhöhen.

Molkereiprodukte verteuern sich zweistellig

Im deutschen Großhandel hat sich der Preisauftrieb spürbar abgeschwächt. Im August stiegen die Großhandelspreise um 6,5 Prozent zum Vorjahr, wie das Statistische Bundesamt berichtete. In den Vormonaten hatte die Rate über 8 Prozent gelegen, in der Jahresspitze gar bei fast 11 Prozent. Auf Monatssicht stiegen die Preise leicht um 0,1 Prozent.

Über dem Durchschnitt steigen die Verbraucherpreise weiterhin bei Nahrungsmitteln: Die Statistiker ermittelten im Vergleich zum Vorjahr ein Plus von 2,5 Prozent. Erheblich zogen die Preise für Margarine (+ 15,7 Prozent) und Butter (+ 10,0 Prozent) an sowie für andere Molkereiprodukte wie Sahne (+ 12,9 Prozent) oder frische Vollmilch (+ 7,1 Prozent).

Auch für Kaffee (+ 21,8 Prozent) mussten die Verbraucher deutlich tiefer in die Taschen greifen als im August 2010. Hingegen stiegen die Nettokaltmieten, für die die Haushalte gut ein Fünftel ihres Gesamtbudgets ausgeben, nur moderat um 1,2 Prozent. Unter den Dienstleistungen verteuerten sich binnen Jahresfrist vor allem Flüge (+ 15,0 Prozent).

Die steigenden Preise hatten den Deutschen im zweiten Quartal die Kauflaune verdorben. Die privaten Konsumausgaben schrumpften um 0,7 Prozent. Es war der stärkste Rückgang seit Anfang 2007, als die Deutschen wegen der von 16 auf 19 Prozent erhöhten Mehrwertsteuer ihr Geld zusammenhielten.

Der Negativtrend wird dem Bundeswirtschaftsministerium zufolge nicht anhalten. "Die Nachfrage nach Arbeitskräften blieb weiterhin hoch", hieß es seinem Monatsbericht. "Die privaten Konsumausgaben dürften daher im zweiten Halbjahr wieder zum Wachstum beitragen." Im zweiten Quartal hatte vor allem die Konsumflaute das Wachstum fast zum Erliegen gebracht.

rei/dpa/reuters

Mehr lesen über

Verwandte Artikel

Die Wiedergabe wurde unterbrochen.