Weltlokomotive China erwartet Boom nach Turboboom

Die Rekordjagd verliert an Tempo: Wegen der Schuldenkrise in Europa und der schwachen Weltwirtschaft rechnen Chinas staatliche Ökonomen für das kommende Jahr mit einem verlangsamten Wachstum. Das allerdings dürfte dennoch beneidenswert hoch bleiben.
Skyline von Hongkong: Experten rechnen mit schwächstem Wachstum seit 2001

Skyline von Hongkong: Experten rechnen mit schwächstem Wachstum seit 2001

Foto: Alex Hofford/ dpa

Peking - Die sich anbahnende Wirtschaftskrise geht auch am boomenden China offenbar nicht spurlos vorbei. Das Bruttoinlandsprodukt des Landes könne im kommenden Jahr erstmals seit 2001 um weniger als 9 Prozent wachsen, sagte der Chefökonom der staatlichen Devisenaufsicht, Huang Guobo, in Peking. "Unsere Wirtschaft sieht sich trotz ihres starken Wachstums ernsten Herausforderungen gegenüber", sagte der Experte. "Dazu gehört die weltweit nachlassende Nachfrage nach chinesischen Exporten."

2010 hatte das Bruttoinlandsprodukt des Exportweltmeisters noch um 10,3 Prozent zugelegt. Auch Analysten sagen für 2012 eine merkliche Verlangsamung voraus. Die von der Nachrichtenagentur Reuters befragten Experten rechnen im Schnitt mit einem Wachstum von 8,8 Prozent nach 9,3 Prozent in diesem Jahr. Die kommunistische Führung strebt bis 2015 ein durchschnittliches Wachstum von 7 Prozent jährlich an. Die dennoch weltweit unerreichten Pluswerte zeigen aber auch, wie robust und wie stark China trotz aller Gefahren durch die Weltkonjunktur zu kommen glaubt.

Noch im Juli hatten Chinas Exporte mit 22,2 Milliarden Euro ein Rekordniveau erreicht. Der Außenhandel der zweitgrößten Volkswirtschaft der Welt legte nach Angaben der Zollbehörden um 20,4 Prozent zu - nach einem Plus von 17,9 Prozent im Juni.

Sorge bereitet der inzwischen zweitgrößten Wirtschaftsmacht der Welt die Schuldenkrise in Europa. "Das hat das weltweite Vertrauen beschädigt und für Schwankungen an den globalen Märkten gesorgt", sagte Huang. Chinas Wohl und Wehe hängt von den Exporten ab. Europa ist der größte Abnehmer von Waren "made in China".

Die Volksrepublik nutzt ihre Exportüberschüsse, um größere Investitionen im Ausland zu tätigen. Sie stiegen 2010 um 22 Prozent auf 68,8 Milliarden Dollar, teilte das Handelsministerium mit. Knapp sechs Milliarden davon landeten in Europa - doppelt so viel wie im Jahr davor.

dis/rtr
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