Konjunktursorgen Der Rezessions-Schocker

Bislang schien Deutschland immun gegen den globalen Abschwung zu sein. Doch nun ist klar: Auch Deutschland muss sich auf einen Rückgang der Wirtschaftsleistung einstellen. Die Frage ist nur noch, wie schwer und wie lang die Krise wird.
Von Carsten-Patrick Meier
Deutsche Wirtschaft: Eine Rezession im Winterhalbjahr ist wahrscheinlicher geworden

Deutsche Wirtschaft: Eine Rezession im Winterhalbjahr ist wahrscheinlicher geworden

Foto: Frank Rumpenhorst/ picture alliance / dpa

Hamburg - Die aktuelle ifo-Umfrage ist ein Schocker. Um 4.9 Indexpunkte sind die Geschäftserwartungen der Manager für das nächste halbe Jahr gesunken. Das ist der stärkste Rückgang seit Oktober 2008, also direkt nach der Lehman-Pleite und verheißt für die Konjunktur in Deutschland nichts Gutes.

Sieht man sich die Umfragen der vergangenen 50 Jahre an, so ging allen Rezessionen mit einem Vorlauf von wenigen Monaten eine drastische Eintrübung der Geschäftserwartungen der Manager innerhalb eines oder zweier Monate voraus. Einer Verschlechterung der Erwartungen um mehr als 4 Indexpunkte innerhalb eines Monats ist kurz danach stets eine Rezession gefolgt.

Das war im Herbst 2008 so, aber auch im Herbst 2001, im Herbst 1973 und im Herbst 1966. Anfang der 1980er und Anfang der 1990er Jahre ging den Rezessionen sogar eine deutlich weniger ausgeprägte Verschlechterung der Geschäftserwartungen voraus.

Man muss sich wohl darauf einstellen: Eine Rezession, also ein Rückgang des Bruttoinlandsprodukts über mindestens zwei Quartale, ist mit den jüngsten Daten recht wahrscheinlich geworden. Vermutlich wird die gesamtwirtschaftliche Produktion im kommenden Winterhalbjahr rückläufig sein. Dabei spricht aus heutiger Sicht viel dafür, dass es bei einer "technischen Rezession" bleibt, dass also das Bruttoinlandsprodukt zwar abnimmt, aber nur leicht - mit Raten deutlich unter 1 Prozent gegenüber dem Vorquartal.

Allerdings: Aufgrund der ungelösten Staatsschuldenprobleme diesseits und jenseits des Atlantiks sind die Finanzmärkte zur Zeit äußerst nervös. Sollten sich die Probleme an dieser Stelle weiter zuspitzen, was angesichts der Erfahrungen der vergangenen Wochen und Monate keineswegs auszuschließen ist, dann könnten ähnliche systemische Risiken auftauchen, wie beim Fall des Hauses Lehman. Ein ebenso drastischer Produktionseinbruch wie im Winter 2008/2009 wäre dann wohl nicht mehr auszuschließen.

mm-Konjunkturindikator zielt nicht auf vorläufige Schätzungen ab

Wie passt all das zum Höhenflug des manager-magazin-Konjunkturindikators, der gegenwärtig - allerdings noch ohne die Umfragedaten vom August - für das laufende Jahr einen Anstieg des realen Bruttoinlandsprodukts um 4,4 Prozent signalisiert? Sicher ist, dass der Indikator sinken wird, wenn die neuen Daten für die nächste Ausgabe des manager magazins bei der Berechnung berücksichtigt werden. Ob er allerdings deutlich unter die 4 Prozent-Marke fällt, ist zu bezweifeln.

Immerhin liegt mehr als die Hälfte des laufenden Jahres bereits hinter uns und für die jahresdurchschnittliche Zunahme des Bruttoinlandsprodukts ist die zweite Jahreshälfte rein rechnerisch nur noch wenig relevant. Zwar hat das Statistische Bundesamt vergangene Woche für das zweite Quartal 2011 nur einen minimalen Anstieg des realen Bruttoinlandsprodukts vermeldet.

Doch muss berücksichtigt werden, dass es sich dabei um die erste Schätzung handelt. Die Erfahrung zeigt, dass die Daten aller Wahrscheinlichkeit nach noch erheblich revidiert werden.

Gerade in Zeiten konjunktureller Hoch- und Tiefpunkte ist der Revisionsbedarf besonders ausgeprägt. Der mm-Indikator ist so konstruiert, dass er nicht auf die vorläufigen Schätzungen abstellt, sondern auf die "endgültigen" Werte. Er indiziert somit, dass die Daten für das zweite Quartal vermutlich noch nach oben revidiert werden und/oder dass im dritten Quartal einen "Gegenbuchung" durch einen nochmals kräftigen Anstieg des Bruttoinlandsprodukts zu erwarten ist. Danach dürfte es dann zunächst einmal abwärts gehen.

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