Ifo-Index Geschäftsklima in Deutschland kühlt sich stark ab

Die Stimmung unter den deutschen Firmenchefs ist wegen der Schuldenkrise und der Börsenturbulenzen so schlecht wie seit über einem Jahr nicht mehr. Der Ifo-Geschäftsklimaindex sinkt zum zweiten Mal in Folge - und zwar stärker als erwartet.
Wenn die Prognosen des Ifo-Instituts sich erfüllen, könnten sich die Containerlager im Hamburger Hafen bald wieder leeren

Wenn die Prognosen des Ifo-Instituts sich erfüllen, könnten sich die Containerlager im Hamburger Hafen bald wieder leeren

Foto: ? Christian Charisius / Reuters/ REUTERS

München - Die deutschen Firmenchefs rechnen mit einer merklichen Konjunkturabkühlung. Der Ifo-Geschäftsklimaindex fiel im August auf 108,7 von 112,9 Punkten im Vormonat. Das teilte das Münchner Ifo-Institut am Mittwoch mit. Experten hatten lediglich einen Rückgang auf 111,0 Zähler erwartet.

Besonders negativ sind die Erwartungen im Großhandel. Der Einzelhandel blickt etwas zuversichtlicher in die Zukunft. Am deutschen Aktienmarkt sorgte der ifo-Index nur für einen kurzen Rücksetzer. Dank sehr starker Vorgaben aus den USA legte der Dax  am Vormittag zu.

"Die deutsche Wirtschaft kann sich den weltweiten Turbulenzen nicht entziehen", sagte Ifo-Präsident Hans-Werner Sinn. Auch wenn viele der 7000 befragten Manager die aktuelle Geschäftslage noch als gut bewerten, schätzen sie sowohl ihre jetzige Situation als auch die Aussichten für die kommenden sechs Monate schlechter ein als im Juli. Trotzdem sehen die Personalplanungen eine Aufstockung der Mitarbeiterzahlen vor.

Auch die Erwartungen fallen bescheidener aus

Das Barometer für die Konjunkturerwartungen fiel auf 100,1 Punkte von 105,0 Punkten im Vormonat. Hier hatten Analysten einen Wert von 103,0 Zählern vorausgesagt. Der Lage-Index ging auf 118,1 Punkte von 121,4 zurück. Hier wurden 120,0 Punkte vorhergesagt.

Damit mehren sich die Anzeichen für ein schwaches zweites Halbjahr. Am Dienstag waren bereits die ZEW-Konjunkturerwartungen von Börsenprofis auf den tiefsten Stand seit Dezember 2008 abgerutscht. Das Bruttoinlandsprodukt hatte im zweiten Quartal nur noch um 0,1 Prozent zugelegt, nachdem es zu Jahresbeginn noch starke 1,3 Prozent waren.

Die Bundesbank erwartet für die zweite Jahreshälfte eine Konjunkturabkühlung, aber keine Rezession. Für 2011 insgesamt sagt sie ein Plus von drei Prozent voraus nach 3,6 Prozent im Vorjahr.

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reuters/dpa
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