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Milliardenprojekte: Wo Firmen in Deutschland investieren

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Investitionen Die letzte Stütze der Konjunktur

Die Exportmaschine schwächelt, der Konsum auch - bleiben die Investitionen der Unternehmen, um den deutschen Aufschwung weiter zu tragen. Die Budgets für neue Maschinen und Anlagen wachsen im Rekordtempo. Doch auch dieser Trend lässt bereits nach.

Hamburg - "Ich sehe nichts, was auf eine Rezession in Deutschland hindeutet." Mit diesem Basta schob Bundeskanzlerin Angela Merkel im ZDF-Sommerinterview am Sonntag die Debatte um ein Ende des deutschen Aufschwungs beiseite. Doch es gibt tatsächlich einiges zu sehen, was Grund zur Sorge liefert.

Die meisten Frühindikatoren der Konjunktur zeigen seit Monaten nach unten. Der stark wachsende Pessimismus der vom ZEW-Institut befragten Finanzmarktexperten verwundert nach dem jüngsten Börsencrash kaum. Doch auch der Einkaufsmanagerindex, der neben der Stimmung in der Wirtschaft harte Daten wie Produktionspläne und Auftragseingang misst, steuert die Schwelle von 50 Punkten an, die schrumpfende Aktivität markiert. "Wo Rauch ist, ist üblicherweise auch Feuer", meint Unicredit-Chefvolkswirt Andreas Rees.

Schon im zweiten Quartal wuchs die deutsche Wirtschaft kaum noch. Wegen des starken Jahresauftakts erwarten die meisten Volkswirte zwar für 2011 insgesamt eine Wachstumsrate um 3 Prozent, doch das ist nur der Blick in den Rückspiegel. Die Ökonomen der Deutschen Bank erwarten für den Winter eine Stagnation, die Kollegen von Morgan Stanley sehen ein Risiko von eins zu drei für eine Rezession.

Einen Lichtblick gibt es. Diesmal sind es nicht die Exporte, die auch im Frühjahr trotz der Schwäche der meisten Handelspartner noch zulegten. Denn laut Statistischem Bundesamt wuchsen die Importe noch stärker, sodass der Außenhandel insgesamt die Wirtschaftsleistung drückte. Auch der private Konsum bremste die deutsche Wirtschaft trotz der guten Entwicklung am Arbeitsmarkt. Die Rolle des Staats als mögliche Konjunkturstütze war den Statistikern in ihrer Schnellschätzung gar keine Erwähnung wert. Doch wenigstens die Investitionen - mit Ausnahme der Bauinvestitionen - sollen im zweiten Quartal positive Impulse gebracht haben.

"Die expansiv ausgerichteten Investitionen der Unternehmen waren hierzulande ein Hauptträger der Konjunktur", heißt es auch im aktuellen Monatsbericht der Bundesbank. Die Firmen ersetzten und erweiterten vor allem ihren Maschinenpark und andere Ausrüstungsgüter, weil sie dank voller Auftragsbücher bis zum Anschlag produzieren. Laut Bundesbank lastet die deutsche Industrie ihre Kapazitäten aktuell zu 86,7 Prozent aus - der höchste Wert in der Euro-Zone, deutlich mehr als bei den meisten Nachbarn. Neuerdings importiere Deutschland sogar Kapital, im Frühjahr unterm Strich viereinhalb Milliarden Euro Direktinvestitionen, vor allem weil deutsche Konzerne Geld von ausländischen Töchtern abzogen.

Investitionen wachsen mit zweistelligen Raten - noch

Doch geht dieser Trend nach dem Sommer weiter? Vor allem davon scheint abzuhängen, ob der Aufschwung sich fortsetzt. "Die Unsicherheit an den Finanzmärkten und in der Realwirtschaft verstärkt sich gegenseitig", warnt Unicredit-Volkswirt Rees. "Wollen Unternehmen auf Nummer sicher gehen, halten sie sich mit ihren Investitionsentscheidungen zurück." Da Investitionen von den im Export erwirtschafteten Gewinnen abhingen, "werden auch diese leiden", erwartet Ökonom Stefan Schneider von der Deutschen Bank. Für 2012 erwarte er einen Rückgang des Investitionswachstums auf immerhin noch 5 Prozent.

Bisher muten die Wachstumsraten noch geradezu chinesisch an. Laut dem an diesem Dienstag veröffentlichten Investitionstest des Münchener Ifo-Instituts dürfte die westdeutsche Industrie in diesem Jahr 14 Prozent mehr investieren als 2010. Einige große Branchen wie Maschinenbau, Autoindustrie oder Schiffbau wollen sogar ein Fünftel bis ein Viertel mehr ausgeben als im Vorjahr. Der Saldo aus Unternehmen, die zusätzliche Investitionen planen, und solchen, die ihre Budgets kürzen wollen, ist mit plus 63 Prozent so positiv wie noch nie.

Unternehmen setzen auf neue Produkte - Rationalisierung wird unwichtig

Dennoch bleibe die Investitionssumme trotz des starken Wachstums immer noch hinter dem Vorkrisenniveau zurück, bemerkt Ifo-Expertin Annette Weichselberger - Grund ist der historische Einbruch von 2009. "Nach der Zurückhaltung der vergangenen beiden Jahre besteht sicher ein gewisser Nachholbedarf", erklärt Weichselberger. Ein klares Zeichen für Wachstum lieferten aber die im Investitionstest erfassten Motive. 65 Prozent der Unternehmen wollten vor allem investieren, um ihre Produktion zu erweitern; die Umstellung auf neue Produkte sei dabei noch wichtiger als zusätzliche Kapazität. Den Ersatz alter Anlagen und die Rationalisierung der Produktion sehen dagegen immer weniger Firmen als Hauptmotiv.

Allerdings basiert der Ifo-Investitionstest auf einer Umfrage im Frühjahr. Er gibt also keine Auskunft, ob die Unternehmen inzwischen Pläne gestoppt haben. Immerhin von Juli stammt eine Umfrage von GE Capital nur unter kleinen und mittleren Unternehmen, die demzufolge in den kommenden zwölf Monaten 145 Milliarden Euro vor allem in Maschinen und Fuhrpark investieren wollen. Doch hier zeigt sich bereits ein durchwachsenes Bild: Während die süddeutschen Mittelständler 23 Prozent mehr für Maschinen ausgeben wollten, kürzten die Firmen im Norden ihre Budgets um 38 Prozent.

Speziell auf Investitionen bezogene Frühindikatoren gibt es nicht. Die Dekabank verweist als Näherungswert auf die Produktion in den Branchen, die vor allem Investitionsgüter herstellen. Elektroindustrie und Maschinenbau legten im Quartalsvergleich gerade noch um 3,5 Prozent zu. Deka-Volkswirt Andreas Scheuerle spricht von einer "Normalisierung nach einer stürmischen Investitionstätigkeit". Nach guten Nachrichten für die deutsche Konjunktur klingt das nicht.

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