Dienstag, 2. Juni 2020

Investitionen Die letzte Stütze der Konjunktur

Milliardenprojekte: Wo Firmen in Deutschland investieren
BASF

Die Exportmaschine schwächelt, der Konsum auch - bleiben die Investitionen der Unternehmen, um den deutschen Aufschwung weiter zu tragen. Die Budgets für neue Maschinen und Anlagen wachsen im Rekordtempo. Doch auch dieser Trend lässt bereits nach.

Hamburg - "Ich sehe nichts, was auf eine Rezession in Deutschland hindeutet." Mit diesem Basta schob Bundeskanzlerin Angela Merkel im ZDF-Sommerinterview am Sonntag die Debatte um ein Ende des deutschen Aufschwungs beiseite. Doch es gibt tatsächlich einiges zu sehen, was Grund zur Sorge liefert.

Die meisten Frühindikatoren der Konjunktur zeigen seit Monaten nach unten. Der stark wachsende Pessimismus der vom ZEW-Institut befragten Finanzmarktexperten verwundert nach dem jüngsten Börsencrash kaum. Doch auch der Einkaufsmanagerindex, der neben der Stimmung in der Wirtschaft harte Daten wie Produktionspläne und Auftragseingang misst, steuert die Schwelle von 50 Punkten an, die schrumpfende Aktivität markiert. "Wo Rauch ist, ist üblicherweise auch Feuer", meint Unicredit-Chefvolkswirt Andreas Rees.

Schon im zweiten Quartal wuchs die deutsche Wirtschaft kaum noch. Wegen des starken Jahresauftakts erwarten die meisten Volkswirte zwar für 2011 insgesamt eine Wachstumsrate um 3 Prozent, doch das ist nur der Blick in den Rückspiegel. Die Ökonomen der Deutschen Bank erwarten für den Winter eine Stagnation, die Kollegen von Morgan Stanley sehen ein Risiko von eins zu drei für eine Rezession.

Einen Lichtblick gibt es. Diesmal sind es nicht die Exporte, die auch im Frühjahr trotz der Schwäche der meisten Handelspartner noch zulegten. Denn laut Statistischem Bundesamt wuchsen die Importe noch stärker, sodass der Außenhandel insgesamt die Wirtschaftsleistung drückte. Auch der private Konsum bremste die deutsche Wirtschaft trotz der guten Entwicklung am Arbeitsmarkt. Die Rolle des Staats als mögliche Konjunkturstütze war den Statistikern in ihrer Schnellschätzung gar keine Erwähnung wert. Doch wenigstens die Investitionen - mit Ausnahme der Bauinvestitionen - sollen im zweiten Quartal positive Impulse gebracht haben.

"Die expansiv ausgerichteten Investitionen der Unternehmen waren hierzulande ein Hauptträger der Konjunktur", heißt es auch im aktuellen Monatsbericht der Bundesbank. Die Firmen ersetzten und erweiterten vor allem ihren Maschinenpark und andere Ausrüstungsgüter, weil sie dank voller Auftragsbücher bis zum Anschlag produzieren. Laut Bundesbank lastet die deutsche Industrie ihre Kapazitäten aktuell zu 86,7 Prozent aus - der höchste Wert in der Euro-Zone, deutlich mehr als bei den meisten Nachbarn. Neuerdings importiere Deutschland sogar Kapital, im Frühjahr unterm Strich viereinhalb Milliarden Euro Direktinvestitionen, vor allem weil deutsche Konzerne Geld von ausländischen Töchtern abzogen.

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