Mittwoch, 26. Juni 2019

Neue Schwindsucht Kippelige Immobilienbranche alarmiert Amerika

New York: Investoren versteifen sich auf beste Immobilienlagen

Das ist mehr als ein Schuss vor den Bug: Just, als Amerikas wichtige Immobilienbranche einen Gang höher schalten will, droht sie erneut wegzukippen. Damit gerät eine weitere Stütze der US-Konjunktur ins Wanken - und Amerika erfasst Rezessionsangst.

Hamburg - Die Rating-Watsche gegen die USA und die erneuten Börsenkapriolen bringen jetzt eine weitere Stütze der US-Konjunktur ins Wanken: den gewerblichen Immobilienmarkt.

Weil Hypothekenzinsen steigen, die Verbriefung von Forderungen aus Immobilienkrediten wieder stockt und ausgezehrte Konsumenten den Einzelhandel dämpfen, fürchten Immobilienexperten einen Infarkt der noch jungen Erholung am Markt für Bürogebäude, Malls, Hotels und Industrieflächen. Was droht, sind kollabierendes Vertrauen in die Märkte, steigende Kapitalkosten sowie eine fortgesetzte Flucht in vermeintlich sichere Anlagen. Das ist Gift für den gewerblichen Immobilienmarkt, der zuletzt wieder langsam auf die Füße gekommen war.

"Die Investitionsbedingungen im Gewerbemarkt verbessern sich. Steigende Zinsen bedeuten aber, dass wir eine kräftigere wirtschaftliche Erholung brauchen, um höhere Gebäudepreise zu erzielen", sagt der unabhängige Ökonom Sam Chandan in New York. Das ist jedoch eine der optimistischen Prognosen.

Das Gegenteil erwarten viele führende Ökonomen. Serienweise haben große Banken - darunter Citigroup Börsen-Chart zeigen, JP Morgan und Goldman Sachs Börsen-Chart zeigen- in den vergangenen Tagen angesichts miserabler Konjunkturdaten ihre Wachstumsprognose (BIP) für die USA gesenkt. Morgan Stanley Börsen-Chart zeigen sieht die USA sogar "gefährlich nahe an einer Rezession". Im Klartext: Gewerbeimmobilien drohen einer der großen Dominos in der einbrechenden Konjunktur zu werden: Weniger Büronachfrage, weniger Umsatz für Malls, weniger Mietbedarf für Lagerhallen.

Neue Jobs verpuffen

Eine Überraschung ist das nicht. Der von Bloomberg erstellte Index des Konsumentenvertrauens fiel im August auf den niedrigsten Stand seit der Großen Rezession. Die Marktforscher J.D. Power und IHS Automotive schraubten gerade ihre Absatzprognose für den Automobilmarkt 2011 herunter.

Die Öl-Notierungen sind wegen der drohenden Rezession seit vier Wochen auf Talfahrt. Währenddessen reichen die neu geschaffenen Jobs kaum aus, um das Bevölkerungswachstum auszugleichen, geschweige denn, verlorene Arbeitsplätze aus der Großen Rezession zurück zu gewinnen. Den USA fehlen immer noch 6,8 Millionen Arbeitsplätze, die seit der Finanzkrise verloren gingen.

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