Stagnierende Wirtschaft Frankreich flucht über die Sommernull

Dämpfer für Europa: Griechenland steckt weiter tief in der Rezession, und jetzt zeigt auch noch das Euro-Schwergewicht Frankreich Schwächen. Die Wirtschaft des Landes tritt offenbar auf der Stelle. Deutschlands Unternehmen scheinen sich dagegen weiter gut zu schlagen.
Stagnierende Produktion: Frankreichs Wirtschaft zuletzt weniger stark

Stagnierende Produktion: Frankreichs Wirtschaft zuletzt weniger stark

Foto: FREDERICK FLORIN/ AFP

Paris - Es ist ein Rückschlag in unruhiger Zeit. Mitten in den heftigsten Börsen- und Finanzturbulenzen seit Monaten zeigt jetzt auch noch einer der bisherigen Eckpfeiler der europäischen Wirtschaftserholung Schwächen. Frankreichs Wirtschaft ist im zweiten Quartal dieses Jahres nahezu auf der Stelle getreten, wie das Statistikamt in Paris am Freitag mitteilte. Noch zu Jahresanfang hatten sich die Franzosen über das stärkste Quartalswachstum seit rund fünf Jahren gefreut, denn in den ersten drei Monaten des Jahres hatte Frankreichs Wirtschaft ein Plus von 0,9 Prozent geschafft.

Die Stagnation der französischen Wirtschaft in den darauf folgenden drei Monaten aber stellt nun die Erholung der gesamten Euro-Zone zunehmend in Frage. Denn neben Deutschland galt das Schwergewicht Frankreich bisher als mitentscheidender Wachstumsmotor im Euro-Raum. Viele hoch verschuldete Staaten wie Italien, Spanien, Portugal kommen dagegen nur mühsam aus der Krise heraus oder stecken wie Griechenland weiter mitten in der Rezession. Nach Angaben der griechischen Statistikbehörde vom Freitag ist Griechenlands Wirtschaft auch noch im zweiten Quartal dieses Jahres stark geschrumpft. Das Bruttoinlandsprodukt sei nicht-saisonbereinigt um 6,9 Prozent zum entsprechenden Vorjahresmonat gefallen.

Die schwächere Wirtschaftsentwicklung Europas lässt sich jetzt bereits auch an anderen Statistiken ablesen. So ist die Industrieproduktion in der Euro-Zone im Juni zum Vormonat deutlich gesunken. Im Vergleich zum Vormonat sei die Produktion um 0,7 Prozent gefallen, teilte die europäische Statistikbehörde Eurostat ebenfalls am Freitag mit. Im Jahresvergleich allerdings erhöhte sich die Produktion im Juni immer noch um 2,9 Prozent. Von einem Rückfall in die Rezession ist Europas Wirtschaft also offenbar weiterhin weit entfernt. Der noch deutliche Aufschwung verliert aber erkennbar an Fahrt.

Deutschlands Unternehmen halten sich nach ersten Einschätzungen dagegen weiterhin vergleichsweise gut. Die Dax-Konzerne beispielsweise steigerten ihren Umsatz nach Berechnungen des Beratungs- und Prüfungsunternehmens Ernst & Young von heute im Schnitt um 8 Prozent und ihren operativen Gewinn um 12 Prozent. Allerdings halten sie damit auch nicht mehr das teils fulminante Tempo aus dem Auftaktquartal dieses Jahres, als ihr Umsatz noch um durchschnittlich 12 Prozent und Ergebnis vor Zinsen und Steuern um gewaltige 61 Prozent zugelegt hatte.

Neuer Zündstoff für Europas Schuldenkrise

In Frankreich sorgten im vergangenen zweiten Quartal vor allem zurückhaltende Verbraucher für einen Dämpfer. Der Privatkonsum sank deutlich um 0,7 Prozent. Dies sei der größte Rückgang seit fast 15 Jahren, sagte Analystin Jennifer McKeown von Capital Economics. Für die gesamte Wirtschaft hatten Fachleute für die Zeit von April bis Juni eine Steigerung der Wirtschaftsleistung von 0,3 Prozent erwartet. McKeown senkte prompt ihre Wachstumsprognose für Frankreich von zuvor 2,0 auf nunmehr 1,5 Prozent im laufenden Jahr. Das könnte auch die europäische Schuldenkrise weiter anstacheln.

"Vor dem Hintergrund der stagnierenden Wirtschaft und der Präsidentschaftswahl im nächsten Frühjahr wird es extrem schwierig, aggressive Sparmaßnahmen umzusetzen, die nötig sind, um die Märkte davon zu überzeugen, dass die Regierungsfinanzen auf einem stabilen Fundament stehen", sagte McKeown." An den Finanzmärkten wird immer stärker angezweifelt, ob Frankreich sein "AAA"-Top-Rating als Schuldner behalten wird.

"Es ist keine Überraschung, dass die Zahlen für das zweite Quartal schwächer sind als für das erste, das hatten wird erwartet", sagte Finanzminister François Baroin dagegen am Freitag dem französischen Radiosender RTL. Die Regierung werde trotz des geringen Wachstums an ihren Sparplänen festhalten.

kst/rtr/dpa/afp
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