Ranking Deutschland ist zweitgrößter Investor der Welt

Deutschland befindet sich als globaler Investor auf dem Vormarsch. Im vergangenen Jahr haben die Deutschen mehr als 100 Miliarden Dollar im Ausland investiert und damit Platz zwei im internationalen Ranking erreicht.
VW-Werk in Chattanooga: Volkswagen hat rund 700 Millionen Euro in sein neues US-Werk investiert, das im Mai eröffnet wurde

VW-Werk in Chattanooga: Volkswagen hat rund 700 Millionen Euro in sein neues US-Werk investiert, das im Mai eröffnet wurde

Foto: Volkswagen

Berlin/Genf - Mit 105 Milliarden Dollar Direktinvestitionen im Ausland und damit 27 Milliarden Dollar mehr als im Jahr zuvor rückte Deutschland 2010 unter den weltweit größten Investoren um einen auf Rang zwei hinter den USA vor, wie der neue Weltinvestitionsbericht der UN-Handelsorganisation Unctad auswies.

Hauptgrund sei, dass Deutschland erheblich besser als viele andere Industriestaaten durch die jüngste Wirtschafts- und Finanzkrise gekommen ist, erklärte Unctad-Sprecher Joachim Karl. 2010 zogen die Direktinvestitionen im Ausland weltweit um 5 Prozent auf 1,24 Billionen Dollar an - das ist aber noch 37 Prozent unter dem Rekord des Vorkrisenjahres 2007. Erst 2013 sollte dieses Vorkrisenniveau von knapp zwei Billionen Dollar der Unctad zufolge wieder erreicht werden.

Mit 52 Prozent kamen nach Karls Worten die Entwicklungs- und Schwellenländer - zusammen mit den Transformationsländern Osteuropas - als Zielland für Investitionen aus dem Ausland erstmals auf einen höheren Anteil als die Industrieländer. Treiber seien dabei die aufstrebenden Länder wie China, Indien und Brasilien gewesen. Dagegen fallen die ärmsten Länder, insbesondere aus Afrika, beständig immer weiter zurück.

Weltweite Regulierung nimmt zu

Als bemerkenswerten Trend hielt die Unctad die anhaltende Zunahme restriktiver Maßnahmen weltweit fest. Noch im Jahr 2000 seien 98 Prozent der wirtschaftspolitischen Maßnahmen in Richtung Liberalisierung und nur 2 Prozent in Richtung Regulierung gegangen. Zehn Jahre später entfielen fast ein Drittel auf regulierende, beschränkende Maßnahmen. Karl zufolge ist dieser Trend zwar durch die Finanzkrise verstärkt worden, läuft aber schon über viele Jahre.

Deutschlands Position im globalen Investitionsgeschehen hat sich auch gegenüber den größten europäischen Konkurrenten stark verbessert. Lagen Frankreich, vor allem aber Großbritannien, vor zwei Jahren noch weit vor Deutschland, so hat Deutschland die Nachbarländer inzwischen weit überflügelt. Der deutsche Bestand an Auslandsinvestitionen lag 2010 bei 1,4 Billionen Dollar.

Als Zielland von Auslandsinvestitionen sieht die Lage allerdings nicht ganz so gut aus. In der Unctad-Rangliste liegt das Land hier wie schon 2009 auf Rang sechs, konnte aber einen Anstieg um acht Milliarden Dollar auf 46 Milliarden Dollar verbuchen.

Großkonzerne wie Siemens und Co. werden immer bedeutsamer

Die Investitionsentwicklung unter den Industrieländern fiel trotz einer generellen Erholung im vergangenen Jahr auseinander. So sackte der Zufluss an Auslandsinvestitionen in ganz Europa um 19 Prozent auf 313 Milliarden Dollar ab. Hier wirkte sich laut Unctad unter anderem die Schuldenkrise in einigen Euro-Ländern dämpfend aus.

Japan erlebte sogar per Saldo einen Abfluss von Auslandsinvestitionen. Dagegen verzeichneten die USA einen Anstieg um 44 Prozent auf 252 Milliarden Dollar. Bei den eigenen Investitionen im Ausland legten die Europäer dagegen um 37 Milliarden Dollar auf 407 Milliarden Dollar zu. Ähnlich stark legten auch die USA zu.

Immer bedeutsamer für die Weltwirtschaft werden dem Bericht zufolge die großen transnationalen Unternehmen. Im Jahre 2010 entfiel rund ein Viertel der weltweiten Wirtschaftsleistung auf diese privaten Megaunternehmen. Beispiele für solche transnational tätigen Unternehmen sind in Deutschland Siemens, Bosch oder auch die Deutsche Telekom sowie die Allianz, die Deutsche Bank und auch die Münchener Rück. Die staatseigenen global tätigen Großkonzerne erreichen immerhin 11 Prozent der Weltwirtschaftsleistung.

mg/rtr
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