Einkaufsmanagerindex Wachstumsschwäche erreicht Deutschland

In der Euro-Zone gesellen sich zur Schuldenkrise immer mehr wirtschaftliche Probleme: Die Mehrheit der europäischen Industriefirmen beurteilt ihre geschäftliche Lage im Juli erstmals schlechter als im Vormonat. Auch in Deutschland hat die Wirtschaft erheblich an Schwung verloren.
Einbruch in der Industrie: Erstmals seit 2009 ist die Produktion wieder gesunken

Einbruch in der Industrie: Erstmals seit 2009 ist die Produktion wieder gesunken

Foto: dapd

Berlin - "Die Finanzkrise außen vor, war der Juli der schlechteste Monat seit dem Irak-Krieg 2003", sagte Markit-Chefvolkswirt Chris Williamson zu der Umfrage seines Instituts unter tausend Unternehmen in Europa. Die Wachstumsschwäche habe nach Krisenstaaten wie Griechenland und Portugal nun auch die Schwergewichte Deutschland und Frankreich erfasst.

Der Einkaufsmanagerindex für die gesamte Privatwirtschaft fiel im Juli von 53,3 auf 50,8 Punkte. Das ist der niedrigste Stand seit fast zwei Jahren. Analysten hatten mit 52,6 Zählern gerechnet. Das Barometer hielt sich damit nur noch knapp über der Marke von 50 Zählern, ab der ein Wachstum signalisiert wird.

Besonders schlecht schnitt die Industrie in den Euro-Ländern ab. Dieser Einkaufsmanagerindex sank auf 49,5 von 52,5 Punkte. "Die Industrieproduktion schrumpfte erstmals seit Juli 2009 wieder leicht", hieß es. Die Unternehmen erhielten den zweiten Monat in Folge weniger Aufträge. Die Exportaufträge gingen so stark zurück wie seit zwei Jahren nicht mehr.

Nur auf dem Arbeitsmarkt läuft es noch ganz gut

Der Einkaufsmanagerindex für die Dienstleister ging auf 51,4 von 53,7 Punkte zurück. "Die Frühindikatoren verheißen ebenfalls nichts Gutes", schrieben die Markit-Forscher. "So verharrten die Geschäftsaussichten binnen Jahresfrist im Servicesektor auf dem niedrigsten Stand seit Juli 2009."

Obwohl Geschäftstätigkeit und Auftragseingang insgesamt in Europa fast stagnierten, wurden neue Mitarbeiter eingestellt. Allerdings könne der Stellenaufbau bald zum Erliegen kommen, weil das Auftragspolster der Unternehmen geschrumpft sei. "Auf dem Arbeitsmarkt läuft es momentan zwar noch ganz gut", sagte Chefvolkswirt Williamson. "Doch wäre es eine große Überraschung, wenn die Firmen infolge der regelrecht einbrechenden Frühindikatoren, wie zum Beispiel dem Auftragseingang, bei den Neueinstellungen nicht alsbald wieder größere Zurückhaltung an den Tag legen würden."

Deutscher Index fällt auf niedrigsten Stand seit 2009

Auch in Deutschland beurteilen die Unternehmen die Lage zunehmend kritisch. Der Einkaufsmanagerindex für die Industrie fiel von 54,6 auf 52,1 Punkte. Das ist der niedrigste Stand seit Oktober 2009. Analysten hatten lediglich mit einem Rückgang auf 54,0 Punkte gerechnet. Der exportabhängigen deutschen Industrie macht vor allem das schwache Neugeschäft zu schaffen: Erstmals seit mehr als zwei Jahren erhielt sie weniger Aufträge als im Vormonat. Besonders aus dem Ausland blieben viele Bestellungen aus.

Bei den Dienstleistern sieht es nicht viel besser aus. Hier fiel der Einkaufsmanagerindex von 56,7 auf 52,9 Punkten. Analysten hatten 56,0 Punkte vorhergesagt. "Im Servicesektor liefen die Geschäfte zwar etwas besser als in der Industrie, doch auch hier gab die Wachstumsrate auf den niedrigsten Wert seit 17 Monaten nach", sagte Markit-Ökonom Moore. "Dem deutschen Aufschwung geht so langsam die Puste aus."

Die Chancen für eine rasche Besserung stehen nicht gut: Die Dienstleister beurteilten die Aussichten so schlecht wie seit November 2009 nicht mehr. Trotz der Wachstumsverlangsamung wollen sowohl die Dienstleister als auch die Industrie neue Mitarbeiter einstellen. Der Zuwachs fiel erneut überdurchschnittlich stark aus.

mg/rtr
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