Zukunftssorgen IWF warnt Deutschland vor Stagnation

Noch läuft Deutschlands Wirtschaft rund, doch der IWF warnt vor schwachen Jahren in der Zukunft. Die Bundesregierung müsse dem Bevölkerungsrückgang, dem Ausbildungswesen und dem Innovationsklima besondere Aufmerksamkeit schenken, um auch auf lange Sicht eine starke Konjunktur zu sichern.
Warnung vor der Zukunft: IWF fordert Bundesregierung zu grundlegenden Reformen auf

Warnung vor der Zukunft: IWF fordert Bundesregierung zu grundlegenden Reformen auf

Foto: Jens Wolf/ picture-alliance/ dpa

Washington - Der Internationale Währungsfonds (IWF) hat Deutschland vor einem Abgleiten in ein langfristig niedriges Wirtschaftswachstum gewarnt. Die Bundesregierung müsse dem Bevölkerungsrückgang, dem Ausbildungswesen und dem Innovationsklima besondere Aufmerksamkeit schenken, um auch auf lange Sicht eine starke Konjunktur zu sichern, schrieb der IWF in einer am Dienstag in Washington veröffentlichten Analyse.

Zudem müsse das Land seine hohe Abhängigkeit von Exporten verringern und die Binnennachfrage stärken; allerdings ist insbesondere die Binnennachfrage derzeit der Haupttreiber der deutschen Konjunktur. Auch sollten die Gesetzgeber ihre Sparbemühungen für die öffentlichen Haushalte nicht übertreiben, um zu verhindern, die Konjunktur damit abzuwürgen. Deutschland leistet sich allerdings derzeit noch immer ein Defizit von vielen Milliarden Euro, obwohl die Steuereinnahmen bereits historische Höhen erreicht haben.

Der IWF lobte Deutschland zwar für die schnelle Erholung nach der Wirtschaftskrise der vergangenen Jahre. Sie habe kurzfristig sogar die Erwartungen übertroffen: Das Wachstum werde in diesem Jahr 3,2 Prozent betragen statt wie bisher vom IWF geschätzt 2,5 Prozent; die vom IWF geschätzten 3,2 Prozent liegen indes noch weit unter den Erwartungen hiesiger Experten, die mit einem Plus von bis zu 4 Prozent rechnen. Aber schon im kommenden Jahr kühle sich die Konjunktur ab. Sie werde dann nur noch 2,0 Prozent zulegen statt 2,1 Prozent, wie die Organisation der Vereinten Nationen im April angenommen hatte. In diesem Fall rechnen auch hiesige Experten mit Ähnlichem.

Langfristig müsse Deutschland aus heutiger Sicht mit einer geringen Wachstumsrate von 1,25 Prozent rechnen. Gründe dafür seien unter anderem, dass die Bevölkerung überaltere und daher die Zahl der Arbeitskräfte sinke. Die Regierung müsse daher mit ihrer Steuerpolitik versuchen, mehr Menschen zum Arbeiten zu bewegen.

Durch Reformen im Bildungswesen, die unter anderem eine frühe Betreuung für mehr Kinder sowie Anreize für lebenslanges Lernen vorsehen, müsse die Produktivität der Erwerbsbevölkerung gesteigert werden, so der IWF weiter. Zudem müsse ein besseres Klima für Investitionen geschaffen werden, die auch riskante Unternehmungen erlaubt.

kst/rtr
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